Fastenzeit: Kopf und Körper aufräumen. Welche Bedeutung haben diese speziellen 40 Tage, gerade in einer Zeit, in der ohnehin viele verzichten müssen?

Von Christiane Fürst, Franz Enzmann, Sylvia Stark und Barbara Witzany. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:06)
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„Ich wüsste nicht, was ich weglassen soll“, sagt Fritz Damköhler, Obmann der ARTSchmidatal. „Seit 30 Jahren trinke ich keinen Alkohol, rauche nicht und esse kein Schweinefleisch. Daher ändert sich für mich nix in der Fastenzeit“, sagt er schmunzelnd.

„Eigentlich ernähren wir uns das ganze Jahr sehr bewusst und bescheiden. Es gibt bei uns also gegenüber dem Rest des Jahres keinen Unterschied im Essverhalten“, sagt die Preisträgerin des letztjährigen „Köllamauna“, Elisabeth Himmelbauer, die zusammen mit ihrem Mann Edi ein Bioweingut in Untermarkersdorf führt.

„Da ich aufgrund des Corona-Virus weniger unterwegs bin, ernähre ich mich ohnehin gesünder als sonst“, sieht der Grüne Landtagsabgeordnete Georg Ecker der Fastenzeit gelassen entgegen. „Mit Sport und Gartenarbeit halte ich mich zusätzlich fit.“ Auch für den mehrfach preisgekrönten Schriftsteller und Buchautor der Krimiserie „Polt“, Alfred Komarek, ist die Fastenzeit kein Thema, oder anders: „Mich berührt die Fastenzeit überhaupt nicht! Ich faste nicht nach dem Kalender, sondern wann ich will.“ Während der Lockdowns habe er auch nicht mehr gegessen als sonst.

Für die Mailberger Künstlerin Barbara Michl-Karácsonyi hingegen ist der Beginn der Fastenzeit etwas Besonderes: „Das ist für mich tatsächlich eine Zeit, in der eine Änderung meines Bewusstseins eintritt“, erzählt die Künstlerin, die seit fünfzehn Jahren die Fastenzeit ganz bewusst wahrnimmt.

„Für mich ist ein Frühjahrsputz ein schönes Bild“, findet der Hollabrunner Dechant Michael Wagner eine passende Metapher. So hinterfrage er seine eigenen Gewohnheiten und nehme sich mehr Zeit für die Selbstreflexion, ganz so, wie man ansonsten die Wohnung oder der Garten entstaube und ausräume. Die Kombination aus körperlichem Verzicht und innerem Aufräumen, also der Konfrontation mit den eigenen Gedanken, macht für Wagner die Fastenzeit aus. „Es ist eine Zeit, in der ich verstärkt versuche, meine inneren Vorgänge bewusster zu leben.“
Diese Erfahrung hat Michl-Karácsonyi auch gemacht. Sie spüre, dass sie sensibler und achtsamer im Umgang mit Mensch und Umwelt wird. „Es ist eine Reinigung von innen“, sagt sie und gesteht mit einem Lachen: „Ich erlaube mir bewusst auch Ausnahmen, zum Beispiel, dass ich auch in der Fastenzeit mal ein Glas Wein trinke. Aber wie gesagt, alles wird in dieser Zeit mit Maß konsumiert.“

Da in der Fastenzeit mehrere Menschen auf gewisse Dinge verzichten, sei es auch einfacher, die eigenen Vorsätze einzuhalten, findet Dechant Wagner. So entstehe eine gemeinsame Verbundenheit, in der mehr Akzeptanz für das eigene Fasten herrsche.
Zudem vereinfache auch die begrenzte Zeit das Erreichen der eigenen Ziele. „Sechs Wochen sind eine recht überschaubare Zeit, auch wenn es zum Ende immer schwieriger wird.“

Der diplomierte Fastentrainer Kurt Kloihofer bietet Fastenwochen im Schloss Pernegg und ambulant an. Er kennt das Problem des Durchhaltens. Kloihofer fastet zehn Tage lang: „Mehr sollte man nicht fasten.“ Dabei verzichtet er total auf feste Nahrung, trinkt nur Wasser und eine klare Brühe ohne Einlage und ohne Salz.

Ambulantes Fasten ist nicht jedermanns Sache

Für manche Menschen ist es aber in der Fastenzeit zu kalt für so langes Fasten. „Diese Menschen halten es mit ihrem Temperaturhaushalt nicht aus, daher ist für diese das Fasten im Sommer leichter.“ Das ambulante Fasten ist eben nicht jedermanns Sache.

Wie nimmt Wagner sein Umfeld während der Fastenzeit wahr? Ist sie anderen so wichtig wie ihm? Die Antwort fällt erwartungsgemäß diplomatisch aus. „Das ist sehr unterschiedlich und hängt von der jeweiligen Person ab.“ Trotzdem habe er das Gefühl, dass gerade in dieser Zeit sehr viele Leute versuchen, einen gewissen Punkt in ihrem Leben zu verbessern. „Manche finden dann auch wieder die Zeit, in die Kirche zu gehen“, bemerkt Wagner die steigende Anwesenheit vor Ostern. Die Vorbereitung darauf könne man stellvertretend für schwierige Phasen des Lebens verstehen.

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