Fasten im Weinviertel: „Weisheit der Religion wirkt“. Kein TV für Hollabrunns Pfarrer, „kein bis wenig Alkohol“ für Pulkaus Pfarrer.

Von Sandra Frank, Sandra Donnerbauer und Christoph Reiterer. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:21)
Hollabrunns Pfarrer Eduard Schipfer (l.) – im Bild mit Weihbischof Stephan Turnovszky und Pfarrvikar Moritz Schönauer – wird in der Fastenzeit seinen Fernseher verstecken.
Herwig Reidlinger

„Spirituell hat das Fasten mit Wüstenerfahrung zu tun“, erklärt Eduard Schipfer, der als Geistlicher für die Pfarren Hollabrunn, Groß und Oberfellabrunn zuständig ist. Denn Jesus habe vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage in der Wüste gefastet. Heute würden die Menschen mit Jesus in ihre eigene Wüste gehen. „Das Fasten nimmt uns also vieles, mit dem wir sonst im Alltag die hochsteigende Leere zustopfen“, sagt Schipfer.

„Fernsehapparat bis zum Ostersonntag verstecken“

Was auch dem Geistlichen auffällt, der im Herbst 2019 die Nachfolge von Pfarrer Franz Pfeifer antrat: Fasten ist wieder in Mode. „Das zeigt, die Weisheit der Religionen wirkt bis in den nachreligiösen Bereich hinein.“ Verzicht in der Fastenzeit, ob aus religiösen Motiven oder aus gesundheitlichen Gründen, sei allgemein akzeptiert und respektiert. „Ich selber werde in der Nacht zum Aschermittwoch den Fernsehapparat wegräumen und bis zum Papstsegen am Ostersonntag verstecken“, erzählt Eduard Schipfer lachend.

„Wenn man sich an die kirchlichen Regeln hält, sollten alle Katholiken am Freitag kein Fleisch essen und keinen Alkohol trinken“, sagt der Pulkauer Pfarrer Jerome Ciceu. Daran hält er sich und trinkt in der Fastenzeit „normalerweise keinen bis wenig Alkohol“. Viele würden sich an die traditionellen Fastenregeln halten, weil sie es seit der Kindheit so gelebt haben; andere nutzen die Fastenzeit, um sich und ihrem Körper wieder einmal etwas Gutes zu tun.

„Ich hör dir zu“ im Dekanat Retz-Pulkautal

Für Pfarrer Jerome selbst bedeutet Fasten aber auch soziales Engagement, seine Zeit sinnvoll zu nutzen und mit anderen zu teilen. „Ich habe auch schon gehört, dass die Fastenzeit dafür da ist, um sich nach den Weihnachtsfeiertagen wieder mit der Familie zu versöhnen“, meint er schmunzelnd.

Die Idee, gemeinsam Zeit zu verbringen, hält er für wichtig. Im Dekanat Retz-Pulkautal startet man ganz in diesem Sinne die Aktion „Ich hör dir zu“, an der sich alle beteiligen sollen. Man will für andere da sein und gleichzeitig die Kirche wieder mehr nach außen tragen. „Rund 80 Prozent der Menschen sind bei uns Pendler. Wir wollen zum Beispiel einmal pro Woche mit dem Zug mitfahren, den Menschen zuhören und helfen, wo wir helfen können“, verrät der Pfarrer.

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