Ärger bei Postbus: Chauffeure probten Aufstand. Bezirk Hollabrunn: Ist es Freizeit, wenn ein Buslenker zwischen 8 und 17 Uhr keine Fahrten zu bestreiten hat, davor und danach aber im Einsatz ist? Die Meinungen gehen weit auseinander.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 16. September 2020 (04:14)
In Roseldorf war man überrascht, dass der Bus kam. Der Chauffeur wollte am Protest in der Dienststelle nicht teilnehmen.
Enzmann

Aufregung herrschte Anfang letzter Woche, als der Postbus-Betriebsrat eine Betriebsversammlung in der Dienststelle Hollabrunn für Mittwochmorgen ansetzte, wodurch einige Schulbuslinien ausfallen würden. Hintergrund: ein Kampf um die Lenkerarbeitszeiten, die nicht tragbar seien. Weitere Proteste seien nicht ausgeschlossen, betont der Vorsitzende des Zentralbetriebsrats, Robert Wurm.

Dienstbeginn 3.41 Uhr, Dienstende 19.35 Uhr, mit neunstündiger, unbezahlter Stehzeit dazwischen – gegen derartige Arbeitstage läuft der Postbus-Betriebsrat jetzt Sturm. Gegen das Gesetz, Lohn- und Zeitraub, poltert Wurm. Die Fronten sind verhärtet, die Kommunikation verläuft konfus. Die ÖBB sprachen von lediglich sieben Bussen, die am Mittwoch rund um Hollabrunn ausfielen, laut Wurm waren zumindest 44 Busse in der Region mit Verspätung unterwegs.

„Im März zählten wir Buslenker noch zu den Helden der Coronakrise. Jetzt, vor der zweiten Welle, tritt man unsere Rechte mit Füßen.“Robert Wurm

Er habe Verständnis für die schwierige Unternehmenslage, sagt Wurm, deshalb aber am Rücken der Beschäftigung und auf Kosten der Sicherheit zu sparen, sei fahrlässig und menschenunwürdig. „Im März zählten wir Buslenker noch zu den Helden der Coronakrise. Jetzt, vor der zweiten Welle, tritt man unsere Rechte mit Füßen.“

Außerdem habe das Unternehmen Lenker eingeschüchtert, was rechtlich zu klären sei. Aufgrund der „unzumutbaren Zeit“ des Protests stehen umgekehrt Schadenersatzforderungen im Raum. ÖBB-Sprecher Christopher Seif warf dem Betriebsrat außerdem falsche Darstellungen vor. Die sogenannten Dienstteiler würden nur drei von zehn Standorte betreffen – und das lediglich zweimal pro Monat. Kein Lenker, der das nicht möchte, müsse zwei Dienste an einem Tag fahren.

Eine Aufsichtsratssitzung am Mittwochnachmittag brachte kein Ergebnis, wie Wurm am Montagvormittag vor einer Betriebsratssitzung bestätigte. Später meldete er sich bei der NÖN und kündigte weitere Betriebsversammlungen am 7.10. in St. Pölten und Krems an, sollten „bis dahin keine ehrlichen Verhandlungen geführt werden“.

Im Bezirk warnten betroffene Gemeinden vergangene Woche indes davor, dass Busse am Mittwochmorgen ausfallen könnten. Die NÖN war in Roseldorf dabei, als die Postbus-Linie 804 dennoch eintraf. „Die Verhandlungen sollen am grünen Tisch geführt werden und nicht am Rücken der Kinder und Eltern“, meinte der Lenker.

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