Thomas Weinhappel, der „Figaro“ aus Göllersdorf. Der aus Göllersdorf stammende Bariton erzählt im NÖN-Interview, warum er Kirchstetten und Frisöre schätzt und warum es Spaß macht, Belcanto zu singen.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 19. Juli 2018 (05:52)
Thomas Weinhappel hat alles, was es für eine große Karriere braucht: Charme, Charisma und vor allem eine brillante Stimme.
Veronika Kulcsar

Am 4. August feiert der Bariton Thomas Weinhappel als „Figaro“ in Rossinis „Barbier von Sevilla“ beim Klassikfestival im Schloss Kirchstetten Premiere.

NÖN: Die Rolle des Figaro ist nicht Ihr erstes Engagement in Kirchstetten. Was macht den Spielort für Sie attraktiv?

Thomas Weinhappel: Meine erste Rolle in Kirchstetten war im Sommer 2014 der Don Giovanni, den ich sehr genossen habe. So hautnah mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen, ist für mich großartig; darüber hinaus ist das ganze Kirchstettener Team wie eine Familie. Da ist viel Entgegenkommen, sehr viel Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt beachtliche Kompetenz sowohl im organisatorischen als auch im künstlerischen Bereich. Und daran hat sich auch 2018 nichts geändert. Joanna Godwin-Seidl und Hooman Khalatbari sind große Könner ihres Fachs und haben alles, was man sich als Sänger von Regie und musikalischer Leitung nur wünschen kann.

„Figaro ist nicht umsonst Frisör; er durchschaut alle“

Was macht die Figur des Figaro so besonders?

Der Figaro ist – nach dem Giovanni, dem Hamlet und dem Tarquinius (alles tragische, schwierige, teils sogar finstere Charaktere) – eine wunderbare Gelegenheit, komödiantisches Talent zu beweisen. Gerade als Bariton hat man diese Gelegenheit nicht allzu oft und deshalb koste ich die Situationskomik dieser Rolle gerne in vollen Zügen aus.

Haben Sie persönlich einen Bezug zum Frisörgewerbe?

Figaro ist nicht umsonst Frisör; er durchschaut alle, kennt alle, macht alles – eben ein Faktotum! Genau wie Figaro müssen Frisöre die Menschen zuerst einmal durchschauen, verstehen; denn nur dann können sie durch die Gestaltung der Frisur das Besondere eines Menschen sichtbar machen. Für mich sind sie absolute Meister, die mit einem sehr schwierigen Medium umgehen müssen, denn Haare waren und sind ja zu allen Zeiten etwas ganz Sub stanzielles. Denken wir nur an Samson, der dadurch, dass ihm Dalila seine Haare abschnitt, seine ganze Kraft verlor. Ich bin Frisören immer sehr dankbar, wenn sie das Kunststück zuwege bringen, aus mir einen halbwegs passabel aussehenden Burschen zu machen (lacht)!

Macht es Spaß, Belcanto zu singen?

Ja, eindeutig ja! Belcanto ist für mich immer wie ein Baden in tausenden Gefühlen: einmal ein reich verzierter Gesang mit der größten Agilität, dann wieder eine wunderbar schmelzende, manchmal romantische Melodik; das alles gewürzt mit herrlichen musikalischen Einfällen – eine Freude, das singen zu dürfen!

Was sind Ihre nächsten Engagements?

Am 21. September gebe ich heuer nach „Winterreise“ und „Lieder & Arien“ meinen dritten Soloabend im Borromäussaal in Wien unter dem Motto „Operette & Musical“. Ich liebe die Oper sehr, aber ich möchte mich in keine Schublade sperren lassen; deshalb war das schönste Kompliment der Kritik bisher, dass ich einer sei, der „überall daheim“ ist.