„Europa-Spange“: Autobahn-Plan löst Unbehagen aus. Landwirte sprachen bei ihrem Obmann vor, um Bedenken zu deponieren. Grüne starteten Online-Petition.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 11. Juli 2018 (03:19)
Die Grünen NÖ
Protestierten vor dem Landhaus gegen die „Europa-Spange“: die Grünen NÖ rund um die Abgeordneten Georg Ecker und Silvia Moser sowie Landessprecherin Helga Krismer.

Sie haben Sorge wegen des Bodenverbrauchs, wegen des Naturschutzes und wegen des zusätzlichen Verkehrs: Landwirte aus Ziersdorf wurden kürzlich bei Bezirksbauernkammerobmann Friedrich Schechtner vorstellig, um ihre Bedenken bezüglich der geplanten Waldviertelautobahn („Europa-Spange“) zu deponieren.

Felder werden durchschnitten. Ein Trappenschutzgebiet liegt am Rande des ins Auge gefassten Korridors. Anrainer fürchten um ihre Lebensqualität. „Ich will die Meinung meiner Bauern wichtig nehmen“, betont Schechtner. „Wir leben von den Feldern.“

Der zuständige Landesrat Ludwig Schleritzko, den er von dessen Zeit als Direktor des Nationalparks Thayatal bestens kennt, habe bereits zugesagt, dass auf Naturschutz und Naturschutzgebiete entsprechend rücksicht genommen werde, dass es laufend Informationen und offene Diskussionen geben werde. Dass es Verkehrswege brauche – Schiene ebenso wie Straße –, wolle er nicht infrage stellen, erklärt der Kammerobmann. „Wir sind nicht dagegen und so ein Projekt braucht eine lange Vorbereitung.“ Schechtner glaubt auch, dass der Verkehr in 15 bis 20 Jahren anders aussehen werde und auch die Fahrzeuge umweltfreundlicher sein werden.

Grafik: Bischof
Bislang gibt es nur einen Korridor für die geplante Autobahn, der noch viele Fragen offenlässt.

Die Grünen NÖ, von Beginn an erklärte Gegner des Projekts, starteten auf ihrer Website indes eine Online-Petition gegen die Waldviertelautobahn, die bis Dienstagvormittag rund 400 Unterstützer hatte. Sammelziel: 1.000!

Die hochrangige Straße würde nur sehr viel Lkw-Transit, Lärm und Umweltbelastung bringen und dauerhaft 2.000 Hektar wertvoller Agrarfläche vernichten, sagen Landessprecherin Helga Krismer und der Hollabrunner Landtagsabgeordnete Georg Ecker unisono. Es sei unverantwortlich, das Waldviertel in den nächsten 30 Jahren im Glauben zu lassen, dass nur durch die Autobahn alles besser wird. Und es fehle jede verkehrsplanerische Grundlage, „Wohn- und Erholungsgebiete werden für die entsprechenden Zwecke unbrauchbar gemacht“, meint Krismer. Auch in Hinblick auf nicht erreichbare Klimaziele sei das Projekt kontraproduktiv.

Die Waldviertler Landtagsabgeordnete Silvia Moser möchte die prognostizierten Kosten von fünf Milliarden Euro anderweitig investiert wissen. „Echter Breitbandausbau“, rascherer Ausbau und die Vertaktung von öffentlichen Verkehrsmitteln wie der Franz-Josefs-Bahn, entsprechende Anbindung des Schienenangebots mit Bussen oder arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wünscht sie sich. „Das Waldviertel braucht vieles, aber keine Autobahn.

Für Georg Ecker wäre auch der wirtschaftliche Nutzen für den Bezirk Hollabrunn, über den die Europa-Spange führen soll, überschaubar. Die Fahrzeit zum Ballungsraum Wien würde sich kaum verkürzen.