Ärztenotdienst pfeift aus letztem Loch

Der Ärztenotdienst basiert auf Freiwilligkeit. Doch das Arbeitspensum hält auch im Sprengel Hollabrunn einige ab.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 05:55
Lesezeit: 2 Min
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„Es wird nicht einfacher“, bekräftigt Kinga Halmágyi-Steinböck.
Foto: Archiv

Dass am letzten November-Wochenende für Hollabrunn kein Ärztenotdienst angeführt war, konnte eine NÖN-Leserin kaum glauben. Doch auf Anfrage bei der Stadtgemeinde wurde bestätigt: Es hatte sich kein Arzt dafür gemeldet.

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Die Ärztekammer wies auf Nachfrage darauf hin, dass ihr hier die Hände gebunden seien und sich die Mediziner freiwillig zur Verfügung stellen. „Ich war immer der Meinung, dass es eine automatische Reihung gibt. Bei dieser ausreichenden Zahl an Medizinern im Stadtgebiet sollte das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein“, meint die Hollabrunnerin.

Ressourcen sind enden wollend

Ist es aber nicht. „Es machen nicht mehr alle mit“, bestätigt Allgemeinmedizinerin Kinga Halmágyi-Steinböck, die im Sprengel Hollabrunn für die Diensteinteilung zuständig ist. Und es schwingt Verständnis mit, denn: „Manche pfeifen aus dem letzten Loch.“ Sie betont jedoch auch, dass es das einzige Wochenende gewesen sei, das 2021 nicht besetzt werden konnte. Aber: „Es wird nicht einfacher.“ Die Ressourcen seien enden wollend.

Das meint auch ihr Kollege Gunther Leeb, der dieses Jahr zu Weihnachten (24. bis 26.12.) den Notdienst versieht: „Es ist ein riesiges Problem und ich fürchte, dass es noch größer wird.“ Ärzte würden genauso Erholung brauchen, wenn sie die ganze Woche Gas geben. Warum er trotzdem weiterhin mit im Boot ist? „Für mich ist es ein wichtiger Teil des Jobs.“

Die Situation sei jedenfalls unbefriedigend, so Leeb. Dabei wird gegenüber früher ohnehin schon ein eingeschränkter Dienst von 8 bis 14 Uhr – mit Patiententerminen von 9 bis 11 Uhr – versehen. Außerhalb dieser Zeiten bleiben nur der Ärztenotdienst 141 oder die Ambulanz.

Hollabrunner haben wenigstens ein Krankenhaus

Es gebe aber noch viel ärger betroffene Regionen im Land. Im Sprengel Ziersdorf ist etwa gar kein Mediziner mehr eingeteilt. Leeb wurde heuer schon von Patienten aus Retz oder dem Bezirk Mistelbach kontaktiert, als er Wochenenddienst hatte.

„Die Hollabrunner haben wenigstens ein Krankenhaus“, sieht Halmágyi-Steinböck die „Problem-Hotspots“ anderswo. Von der Ärztekammer wurde sie jedenfalls gebeten, auch die Dienste für 2022 einzuteilen. Die Chancen, dass im Sprengel Hollabrunn alle Wochenenden mit einem Ärztenotdienst besetzt sein werden, scheinen nicht zu steigen.

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