Ehrenamt im Sport: Elf Spieler sind zu wenig

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
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Großkadolzer „Tausendsassa“: Ernest Gartler.
Foto: Witek
Funktionärs- und Spielermangel sind die größten Probleme unserer Fußballvereine im Bezirk Hollabrunn. Auch bei den Randsportarten kennt man die Probleme und es wird um jeden freiwilligen Helfer gekämpft.
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Maissau, Breitenwaida, Eggendorf/Thale – das sind einige der Fußballvereine aus dem Bezirk Hollabrunn, die es heute nicht mehr gibt. Zumindest, was einen regulären Meisterschafts- und Vereinsbetrieb angeht.

Seit ein paar Jahren hat sich aber zumindest kein weiterer Klub mehr von der Fußballlandkarte verabschiedet. Die Probleme sind aber überall dieselben geblieben.

Wie zum Beispiel beim SC Großkadolz, Vizemeister in der Bezirksklasse. Zwar muss man sich um den Fortbestand des Vereins aktuell keine Sorgen machen, aber die fehlenden Funktionäre sorgen schon für Kopfzerbrechen. Einen Grund, dass es den SCG noch immer gibt, ortet Sektionsleiter und Trainer Ernest Gartler im starken Zusammenhalt innerhalb des Vereins. „Es sind schon jahrelang dieselben Leute engagiert, die sich gut kennen.“ Obmann Anton Leczek ist auch schon seit über zehn Jahren beim Verein. Gartler räumt dennoch ein, dass es schwierige Zeiten gab: „In einem Verein gibt es immer Höhen und Tiefen.“

Ohne die Tschechen müsste man zusperren

Dies erfuhr der Verein vor Jahren, als man den Weg von der zweiten in die dritte Klasse antrat. Aufgrund der kurzen Entfernung zur tschechischen Grenze stehen schon seit vielen Jahren Spieler wie beispielsweise Jan Hanik im Kader. Dieser sei sogar schon länger beim Verein als Gartler selbst. Die Kritik an dieser Transferpolitik versteht Gartler aber nicht: „Die Alternative wäre, dass wir ganz zusperren. Es gibt für kleine Ortschaften viel zu wenig Spieler.“

Allerdings gilt das nicht für jeden Verein. Ein leuchtendes Vorbild ist der SV Zellerndorf: Ein Haufen Einheimischer, ein unglaublicher Zusammenhalt (Anm.: wie bei den 70-Jahr Feierlichkeiten, siehe Seite 88), eine hohe Trainingsbeteiligung und zum Drüberstreuen sportlicher Erfolg. Obmann Ferdinand Riedl freut sich, dass es bei seinem Verein so gut funktioniert, wenn es darum geht, Menschen zu finden, die bei diversen Veranstaltungen ehrenamtlich mithelfen.

„Der Zusammenhalt bei uns passt und die Menschen nehmen sich gerne Zeit, um uns zu helfen“, gibt Riedl Einblick, wieso er keine Probleme hat, Helfer zu finden. „Wenn wir fast nur eigene aus der Gemeinde haben, ist das bestimmt einfacher, als man hat vier Legionäre und noch drei auswärtige Spieler, die vielleicht eine weite Anreise haben, um zu helfen.“

Beispiel Mallersbach: „Hauptsache wir spielen“

Wie ein kleiner Verein auch überleben kann, zeigt der USC Mallersbach: Dort herrscht ein gesundes Vereinsleben, bleibt der Kader seit Jahren gleich und es wird versucht, mit mehreren Veranstaltungen auch finanziell gesund zu bleiben. Bis jetzt funktioniert das großartig und das soll laut Obmann Karl Reiss so bleiben: „Bei uns geht es um das Gesellige. Sportlich ist es gar nicht so wichtig, in welcher Klasse wir spielen. Hauptsache wir spielen.“

Gerade der Zusammenhalt ist ein Erfolgsrezept, gut zu sehen bei den Legionären: „Bei vielen Vereinen kommen sie und fahren nach dem Match wieder. Nicht so bei uns, da bleiben sie länger (lacht).“

Nicht nur Fußball-, sondern generell Sportvereine leben von Menschen, die sich freiwillig engagieren. Allerdings wird es zunehmend schwieriger, Menschen zu gewinnen. Dieser Rückgang ist auch bei der Hollabrunner Sportunion sowie beim UHC Hollabrunn zu merken.

Für SU-Obmann Hannes Tribelnig ist zwar nicht klar, ob das an den – auch durch die Digitalisierung – gestiegenen Anforderungen liegt, er merkt aber: „Wenn ich viele Kontakte immer wieder anrede, wird es vielleicht möglich sein, projektbezogen Ehrenamtliche zu finden. Für langfristige und regelmäßige Tätigkeiten findet man derzeit aber schwerer jemanden.“

Auch für UHC-Manager Gerhard Gedinger ist es schwieriger. Eine mögliche Ursache? „Die Leute haben vielleicht mehr mit sich selbst zu tun als früher“, meint er. Der Corona-Pandemie schreiben aber beide Funktionäre keine große Rolle bei diesem Problem zu. Ein wichtiger Ansatz, um Ehrenamtliche zu gewinnen, ist für Gedinger dagegen das Fördern von Gemeinschaft, denn: „Es geht nur miteinander und nicht als Einzelkämpfer.“

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