Einigkeit bei Naturkonzept: „Blick auf das Ganze fehlt“. Naturschützer Naderer und Bürgermeister Weber wollen ein ganzheitliches Konzept für Region erstellen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 09. Mai 2018 (04:31)
Roland Weber und Walter Naderer sahen sich Windschutzgürtel in Guntersdorf aus der Nähe an. Die Diskussion darüber, wie diese sinnvoll und nachhaltig gepflegt werden, brachte ein überraschendes Ergebnis hervor: Die beiden Männer ziehen nun an einem Strang und wollen ein Konzept für sinnvollen Naturschutz in der Region erarbeiten.
Sandra Frank

„Wenn alles zu Tode kultiviert ist, dann gibt es keinen Naturraum mehr“, sagte Walter Naderer im NÖN-Bericht „Häckseln ist keine Pflege“. Was er damit meinte, zeigte er anhand von Windschutzgürteln. Das „Anschauungsmaterial“ befand sich auf Großnondorfer Gemeindegebiet. Das veranlasste Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber, den ehemaligen Landtagsabgeordneten zu einer Nachbesprechung einzuladen.

Heraus kam eine sachliche Diskussion über Naturschutz, Landwirtschaft, Konsumverhalten und Raumordnung. Die beiden Männer waren sich in überraschend vielen Punkten einig. Etwa, dass ein Gesamtkonzept für den Naturschutz fehle. „Wir schützen nur einzelne Themen. Da die Trappe, dort die Biene. Wir behandeln nur die Symptome, der Blick auf das Ganze fehlt“, meint Weber.

Beiz-Mittel-Verbot ist „fachlich ein Witz“

Als Beispiel nennt er den Rüsselkäfer, der aktuell den Rübenbauern Kopfzerbrechen bereitet. Mittel gegen den Schädling, mit denen das Saatgut gebeizt wird, sind ab nächstem Jahr verboten.

Roland Weber und Walter Naderer sahen sich Windschutzgürtel in Guntersdorf aus der Nähe an. Die Diskussion darüber, wie diese sinnvoll und nachhaltig gepflegt werden, brachte ein überraschendes Ergebnis hervor: Die beiden Männer ziehen nun an einem Strang und wollen ein Konzept für sinnvollen Naturschutz in der Region erarbeiten.
NOEN

Die Bauern müssen den Käfer auf andere Art bekämpfen. Konkret bedeute das: „Wir fahren dann mit anderen Insektiziden zwei-, dreimal über das Feld – das ist fachlich gesehen ein Witz.“ Denn so würden andere Insekten ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Einig sind sich Naderer und Weber auch darüber, dass es nicht zielführend sei, ein einziges Konzept über ganz Niederösterreich zu stülpen. Es müsse auf die Bedürfnisse der jeweiligen Region abgestimmt sein. „Dabei darf es kein Lobbying für einzelne Arten geben, es muss frei von Parteipolitik sein.“ All dem kann Naturschützer Naderer nur zustimmen: „Wir müssen eine Bewusstseinsebene schaffen ...“

Weber und Naderer holen alle an einen Tisch

Gesagt, getan: Den beiden war es nicht genug, nur miteinander zu diskutieren, sie machen Nägel mit Köpfen und wollen ein Konzept ausarbeiten. Dazu wird es eine Art runden Tisch geben, zu dem die Gemeinde Guntersdorf einladen wird.

Ziel ist ein Zusammentreffen Ende Mai, Anfang Juni: „Wir werden einen Termin fixieren, an dem Naturschützer, Landwirte, Konsumenten und auch Vertreter des Lebensmittelhandels an einem Tisch sitzen und diskutieren. Ich will wissen, was in deren Köpfen herumgeht“, ist Weber eine ganzheitliche Sicht der Dinge wichtig.

Bewusstsein schon bei Kindern schaffen

Die entsprechenden Instrumente, um Bewusstsein zu schaffen und ein Konzept umzusetzen, seien vorhanden, wie Naderer aus seiner Zeit als Landtagsabgeordneter weiß. Da war er nämlich Obmann des Bauausschusses. Das Oberflächenwassermanagement sei die Grundlage, um einen Plan für den restlichen Naturraum zu erstellen. „Man muss aber auch den Mut haben, Verkehrsflächen als diese wieder herauszunehmen und rückzubauen“, nennt Naderer ein Beispiel.

Ein weiteres Instrument, um Bewusstsein zu schaffen, seien die Volksschulen. Mit seiner Laufinitiative ist Naderer dort vertreten und weiß: „Die Kinder tragen das, was sie in der Schule hören, nach Hause.“