Hollabrunner Bierbeisl-Chef will nicht mehr. Einst war Gerhard Brückner in führender Position beim Roten Kreuz engagiert. Nach fast 30 Jahren trennte er sich von der Rettungsorganisation, die sein erster großer Traum gewesen sei, und erfüllt sich einen neuen: Er übernahm das Bierbeisl am Lothringerplatz, das erst vor wenigen Monaten als Bühnenwirtshaus mit dem Kulturpreis "Maecenas" ausgezeichnet wurde. Nun endet auch dieses Kapitel.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 13. Mai 2020 (18:14)

"Lebensträume zu verwirklichen ist einfach das Schönste. Träume gehen auch zu Ende, und es beginnen neue", schreibt Gerhard Brückner in seiner Abschiedsnachricht. Er wird sein Bierbeisl nicht mehr öffnen.

Coronakrise hat tiefe Spuren hinterlassen

Die Coronakrise habe ihm die Freiheit genommen, die er für ein persönlich geführtes Irish Pub brauche. Es wird ein neuer Pächter gesucht. "Aus dieser Zeit habe ich viel gelernt und konnte für mein künftiges völlig anderes Leben einiges mitnehmen", sagt der nunmehrige Ex-Wirt.

Mit Hilfe seiner Freunde habe er damals, als er das Lokal übernahm, ein neues Lebenswerk begonnen. Nach seinen Vorstellungen: Wohlfühlen, Menschlichkeit, Gemütlichkeit, Freunde treffen, Live-Musik, Kunst, Kultur und Gedankenfreiheit. Nach ein paar harten Jahren sei diese Idee aufgegangen.

"Die Frau meines Vorgängers sagte mal zu mir: Das Lokal muss zu deinem Wohnzimmer werden“, erinnert sich Brückner. "Sie hatte so recht. Es waren ein paar harte Jahre, bis ich den Sinn dieser Worte begriff."

Doch nun hat die Coronakrise tiefe Spuren hinterlassen. "Meine Vorstellungen sind so nicht mehr zu leben", sagt Brückner mit Blick auf die aktuelle Situation. "Diese Gedanken schmerzen so, dass ich einfach unter diesen Umständen nicht weitermachen will."

"Sehr traurig, wie Angst Menschen verändern kann"

Auch persönliche Enttäuschungen seien dazugekommen. "Es ist sehr traurig, wie Angst Menschen verändern kann", schreibt Brückner. "Freiheit hat bei mir einen sehr hohen Stellenwert. Alle, die mich kennen, wissen das und werden meine Entscheidung verstehen."

Bei den Stammkunden und Musikern bedankt er sich für die schöne gemeinsame Zeit. Und bei seinem Vermieter, der ihn bis zuletzt unterstützt habe. "Dass ich das Pub heuer schließen werde, hätte ich vor der Krise nicht gedacht", seufzt Brückner. "Es braucht jetzt jemanden mit neuem Elan."

"Koste es, was es wolle. Es wird keiner zurückgelassen."? Zur Coronahilfe hat Brückner übrigens eine klare Meinung: Aus dem Härtefallfonds "Phase 2" hätte er 500 Euro bekommen. Das Wirtshauspaket sei ebenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. "Woher die 38,5 Milliarden Euro kommen, fragt man sich ja; aber wohin sie fließen, auch", meint Brückner.