20 Jahre Euro: „Mit 100 Schilling warst du wer“

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:31
Lesezeit: 3 Min
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Der Retzer Bank-Direktor Günter Pabst hat die Euroumstellung hautnah vor zwanzig Jahren miterlebt. 
Foto: Enzmann, privat
Manche rechnen noch 20 Jahre nach der Währungsumstellung in Schilling um, andere haben sich das recht schnell abgewöhnt.
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Landtagsabgeordneter Richard Hogl besitzt noch exakt 1.686,60 Schilling. „Von jeder Sorte habe ich einen aufgehoben“, nur vom Fünftausender nicht. Den hatte ich ja nie“, lacht er.

20 Jahre ist es nun her, dass der österreichische Schilling vom Euro abgelöst wurde. Die NÖN fragte im Bezirk nach, welche Erwartungen an den Euro bestanden und ob diese eingetreten sind.

Gefühl für die neue Währung fehlte

Rasch schien, als sei einiges teurer geworden, meint Hogl, weil das Gefühl für die neue Währung fehlte: „Statt 100 Schilling hat man dann eben zehn Euro gespendet“, nennt der Wullersdorfer Bürgermeister ein Beispiel. Doch er sei überrascht gewesen, dass sich der Euro zu einer solch stabilen Währung entwickelte.. Euro-Beträge habe er nur die ersten zwei Jahre umgerechnet.

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Ein Flugblatt aus dem Sommer 1973 erinnert an die alte österreichische Währung.
Foto: privat

Anders verhält es sich beim Hollabrunner Langzeit-Stadtrat Wolfgang Scharinger. Kleinere Beträge rechnet er auch heute noch um. Zum Beispiel ein Achterl Wein, das nun um die 2,70 Euro kostet. „Früher hätte sich ein Wirt nicht getraut, 35 Schilling für ein Achterl zu verlangen.“ Er habe, so lange es möglich war, mit der alten Währung gezahlt. Dass der „Euro ein Teuro“ ist, habe sich bewahrheitet. Statt zehn Schilling habe manches eben einen Euro gekostet. „Wenn du früher mit 100 Schilling fort warst, dann warst du wer. Jetzt geht es sich oft mit 100 Euro nicht aus.“

Direktor Günter Pabst von der Raiffeisenbank Retz-Pulkautal arbeitet seit 1991 als Bankangestellter. Als junger Kassier war er verantwortlich für einen reibungslosen Ablauf der Währungsumstellung. Generalstabsmäßig sei dies von Regierung und Nationalbank vorbereitet worden. „Die Bankomaten wurden exakt am 1. Jänner 2002 mit Eurobanknoten bestückt“, erinnert sich Pabst. Die Betriebe erhielten ihre Starterpakete bereits im Dezember mit der Auflage, die Münzen und das Papiergeld erst nach dem 1. Jänner zu verwenden. „Es hat alles funktioniert.“

Umrechnungsfaktor begünstigte Preiserhöhung

Pabsts Befürchtungen, dass es durch den Umrechnungsfaktor zu einer versteckten Preiserhöhung kommen könnte, habe sich bewahrheitet: „Positiv war und ist die Euroeinführung für das vereinte Europa aber auf alle Fälle“, meint der Raika-Chef.

Johann Schreiber, Geschäftsführer der Raiffeisenbank Hollabrunn, war bei der Einführung des Euros positiv gestimmt. Die Vorteile der Währung haben sich für ihn bewahrheitet – die verbesserten Wirtschaftstransaktionen und die Entwicklung als neue Leitwährung zum Dollar. Optisch sei für ihn der Euro mit der Eurolandkarte eine gelungene Münze. Schreiber kennt noch genügend Leute, die in Schilling umrechnen, auch er selbst tue dies hin und wieder, „im höheren Bereich, wie bei Autos und Häusern“.

Josef Voith, ehemaliger Ravelsbacher Bürgermeister, war zum Zeitpunkt der Euro-Einführung Vorstandsdirektor der Sparkasse Horn-Ravelsbach-Kirchberg AG. Er kann sich an diese Zeit noch gut erinnern. „Befürchtungen im Zusammenhang mit der gemeinsamen Währung hatte ich persönlich keine. Ich habe das eher euphorisch gesehen.“

Durch die gemeinsame Währung fiel jedenfalls das umständliche Geldwechseln bei Urlaubsreisen weg. „Es war damals schon eine spannende Zeit. Die Umstellung auf eine gemeinsame Währung, den Euro, hat unsere Erwartungen jedenfalls erfüllt.“

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