Auf den Spuren der Spezies "Köllaumaun"

Erstellt am 20. Juni 2022 | 10:25
Lesezeit: 6 Min
Ilse Gritsch widmete dem Köllamaun eine ganze Veranstaltung in der Königlichen Kellergasse Dürnleis. Als Schirmherr fungierte Kellergassenvagabund Roland Girtler, der Wissenswertes über die Lebensweise der Köllamauna erzählte. Aber auch Landtagspräsident Karl Wilfing ließ die Gäste an seinem Wissen über den Wein und die Kellergassen teilhaben.
Werbung
Anzeige

Wie tickt die Spezies Kellermann? Diese Frage kann natürlich nur in einer Kellergasse beantwortet werden. Darum lud Kellergassenführerin Ilse Gritsch am Wochenende nach Dürnleis in die Königliche Kellergasse ein, um gemeinsam mit dem Kulturanthropologen Roland Girtler über die „Köllamauna“ aufzuklären. Natürlich mit viel Programm in der Kellergasse: Der Heurigen von Familie Müllner war geöffnet, Ingrid Faltynek kam mit ihrem Pimperletheater und spielte mit ihren Stabmarionetten die Premiere von „Mein Großvater, der Köllamaun“.

Gritsch erzählte ihrer Besuchergruppe, dass der Köllamaun gegen vier Uhr am Nachmittag zu Hause „unrund geworden ist“. Warum? Weil es dann an der Zeit war, in die Kellergasse zu fahren, sich in den Keller zu setzen und sich dort ein Glaserl Wein einzuschenken. Was hat er dann gemacht? „Nichts. Er hat sinniert“, erklärte Gritsch. Heute würde man das wohl Meditation nennen – auf jeden Fall ist es gesund für die Seele. 

Psychische Probleme? Ab ins Wirtshaus und reden!

Kellergassenvagabund Girtler stimmte hier ein. Er ist Sohn eines Landärzte-Ehepaars. „Mein Vater hat Menschen mit psychischen Problemen ins Gasthaus geschickt und ihnen gesagt, sie sollen sich ein Achterl bestellen und mit dem Kellner reden.“ In den Kellergassen hätten sich die Männer immer schon zusammengesetzt, „um zu reden und die Welt zu erklären“. 

Zu diesem Thema hatte Landtagspräsident Karl Wilfing ebenfalls Schwänke aus seinem Leben parat. So erinnerte er sich, wie er als junger Bursche mit seinen Freunden von der Disko nach Hause gekommen ist. Ein Abstecher in die Kellergasse musste da immer noch sein. „Die Köllamauna haben schon auf uns gewartet“, erzählt er von spannenden Gesprächen „und einer Hetz“ vor dem Kirchgang. 

Wasser allein macht stumm, Wein allein macht dumm

Wilfing hat sich über die Einladung nach Dürnleis sichtlich gefreut, nicht nur, weil er 62 Jahre alt werden musste, um diese endlich zu erkunden: „Es gibt doch nix schöneres, als durch eine Kellergasse zu vagabundieren.“ Und so marschierte er mit der interessierten Truppe durch die Kellergasse zu den verschiedenen Stationen und lauschte Girtlers Weisheiten, etwa: Wasser allein macht stumm, das zeige sich an den Fischen im Wasser. Wein allein mache dumm, das zeige sich an so manchem Wirtshaustisch. Darum empfahl der Kellergassenvagabund, das Wasser und den Wein zu mischen. 

Dem wollte Wilfng nicht ganz zustimmen, denn: "Das Wasser ist teuer, das müssen wir sparen!", empfahl er, mehr Wein zu trinken. Dieser sei ohnehin das beste Lebenselixier: "Trinkt's Drünleiser Wein. Kardinal König wäre nie 99 Jahre alt geworden, hätte er ihn nicht getrunken!", spielte er auf den Namensgeber der Kellergasse an.

Elisabeth Schöffl-Pöll begleitete die Wanderung mit Gedichten rund um den Köllamaun. Musikalisch lauerten einige Schmankerl vor den Kellern: Adolf Schmid spielte mit der Mundharmonika auf, unterstützt wurde er von seiner Urenkelin Adriana Riepl – auf der Geige. Die Unterstinkenbrunner Köllamauna kamen mit ihren gewaltigen Stimmen ebenfalls nach Dürnleis, so wurde gemeinsam musiziert und gesungen bis die Besucher schließlich am Ende der königlichen Kellergasse angekommen war.

„Du bewegst und belebst die Kellergasse“

Dort wartete nicht nur Gritschs Familie mit kühlen Getränken, sondern auch „unser Köllamaun Nummer eins, Hans Maurer“, freute sich die Kellergassenführerin über einen weiteren Unterstützer. In Maurers Keller gibt’s nämlich noch eine Presse zu sehen, die er gerne herzeigt.

Martin Eckl, Bürgermeister von Nappersdorf-Kammersdorf, ist froh, über Gritschs Engagement: „Du bewegst und belebst die Kellergasse“, dankte er seine Gemeindebürgerin. Die Weine aus seinem Weingut sowie die eine neue Kreation, der Dirndlspritzer, standen während der Wanderung zur Verkostung bereit. Das Ambiente war somit rundum perfekt, um den lauen Sommerabend in der Kellergasse zu verbringen.

Werbung