Ein kurzes Tschick-Glück für heimische Trafiken. Als die Grenze zu Tschechien gesperrt war, wurden schlagartig mehr Zigaretten in den heimischen Trafiken verkauft. Doch viel blieb vom Boom nicht übrig.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:43)
Die Trafikanten im Bezirk haben mehr Zigaretten verkauft, als die Grenzen zum Nachbarland Tschechien gesperrt war. Dieser Boom war aber nicht von langer Dauer.
Symbolbild: Wodicka

Viele Raucher fuhren vor der Coronapandemie nach Tschechien, um dort weniger Geld für Zigaretten zahlen zu müssen. Als die Grenze geschlossen war, blieb nur die ortseigene Trafik. „Auf einmal kamen Kunden, die ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Zum anderen kamen Leute, von denen ich gar nicht gewusst habe, dass sie Raucher sind“, berichtet der Hollabrunner Trafikant Stefan Rosenauer.

Was er in seiner Trafik noch besser verkauft hat, ist der Tabakerhitzer „Iqos“ – der ebenfalls vor dem Lockdown häufig im benachbarten Tschechien erworben wurde.

„Es kamen Kunden, die ich seit zehn Jahren nicht gesehen hbe und Leute, von denen ich gar nicht wusste, dass sie Raucher sind.“Trafikant Stefan Rosenauer

Als das Post-Logistikzentrum aufgrund eines Corona-Clusters gesperrt war, stand auch der Hollabrunner Trafikant Franz Artner vor einer Herausforderung: Aufgrund des Stillstands im Logistikzentrum hatte er für circa eine Woche bestimmte Zigarettensorten nicht mehr auf Lager. Jürgen Zanitzer, der die einzige Trafik in Maissau betreibt, erinnert sich: „Zigarettensorten, die wir früher weniger verkauft haben, mussten wir auf einmal nachbestellen. Tabak und Zigaretten-Paper werden generell immer beliebter.“

Im Lockdown musste Zanitzer das Gasthaus und die Waschanlage schließen, die Tankstelle war offen, es wurde aber kaum getankt, berichtet er.

Auch mehr Interesse an Zeitungen

Nicht nur Zigaretten waren im Lockdown ein Kassenschlager, Franz Artner hat auch ein größeres Interesse an Zeitungen bemerkt, „weil sich eben jeder informieren wollte“. Das bestätigt Tanja Heilinger, die eine Trafik in Pulkau besitzt. Seither sei aber die Nachfrage nach Zeitungen wieder zurückgegangen. Den Ausfall von Veranstaltungen spürt auch sie: „Im Moment verkaufe ich sehr wenige Veranstaltungskarten.“

Während der Verkauf von Zigaretten und Tabak bei der Retzer Trafikantin Claudia Oberhofer stieg, sank er bei Lottoscheinen, Zigarren und Feuerzeugen.

Nachdem die Grenze wieder geöffnet wurde, spürten die Trafikanten prompt einen Rückgang des vorübergehenden „Zigaretten-Booms“.

Claudia Oberhofer, Trafikantin in vierter Generation: „In Relation zum Lockdown haben wir jetzt 60 Prozent weniger Umsatz bei den Zigaretten. Vielleicht hängt das mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage zusammen, die Leute sind jetzt schon sparsamer geworden.“ Ein anderer Grund sei sicher auch die Erhöhung der Tabaksteuer, „jetzt fahren wieder vermehrt Leute nach Tschechien“, bemerkt sie – obwohl die Pandemie gerade im Nachbarland außer Kontrolle scheint.

Stefan Rosenauer verkauft nun zehn Prozent mehr Zigaretten, seiner Meinung nach würden die Spritkosten und der Zeitaufwand, nach Tschechien zu fahren, den Preisunterschied nicht wettmachen.

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