Hollabrunn

Erstellt am 30. November 2016, 06:14

von Christoph Reiterer und Sandra Frank

BP-Wahl: „Oststaaten werden applaudieren“. Lausch (FP) denkt schon an Hofer-Sieg, Wahlkampf-Endspurt von Van der Bellen-Fans.

FP-Bezirksobmann Christian Lausch.  |  NOEN, Paul Plutsch

In der Wiederholung des verschobenen zweiten Wahlgangs soll am Sonntag Österreichs neuer Bundespräsident gewählt werden. Der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen, ehemaliger Bundessprecher der Grünen, hoffen auf die Gunst der Wählermehrheit.

SP-Gössl hat Gang zur Urne bereits hinter sich

„Bis auf einige Plakate nehme ich nichts wahr“, sagt VP-Bezirkschef Richard Hogl über den Wahlkampf. Er vermutet, dass es beiden Parteien an entsprechenden Strukturen fehle. Einen Tipp hat Hogl nicht: „Es wird wieder ein knappes Ergebnis werden“, das habe er im Gefühl und das zeige auch die Stimmung der Menschen.

Obwohl es nach Aufhebung der Stichwahl auch in seiner Gemeinde einen Aufschrei unter den Wahlbeisitzern gab, kann Hogl in Wullersdorf alle Plätze besetzen. „Es gab keinen eklatanten Schwund.“

Den Gang zur Urne hat Werner Gössl, Bezirksvorsitzender der Sozialdemokraten, bereits hinter sich. „Ich habe den gewählt, der schon einmal zum Präsidenten gewählt worden ist“, verrät er. Gössl hat Sorge, dass viele Menschen am Sonntag nicht wählen gehen und dann überrascht sein werden. „Sie sollten ihr Recht wahrnehmen und mitbestimmen, wer das höchste Amt in unserem Staat einnehmen wird“, appelliert der SP-Chef.

Die Plätze der SPÖ-Wahlbeisitzer sind alle besetzt. „Wir erfüllen selbstverständlich unsere demokratische Pflicht.“

Fehlender Beisitzer in der Stadt tut FP weh

„Dort, wo Wahlbeisitzer für uns vorgesehen sind, besetzen wir sie auch“, betont FP-Bezirkschef Christian Lausch. In der Stadt Hollabrunn selbst stellen die Freiheitlichen keinen Wahlbeisitzer. „Das tut natürlich extrem weh.“ Nach der letzten Nationalratswahl 2013 sei keiner eingemeldet worden, erklärt der Freiheitliche. Grund dafür sei die damals dünne Personaldecke gewesen.

„Jetzt haben wir die personellen Ressourcen, dürfen aber nicht mehr nachmelden“, urgierte Lausch deswegen schon bei der Bezirkshauptmannschaft. Ohne Erfolg, das Wahlgesetz lasse dies nicht zu.

„Ich hoffe, dass es Norbert Hofer schafft. Ich kenne ihn sehr gut. Er hat sehr wohl soziale Kompetenzen und wird über die Parteigrenzen hinweg anerkannt und geschätzt als dritter Nationalratspräsident“, sagt Lausch und ist sicher: „Alle Oststaaten werden am 4. Dezember applaudieren, wenn Hofer Präsident wird.“

Naderer: „Mir ist es herzlich wurscht, wer es wird“

Stadtrat Wolfgang Scharinger hält der Partei, von der er sich im vergangenen Jahr lossagte, bei dieser Wahl die Treue: „Meine Stimme bekommt auf jeden Fall Hofer, weil ich will, dass sich in Österreich etwas verändert.“ Er sei jedoch sehr entsetzt über den Wahlkampf und darüber, „wer hier jetzt aus seinen Löchern kriecht. Die Bundes-ÖVP hat bei mir jede Achtung verloren.“

„Mir ist es herzlich wurscht, wer es wird“, sagt der parteilose Landtagsabgeordnete Walter Naderer aus Limberg. „Ich freue mich, wenn es Van der Bellen wird, weil er versprochen hat, dass er Strache nicht angelobt. Ich freue mich, wenn es Hofer wird, weil er versprochen hat, dass er die Regierung entlässt. Daraus kann man ableiten, wen ich wähle“, grinst Naderer. „Und wenn er es nicht macht, bin ich wirklich sauer.“

Im Wahlkampf sei mit allen Ängsten, Befindlichkeiten und Schmähs herumhantiert worden. „Irritierend war, wie Hofer krampfhaft versucht, sich von Herrn Strache zu entkoppeln; und wie Strache unwidersprochen mit Bürgerkriegsszenarien herumspielen konnte.“

Und die Grünen? Sie sind Teil der Kampagne „Wir im Bezirk Hollabrunn für Van der Bellen“, auf Facebook unter „hollabrunnfuervdb“ zu finden. Von Altenmarkt bis Pleissing unterstützen zahlreiche Menschen aus allen Altersschichten und Berufen den unabhängigen Präsidentschaftskandidaten, darunter auch Polt-Darsteller Erwin Steinhauer. In Retz fand sich eine Gruppe um Stadtrat Martin Pichelhofer ein, die singend aufforderte, Van der Bellen zu wählen: „Entscheide klug, auf dich kommt’s an, kreuz‘ für den Alexander an!“ Es werde auf positive Statements gesetzt.