Familien im Ausnahmezustand: "Tag strukturieren". Beratungsstelle "auf.leben" erweitert Öffnungszeiten für telefonische Anfragen, um Hilfestellungen im neuen Alltag zu geben.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 23. März 2020 (10:46)
Symbolbild
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Die Berater von "auf.leben", der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Erzdiözese Wien in Hollabrunn, stehen für die Zeit der verordneten Ausgangsbeschränkung außerhalb der üblichen Öffnungszeiten jetzt von Montag bis Freitag, täglich von 8 bis 20 Uhr, unter 0676-5555425 für telefonische Anfragen und Gespräche zur Verfügung.

Der Baum ist das Symbol der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle "auf.leben".
auf.leben

Damit soll ein wichtiger Beitrag zur psychosozialen Versorgung in der Region gewährleistet sein. Im Gespräch mit der NÖN gibt Stellenkoordinatorin Elisabeth Reiß-Heidenreich nun Tipps für den "Hausarrest" in den eigenen vier Wänden. 

Die aktuelle Situation mit Schließungen von Schulen und Kindergärten sowie den verordneten Ausgangsbeschränkungen stelle Familien vor noch nie erlebte organisatorische Herausforderungen. Dazu kommen die Sorgen um Gesundheit, Versorgung und wirtschaftliches Aus- und Fortkommen. 

Der Tag braucht Struktur 

Wie können Paare und Familien mit dieser plötzlichen, fast unfreiwilligen Nähe und Isolation in schwierigen Zeiten umgehen? Wie soll mit Kindern über diese Ereignisse und Gegebenheiten gesprochen werden? Wie können Mütter und Väter mit ihren eigenen Ängsten und Sorgen umgehen und Kindern bei der Bewältigung der Stresssituation helfen? Was kann man mit den Kindern Sinnvolles und Unterhaltsames tun?

"Den Tag grundsätzlich strukturieren, je nach Alter des Kindes kann es auch in die Planung und Gestaltung miteinbezogen werden", rät Reiß-Heidenreich. Spielideen können auf einen Zettel geschrieben, in ein Gefäß gegeben und dann daraus entnommen werden. An der Ausführung können sich alle beteiligen.

Bewegung ist wichtig und im kleinsten Raum möglich

Spaß mache es etwa, aus Büchern kurze Geschichten oder Teile vorzulesen. Dann wählt jeder für sich eine Figur oder ein bedeutsames Wesen und die anderen versuchen, durch Fragen zu ergründen, wer oder was gemeint sein kann. "Die Bewegung soll auch nicht außer Acht gelassen werden. Auch auf kleinstem Raum kann man Balancieren, Jonglieren; kleine Koordinations- und Geschicklichkeitsübungen stärken Körper und Geist", weiß die diplomierte Ehe-, Familien- und Lebensberaterin.


Konkrete Hilfestellungen am Telefon

Die aktuell zur Verfügung stehende telefonische Beratung könne Eltern, Müttern, Vätern und jeder einzelnen Person genau jetzt Entlastung bringen und sie in dieser Zeit der ungewöhnlichen Herausforderungen unterstützen. So könne telefonische Beratung eine konkrete Hilfestellung für den Alltag bedeuten, jedoch auch helfen, die eigenen Ressourcen sowie Problemlösungspotenziale und Handlungsmöglichkeiten zu finden und zu stärken.

Elisabeth Reiß-Heidenreich steht auch von zu Hause aus für Beratung oder Anfragen zur Verfügung oder ruft zeitnah zurück. "Aus Sicht der psychosozialen Beraterin sehe ich durchaus Bedarf bei Einzelpersonen und Familien, Ansprechpartner zu haben für etwaig aufsteigende Ängste oder sorgenvolle Gedanken oder einfache alltagstaugliche Vorschläge für diese angeordnete Einschränkung des individuellen Lebens", sagt sie. 

Familien seien ein komplexes Gebilde – "zumeist Quelle eines guten Starts ins Leben und ein wechselseitiges befruchtendes Zusammenleben verschiedener Persönlichkeiten. Sie können aber auch in die Krise geraten, zur Belastung werden und auseinanderbrechen."