Am Fahrrad statt am Sandstrand. Techniker arbeiten Tag und Nacht, die Frequenz auf den Radwegen im Bezirk Hollabrunn steigt.

Von Barbara Witzany und Belinda Krottendorfer. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:47)
Arwed Höchsmann von der Radschmiede Hollabrunn unternimmt selbst gerne Familien-Radtouren in Wien.
Krottendorfer

Das Radfahren erlebt einen Boom. Die Coronakrise hat ihren Teil dazu beigetragen. Ist das auch im Bezirk Hollabrunn zu spüren? Die NÖN hat sich umgehört.

„In der ersten Woche nach dem Lockdown haben wir wegen des Ansturms sogar Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt, unsere E-Bikes sind nahezu weg“, berichtet Reinhard Thürr, Technik-Spartenleiter im Lagerhaus Hollabrunn. Seine Erklärung für den Boom: Die Leute können heuer nicht auf Urlaub fahren, stattdessen kaufen sie ein Rad. Der Umsatz, der durch die Coronakrise verloren wurde, sei bereits aufgeholt. In den letzten drei Wochen sei vor allem auch ein Trend zu Kinder- und Jugendfahrrädern bemerkbar gewesen. Die Beliebtheit von E-Bikes sei indes seit drei Jahren zu beobachten. Waren es damals noch zu zwei Dritteln „normale Fahrräder“, die verkauft wurden, so hat sich dieses Verhältnis mittlerweile gedreht.

Die Rad-Werkstatt des Lagerhauses geht mit Service- und Reparaturleistungen derzeit an die Grenzen. „Es gibt im Moment sehr lange Wartezeiten, die Mitarbeiter arbeiten Tag und Nacht“, so Thürr.

Zweiradtechniker Markus Hofmann vom Lagerhaus Hollabrunn hat derzeit viel zu tun.
Krottendorfer

Ähnliches hat Arwed Höchsmann von der Radschmiede in der Hollabrunner Bahnstraße zu berichten. Der Verkauf war während des Lockdowns geschlossen, doch Reparaturen durften durchgeführt werden. Das Unternehmen verzeichnete 20 bis 30 Prozent mehr Serviceleistungen als letztes Jahr. Kunden müssen aktuell drei bis vier Wochen auf einen Termin warten.

Allerdings meint Höchsmann: „Das Fahrrad erlebt schon seit den 1970ern einen Boom, zuerst mit BMX-Rädern und Mountainbikes, jetzt mit E-Bikes. Corona hat an diesem Trend nichts geändert.“ Wo er mit Thürr übereinstimmt: „Viele Leute verbringen ihren Sommerurlaub heuer nicht in Italien, sondern in Österreich, und verbinden dies mit dem Fahrrad.“

Den Anteil der E-Bikes am Verkauf beziffert Höchsmann mit 30 bis 40 Prozent, der Altersdurchschnitt bewege sich kontinuierlich nach unten, von einst 60 zu 30 Jahren.

Die Beliebtheit des Fahrrades im Allgemeinen erklärt sich der Fachmann durch den Gesundheitsaspekt, den Spaßfaktor und die CO -Einsparung. In der Coronakrise kam hinzu, dass man am Fahrrad weniger engen Kontakt zu anderen Personen hatte als etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Radwege finden großen Anklang bei Gästen und Einheimischen

Im Schmidatal beobachtet Roseldorfs Ortsvorsteher Gerhard Maurer, dass die angelegten Radwege gerade während des Lockdowns sehr gut angenommen wurden. „Der Aussichtsturm bei der Keltensiedlung und das Biotop in Richtung Röschitz sind stark frequentiert, vor allem am Wochenende.“ Manchmal sei jedoch zu beobachten, dass Radfahrer trotz guter Beschilderung auf der Straße fahren. „Dabei ist der Verlauf des Radwegs um einiges angenehmer zu befahren“, wundert sich Maurer.

In Retz ist Tourismusstadtrat Daniel Wöhrer über den Rad-Boom höchst erfreut. Der Tourismusverband hat wegen des großen Interesses zusätzliche E-Bike für den Verleih angeschafft. „Die Radwege finden großen Anklang bei Gästen und Einheimischen.“ Ob der Trend nun auch den Besuch im Retzer Fahrradmuseum ansteigen lässt? „Mit jedem Fahrrad, das hier zu sehen ist, ist eine Geschichte verbunden“, erzählt der leidenschaftliche Sammler Fritz Hurtl, Obmann des Vereins „s‘ Fahrradl im Schloss“, auf dessen Initiative das 1999 eröffnete und liebevoll ausgebaute Museum zurückgeht.

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