Ziersdorf: Eine Anlage, die jedes Korn findet. Mühlenbesitzer Herbert Poinstingl und sein langjähriger Partner aus Hamburg präsentierten Getreidereinigungsanlage und hoffen auf regionale Abnehmer.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 16. Juni 2019 (03:45)
Sylvia Stark
In der Assmann-Mühle: Walter Gneist, Johann Gartner, Tobias Steinmetz

Herbert Poinstingl, Eigentümer der Assmann-Mühle hinter dem Konzerthaus Weinviertel, präsentierte Anfang Juni mit seinem deutschen Geschäftspartner Tobias Steinmetz eine neue Anlage zur Reinigung von Getreide. Bäcker und Landwirte aus der Umgebung sowie ein ganzer Bus aus Guntramsdorf – Familie Poinstingl stammt von dort – peilten den Ziersdorfer Getreidesilo an.

Der Hamburger Geschäftsmann Steinmetz klärte die Besucher, die im Foyer des Konzerthauses empfangen wurden, über sein spezielles Verfahren zur Getreidereinigung auf. Danach ging es zur Veranschaulichung in den Getreidesilo.

„Alle Körner, die nicht passen, werden mithilfe eines Luftstroms ausgeblasen“Herbert Poinstingl

„Wenn sie einen Apfel essen, dann waschen sie ihn vorher. So machen wir es mit unserem Getreide in der Steinmetzmühle“, erklärte und demonstrierte Steinmetz seine Anlage, die im dritten Stock des Silos steht. „Denn Getreide wächst nicht im Treibhaus. Durch die Feuchtigkeit bilden sich Bakterien und Pilze, daher werden die Oberhaut und die äußerste Fruchtschale entfernt.“

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Auch Maxim Steinmetz und Leon Singer interessierten sich für die Mehlsäcke – aus einem anderen Grund als die Erwachsenen …

Die entfernte Schale enthält Wachs- und Bitterstoffe und ist für die Ernährung nicht wertvoll. Die Hüllen, die nach der Reinigung übrig bleiben, sind auch nicht als Tierfutter geeignet und landen als Abfallprodukt in der Biogasanlage. Bei herkömmlichen Mehlen wird dieses Reinigungsverfahren übrigens nicht angewendet.

Das Mehl, das durch das „Nassschälverfahren“ in der „Steinmetzanlage“ gereinigt wird, liefert die Assmann-Mühle an Bäckereien, vorwiegend im Wiener Becken. „Wir hoffen, dass wir mit dieser Veranstaltung auch Bäcker aus dem Weinviertel für unser gereinigtes Mehl gewinnen können“, meinte Herbert Poinstingl, dessen Familie auch im Besitz der Maismühle in Kleinwiesendorf und der Weizenmühle in Guntramsdorf ist.

Die zweite Neuerung, die bei dem Fest vorgestellt wurde, ist ein Farbausleser. „Jedes Korn wird mit einer Digitalkamera fotografiert. Alle Körner, die nicht passen, werden mithilfe eines Luftstroms ausgeblasen“, erklärte der Mühlenchef. „Während der Blütezeit vom Roggen können Pilzinfektionen auftreten, wobei sich ein Mutterkorn bildet, das extrem giftig ist und wie eine Droge wirkt“, fuhr Ex-Obermüllermeister Karl Hengl fort.

Nach so vielen Informationen über die Arbeit in der Ziersdorfer Mühle legten die Gäste rund um Bürgermeister Johann Gartner die weißen Schutzmäntel und Hauben wieder ab und begaben sich ins Konzerthaus auf ein herrliches Abenddinner.