„Goldene Kellen“ für Lehmhaus und Stadthaus. Gleich zwei Mal ging die höchste Auszeichnung des Landes NÖ für herausragende Baugestaltung und ausgewogene Einfügung in das Orts- und Landschaftsbild in den Bezirk Hollabrunn, nämlich in die Stadt Hollabrunn und nach Parisdorf.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 13. Mai 2019 (19:59)

Die „Goldene Kelle“, höchste Auszeichnung des Landes NÖ für herausragende Baugestaltung und ausgewogene Einfügung in das Orts- und Landschaftsbild, erging vergangene Woche in der Turbinenhalle AKW Zwentendorf neben fünf weiteren Preisträgern auch an ein saniertes Lehmhaus in Parisdorf und an ein revitalisiertes Stadthaus in Hollabrunn.

Im Rahmen des Architekturwettbewerbs um die „Goldene Kelle“ wählen die Leser des seit über 35 Jahren beliebten Architekturmagazins „Gestalte(n)“ ihre persönlichen Favoriten unter nominierten Highlights. 

Lehmhaus liebevoll vor Verschwinden bewahrt

Die Verleihung der mit Echtgold überzogenen Kellen nahm Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vor. Zu den Gewinnerprojekten zählte das sanierte, zuvor vom Verfall bedrohte Lehmhaus von Christine Tritthart und Ioan Torz in Parisdorf, bauliches Erbe einer Liegenschaftsgeschichte von vier Jahrhunderten.

Bereits 2001 nahmen sich die engagierten Eigentümer des alten Hauses an, welches nun ihre Handschrift trägt. Umfassende Sanierungsmaßnahmen, Verputze mit Lehm aus dem eigenen Garten und selbstgebaute Holzkastenfenster geben der baulichen Hülle und den in Pastellfarben gestalteten Innenräumen ihr heutiges Erscheinungsbild. Die Jury war sich einig: Hier ist es gelungen, Erhaltenswertes vor dem Verschwinden zu bewahren.


Historische Verfahren bei sensibler Sanierung

Als wahres Musterbeispiel für eine sensible Sanierung und Inwertsetzung bestehender, alter Bausubstanz in Zentrumslage gilt das Stadthaus der ECM Immobilien Ges.m.b.H. in der Hollabrunner Pfarrgasse. Der nur einen Katzensprung entfernt ansässige Architekt Ernst Maurer erwarb das zum Verkauf stehende Objekt und griff bei den Erhaltungsmaßnahmen des Gebäudes und des Stadels auf historische Verfahren und umweltverträgliche Materialien zurück. 

Mit Erdwärmeheizung und Kühlung wurde der Altbau auf neuesten Stand der Technik gebracht. Ein Mix an unterschiedlichen Dienstleistungsangeboten von Kosmetik-, Fitness- und Physiotherapiestudio bis hin zu einer Arztpraxis und einem Feinkostlokal mit Gartentischen im lauschigen Innenhof machen das alte Wohnhaus zu einem attraktiven Hotspot in der Innenstadt.


Balance zwischen Tradition und Innovation

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von der jungen Mostviertler Band „Deram“. „Die Pflege und Vermittlung baukultureller Werte ist Teil unseres kulturellen Selbstverständnisses“, betonte die Landeshauptfrau. Es sei enorm wichtig, die laufende Dokumentation der Weiterentwicklung der blau-gelben Architekturlandschaft jeden Interessierten frei zugänglich zu machen. Große Herausforderung sei es, die Balance zwischen Tradition und Innovation zu schaffen.

„Die präsentierten Bauwerke sind ein Vorbild für jene Menschen, die auch ein Bauprojekt verwirklichen wollen“, meinte Mikl-Leitner, während EVN-Sprecher Stefan Zach darauf hinwies, dass das historische Kernkraftwerk Zwentendorf zu einem Symbol für eine Zukunft mit erneuerbaren Energiequellen geworden ist.