Feuerwehr zur Coronazeit: „Akkus sind immer voll“. Hollabrunner Bezirksfeuerwehrchef Alois Zaussinger über Disziplin, E-Learning und einen ungewohnten Schritt zurück.

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. November 2020 (04:56)
FF-Kameraden im Einsatz. „Wir haben gute und kreative Feuerwehren; und gute Leut’ an den richtigen Stellen“, blickt Bezirksfeuerwehrkommandant Alois Zaussinger den FF-Wahlen im Jänner entgegen. Er ist zuversichtlich, dass jede der 115 Wehren („Die sind uns wirklich wichtig!“) ein neues Kommando wählen wird. Für die Führungsspitzen gibt es ein eigenes Unterstützungsprogramm.
BFKD/Archiv

Die Kameraden der Feuerwehr sind es gewohnt, in Krisensituationen zu helfen und einen kühlen Kopf zu bewahren. „Unsere oberste Priorität ist es, die Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Alois Zaussinger im Gespräch mit der NÖN.

Bezirksfeuerwehrkommandant Alois Zaussinger
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Einen Corona-Cluster habe es im Feuerwehrumfeld nicht gegeben, ergänzt Wolfgang Thürr, Bezirkssachbearbeiter für Öffentlichkeitsarbeit. Wie das gelungen ist? „Durch Disziplin. Die muss ich wirklich loben“, ist der Landesfeuerwehrrat Zaussinger hörbar stolz auf seine Truppe. Bei jedem Einsatz wird der Mund-Nasen-Schutz getragen, Desinfektionsmittel steht stets bereit. Nach Übungen wird auf den geselligen Teil verzichtet.

„Das fehlt uns sehr, das kameradschaftliche Leben“, hofft Zaussinger, dass die Videokonferenzen bald ein Ende haben. Wie die sozialen Kontakte, so wurden auch die Ausbildungen heruntergefahren. Aber: „Geübt wird weiterhin, allerdings in kleinen Gruppen, die immer aus denselben Leuten bestehen.“

E-Learning war bereits vor der Krise Zaussingers Steckenpferd. „Das ist jetzt umso wichtiger geworden“, sagt er.

Keine Feuerwehr-Wettkämpfe

Eine große Umstellung sei es gewesen, dass heuer keine Feuerwehr-Wettkämpfe stattfinden konnten. „Das hat sich keiner vorstellen können.“ Doch Zaussinger verspricht: „Im nächsten Jahr wird das Bezirksfeuerwehrkommando wieder Wettkämpfe durchführen.“

Durch Lockdowns und Homeoffice sind weniger Menschen draußen, was weniger Einsätze der Feuerwehr zur Folge hat. Konnten die Kameraden diese Zeit nutzen, ihre Akkus wieder aufzuladen? „Unsere Akkus sind immer voll“, schmunzelt Zaussinger. „Wenn wir alarmiert werden, sind wir auf 100 Prozent.“

Die Coronapandemie sei nicht die größte Herausforderung, die die Feuerwehr bisher bewältigen musste. „Katastropheneinsätze, wie Hochwasser oder unser Einsatz in Slowenien, waren sicher fordernder“, erinnert sich der Bezirksfeuerwehrchef. Eines stehe fest: „Das Krisenmanagement funktioniert sehr gut. Wir sind es gewohnt, Aufträge klar umzusetzen.“

Was die Coronakrise dennoch von anderen unterscheidet: „Dass die Feuerwehr keine führende Rolle hat. Sonst sind wir immer an vorderster Front“, sagt Thürr. Zaussinger nickt: „Den Schritt zurückgehen, das ist schwierig. Normalerweise gehen wir einen Schritt auf die Katastrophe zu.“

„Den Schritt zurückgehen, das ist schwierig. Normalerweise gehen wir einen Schritt auf die Katastrophe zu.“Bezirksfeuerwehrchef Alois Zaussinger

In Zeiten wie diesen sei es auch fordernd, den Ausbildungsstandard zu halten. „Wir werden 2021 unsere Energie auf die Feuerwehrjugend legen; auch hier wollen wir den Standard halten. Aber es wird nicht einfach, alle nach einer langen Pause wieder zu motivieren.“ Generell wolle man aktiv auf Menschen zugehen, um Personal zu rekrutieren. „Da braucht es einfach den persönlichen Kontakt“, weiß Zaussinger, der auf den Jänner 2021 blickt. Denn da werden die Kommandos der Wehren neu gewählt.

„Unser Ziel ist es, die 115 Feuerwehren im Bezirk zu halten!“ Bei den letzten Wahlen waren es noch 117. „115 sind es nur auf dem Papier. Die Leute und die Feuerwehrhäuser gibt es ja noch“, betont Thürr. Eine solche „abgesetzte Gruppe“, wie es im Feuerwehrjargon heißt, ist Pillersdorf. Hier wurde kein Kommando gefunden, die Kameraden gehören nun zur FF Zellerndorf. „Wir wollen das Know-how in den Ortschaften halten“, betont Zaussinger.

Warum abgesetzte Gruppen ihre Häuser behalten? „Die sind gerade im Katastrophenfall wichtig. Sie sind die erste Anlaufstelle. In einem Feuerwehrhaus wird immer Licht brennen“, ergänzt Thürr.