Alte Kennzeichen als seltenes und grandioses Merkmal. Über 3.000 Fahrzeuge mit schwarzem Kennzeichen gibt es noch im Bezirk. Die NÖN machte einige ausfindig.

Von Sandra Frank, Franz Enzmann und Sandra Donnerbauer. Erstellt am 07. August 2019 (03:25)
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Helene und Franz Pointner mit dem unverkennbaren Markenzeichen des Schrattenthaler Weinbaubetriebs: der gelbe Oldtimerbus T3 mit seinem schwarzen Kennzeichen.

Hie und da sieht man sie noch und sie sind auf jeden Fall ein Hingucker: die schwarzen Nummerntaferln auf Autos, Traktoren und Anhängern. Obwohl sie vor nun 30 Jahren abgeschafft wurden, sind im Bezirk laut Bezirkshauptmannschaft noch 3.066 unterwegs.

Einer, der eine Zeit lang mit einem Golf, Baujahr 1989, samt schwarzem Kennzeichen unterwegs war, ist Niki Komaier aus Groß. Das Auto gehörte allerdings seiner Großmutter; als diese verstarb, gab es keinen Weg, das Kennzeichen zu behalten. „Vom Wiedererkennungswert war es grandios“, erinnert sich Komaier.

Einer, der noch mit einem dieser – mittlerweile begehrten – alten Kennzeichen unterwegs ist, ist der Schrattenthaler Franz Pointner. „N 7.134“ lautet das Kennzeichen, das der Winzer bis heute auf seinem gelben Bus führt. „Das Kennzeichen stammt noch von meinem Großvater, der als Bürgermeister damit weithin bekannt war“, ist der 47-Jährige stolz darauf, dass das schwarze Taferl seither von Auto zu Auto in seiner Familie mitgenommen wurde.

Der VW-Bus, der inzwischen über 32 Jahre am Buckel hat, ist als Lieferauto im Weinbaubetrieb im Einsatz und mittlerweile zu einem Kultfahrzeug geworden. Bis in den Horner Bezirk sei das Auto bekannt und werde von den Menschen auf der Straße gegrüßt, „auch wenn sie gar nicht wissen, wer drinnen sitzt“, ist Pointner amüsiert.

Franz Enzmann
Franz Leitl aus Braunsdorf ist leicht zu identifizieren, wenn er mit seinem Traktor samt schwarzem Kennzeichen unterwegs ist.

Als vor wenigen Wochen der ORF Niederösterreich anlässlich der Sommertour in Schrattenthal zu Gast war, chauffierte Franz Pointner den Moderator Robert Morawec und sein Team mit seinem Bus durch die Orte. „Die haben geglaubt, dass das Fake-Kennzeichen sind“, erzählt der Winzer lachend. Das Team war nämlich überzeugt, dass es die schwarzen Taferln schon lange nicht mehr gibt.

Den Oldtimer, mit dem er seit seiner Jugendzeit auf viele Fußballspiele gefahren ist und lustige Erlebnisse verbindet, werden sie jedenfalls bis zu dessen Ende hochleben lassen. Und das kann bei guter Pflege noch ein paar Jahre dauern, wie der Winzer weiß.

Der Braunsdorfer Franz Leitl ist ebenfalls im Besitz eines Gefährts, das ein schwarzes Kennzeichen hat. Der 86-Jährige war jahrzehntelang Kraftfahrer bei einer Spedition und in seiner Freizeit begeisterter Hobby-Winzer. Deshalb kaufte er im Februar 1988 den Weingarten-Traktor, Marke Steyr-Diesel-Type 84s. Das Fahrzeug trägt bis heute sein altes Kennzeichen. „Ich hab schon hunderte Stunden auf meinem Traktor verbracht. Jetzt fahr’ ich nur mehr gelegentlich zu meinem Presshaus.“ Dennoch: Wiedererkannt wird Leitl auf seinem Traktor mit dem seltenen Kennzeichen allemal.

Im Nachbarort gibt’s ebenfalls einen Traktorbesitzer, dessen Arbeitsfahrzeug von einem schwarzen Kennzeichen geziert wird: Der Roseldorfer Franz Aigner fährt mit seinem Massey Ferguson 240, Baujahr 1984, zur Arbeit in den Weingarten.