Digital Statt Papier: Droht dem Sparbuch das Aus?. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer, Franz Enzmann, Romana Schuler und Christoph Reiterer. Erstellt am 05. Februar 2020 (05:39)
Symbolbild
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Guthaben dank App immer im Blick

Gerhard Dungl, Direktor der Raiffeisenbank Hollabrunn, sagt unumwunden: „Wir können beim Sparbuch nicht von einem „Auslaufmodell“ reden. Es sei aber „moderner“ geworden. „Unser Kunde hat beim Online- Sparen den Vorteil, dass er rund um die Uhr – mit der App – über das Guthaben verfügen kann.“ So sei eine zunehmende Nachfrage nach digitalen Anlageformen zu merken: „Das Onlinesparen hat bei uns in der Raiffeisenbank Hollabrunn bereits einen Anteil von 15 Prozent an den Gesamtspareinlagen“, verrät Dungl. Trotz der Niedrigzinsen komme das Sparen nicht aus der Mode. Neben der Verzinsung sei das Sicherheitsdenken der Kunden ganz wesentlich. „Neben dem Bausparen und der Lebensversicherung als Vorsorge veranlagt unser Kunde auch immer mehr in Wertpapierfonds.“

„Ein Aus für das Sparbuch oder Sparkonto wird es niemals geben“, ist Josef Toifl, Vorstandsvorsitzender der Haugsdorfer Sparkasse, überzeugt. Das Sparbuch sei eine risikolose Veranlagung und eine „schnell verfügbare Liquiditätsreserve“. Allerdings räumt er ein, dass durch das anhaltend niedrige Zinsniveau Alternativen immer wichtiger werden.

„Gottseidank haben wir noch das Sparbuch“ sagen zwei betagte Damen aus dem Pulkautal. Eine andere Sparform kam für die über 90-Jährigen nie infrage.