Breitband: Kein Luxus, aber gute Mittelklasse. Der Breitband-Ausbau wird gerade im ländlichen Raum herbeigesehnt. Bürgermeister und Bürger sitzen auf Nadeln.

Von Christoph Reiterer und Sandra Frank. Erstellt am 19. August 2020 (03:36)
Am Hausrucken in Breitenwaida soll eine neue Siedlung entstehen, derzeit werden auch Glasfaser-leitungen verlegt.
Frank

Der Bund hat in den vergangenen Jahren viel Geld in die Digitalisierung der Gemeinden und Regionen gesteckt. Doch wohin floss es konkret und sind bereits Verbesserungen spürbar? Das wollte die Hollabrunner NÖN von den Bürgermeistern im Bezirk wissen.

Die sogenannten „Hotspots“, also die Übergabestellen, sind in der Marktgemeinde Wullersdorf mit Glasfaser versorgt, von dort geht es mit Kupferkabeln in die Häuser. „Es ist schon besser als früher“, weiß Bürgermeister Richard Hogl. Früher konnte seine Leitung in Immendorf unter 10 Mbit verarbeiten, jetzt ist die Geschwindigkeit auf das Doppelte angestiegen. Die Lösung sei nicht optimal, gibt der Bürgermeister zu, und vergleicht: „Es ist nicht der Mercedes, aber ein gutes Mittelklasseauto.“

„Wir sind auf einem guten Weg, ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.“Heldenberg-Bürgermeister Peter Steinbach zum angestrebten Glasfaser-Ausbau

Denn durch diese Variante wurden weder Straßen aufgegraben noch mussten die Wullersdorfer Geld bezahlen. Das sei ein großer Vorteil. Eine Geschwindigkeit von bis zu 80 Mbit sei – je nach Tarif – möglich.

Hogl vernehme aber einige Klagen aus der Bevölkerung. „Das ist dann aber meistens ein hausinternes Problem“, weiß der Landtagsabgeordnete aus eigener Erfahrung, denn eigentlich sollte seine Leitung 40 Mbits transportieren. „Das liegt sicher am WLAN“, ist er gerade dabei, die Fehlerquelle auszumachen.

Die „Kupfer-Variante“ hält der Heldenberger Bürgermeister Peter Steinbach für suboptimal, da dadurch die Bürger an nur einen Netzbetreiber gebunden sind. Deshalb arbeitet er an einer anderen Lösung: am Landesnetz der nöGIG (Niederösterreichische Glasfaserinfrastruktur GmbH). „Meine Bürger haben dann die freie Wahl, für welchen Anbieter sie sich entscheiden“, erklärt Steinbach den Vorteil.

Allerdings muss Heldenberg zuerst eine 40-Prozent-Hürde knacken, damit die Glasfaser Einzug halten kann. „Wir sind auf einem guten Weg, ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.“ Bis September haben die Heldenberger Zeit, sich zu melden. „Ich hoffe, dass wir in einem halben Jahr die ersten Baustellen haben.“ Denn wenn genug Bürger interessiert sind, dann fließt das Fördergeld und das Glasfasernetz wird über das gesamte Gemeindegebiet gelegt. Das wiederum bringt eine klare Verbesserung der Lebensqualität mit sich.

Anders verhält es sich in Guntersdorf, hier fehlt eine schnelle Internetanbindung, zum Leid der Bürger. „Die liegen mir in den Ohren“, sagt Bürgermeister Roland Weber. Breitband gibt es in seiner Gemeinde nämlich noch nicht, notwendig wäre es natürlich. Darum hat die Gemeinde bereits über 100.000 Euro in Leerverrohrung investiert, um dann startklar zu sein. Bisher wurde aber noch nichts gemacht, „weder in der Siedlung noch sonst irgendwo“, berichtet das Gemeindeoberhaupt.

In der Bezirkshauptstadt sind heuer knapp 345.000 Euro an Fördergeldern frei. An Hollabrunns Ost-Flanke hat A1 bereits im Frühjahr ausgebaut. Die Glasfaserleitung sorgt für eine Beschleunigung zwischen den Ortschaften. In Breitenwaida wird das neue Siedlungsgebiet angeschlossen und auch in der Gartenstadt ist ein Projekt in den Startlöchern.

Flächendeckend sei das Breitband aber noch nicht, räumt Infrastruktur-Stadtrat Josef Keck ein. Aber: „Es ist halt immer die Frage, was Otto Normalverbraucher haben will.“ Viele würden sich letztlich nicht anschließen, weil die Kosten doch relativ hoch sind und das Handynetz eine ausreichende Abdeckung bietet – während der 5G-Ausbau bereits vor der Türe steht.

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