1,50 € für Asylwerber: „Schwer enttäuscht von Partei“. Bürgermeister im Bezirk Hollabrunn halten wenig bis gar nichts davon. Einer würde sogar bis zum Äußersten gehen.

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Asylwerber bei einer Hilfstätigkeit in einer Flüchtlingsunterkunft.

„Würden Sie um 1,50 Euro arbeiten? Das ist ein Witz. Ich würde mich genieren!“ SPÖ-Urgestein Herbert Goldinger, Bürgermeister in Mailberg, hält den Plan von FPÖ-Minister Kickl für „menschenverachtend“. Die Idee der Beschäftigung von Asylwerbern in Verbindung mit einer Unterkunft sei hingegen gut. „Es ist keine Dauerlösung und für gewisse vorübergehende Tätigkeiten haben wir in der Gemeinde auch immer wieder Leute vom AMS.“

In Pulkau wurden in der Vergangenheit bis zu drei Asylwerber beschäftigt – zu einem Lohn von fünf Euro pro Stunde. Die Männer hätten die Gemeindemitarbeiter zur vollsten Zufriedenheit unterstützt, einer von ihnen, der nun Asylstatus erlangt hat, werde künftig für 20 Wochenstunden regulär beschäftigt, wie Stadtchef Manfred Marihart erzählt. Einen Verdienst von 1,50 Euro pro Stunde sieht er als „Sklavenlohn“.

„Wo bleiben da die christlich-sozialen Werte? Ich bin in dieser Sache schwer enttäuscht von meiner Partei“, wäre für Marihart sogar ein Parteiaustritt eine Option, sollte Kanzler Kurz diesem Vorschlag zustimmen. Einen Vergleich mit dem Grundwehrdienst will er nicht gelten lassen, „da vergleicht man Äpfel mit Birnen“. Marihart wisse jedoch nicht, wie seine Bürgermeisterkollegen im Bezirk darüber denken und könne deshalb nicht als GVV-Obmann sprechen. „Das ist meine persönliche Meinung, ich weiß, dass Präsident Riedl eine andere hat.“

Nur wenige Gemeinden im Bezirk haben Erfahrungen mit Asylwerbern. Einer war im vergangenen Jahr in Guntersdorf tätig. „Er hat nur 110 Euro im Monat verdienen können. Das war mit 20 Stunden im Monat erledigt“, sagt Bürgermeister Roland Weber, der den Mann gern mehr eingesetzt hätte. Martin Gudenus, Gemeindechef von Hohenwarth-Mühlbach, verrät: „Wir überlegen schon, Asylwerber zu beschäftigen, da wir bereits welche im Gemeindedienst hatten und absolut gute Erfahrungen gemacht haben.“

„Im Sommer wäre sicher Bedarf an solchen Arbeitskräften“, glaubt Maissaus Vizebürgermeister Karl Frühwirth. „Gerade bei der umfangreichen Grünraumpflege.“ In der Großgemeinde gibt es derzeit aber keine Asylwerber. VP-Bezirkschef Richard Hogl mahnt generell, sich die Kickl-Forderung im Kontext anzusehen. Asylwerber würden zusätzliche Unterstützung bekommen und seien nicht in Vollzeit beschäftigt. „Es könnte auch die Akzeptanz in der Bevölkerung heben, wenn sie arbeiten würden“, ist der Wullersdorfer Bürgermeister überzeugt.

„Mir wäre nicht wohl, 1,50 Euro zu zahlen“

„Die Frage ist, wie sind die Leute einsetzbar?“, ist für Josef Reinwein der Stundenlohn nicht die erste Sorge. Das gelte nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für verschiedene AMS-Projekte. „Wenn ich jemanden dazustellen muss, der die Arbeiten überwacht, dann hab ich nichts gewonnen.“ Der Göllersdorfer Bürgermeister ist überzeugt: „Wenn einer was kann und arbeiten will, dann ist er der Gemeinde sicher weit mehr wert als die 1,50 Euro.“

Martin Reiter aus Sitzendorf stößt in ein ähnliches Horn: „Mir wäre nicht wohl, wenn ich nur 1,50 Euro bezahlen würde.“ Er fürchtet, dass die Arbeitsmoral darunter leiden könnte.

Haugsdorfs VP-Ortschef Andreas Sedlmayer möchte sich zum 1,50-Euro-Vorschlag nicht äußern, sagt aber: „Wir haben in den vergangenen Jahren zwei bis drei Asylanten eingeladen, am Bauhof mitzuarbeiten. Gerne haben sie das Angebot angenommen und dafür einen Stundenlohn von 4 Euro erhalten. Es war ein wesentlicher Beitrag zur Integration ins Dorfleben.“

In Ziersdorf erhielten Asylwerbern fünf Euro pro Stunde. „Das würde ich ihnen weiterhin bezahlen“, bekräftigt Bürgermeister Johann Gartner. Auch aus Retz sind viele Asylwerber bereits weggezogen. Stadtchef Helmut Koch berichtet: „In der Vergangenheit haben vor allem im Sommer männliche Asylwerber die Gemeindearbeiter unterstützt. Hier gab es allerdings auch Kritik aus der Bevölkerung, dass wir sie bei den heißen Temperaturen arbeiten lassen.“

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