Gastro-Stornogebühr „wäre ein großer Aufwand“. Karl Riepl und Harald Pollak vertrauen auf ihre Gäste.

Von Barbara Witzany, Sandra Frank und Franz Enzmann. Erstellt am 20. März 2019 (04:53)
Witzany
Jürgen Walzer deckt gerade den Tisch für eine Gesellschaft in seinem Florianihof in Großmeiseldorf. Stornogebühren findet er grundsätzlich nicht schlecht, meint aber, dass diese schwierig einzuheben sind.

Reservieren Gäste einen Tisch und erscheinen dann nicht im Lokal, ohne abzusagen, so ist es in der Bundeshauptstadt bereits üblich, Stornogebühren einzuheben. Da sich immer mehr Wirte in Österreich so gegen säumige Gäste zur Wehr setzen, fragte die Hollabrunner NÖN bei Gastronomen im Bezirk nach, wie oft sie von ihren Gästen „sitzengelassen“ werden und was sie von der Idee der Stornogebühren halten.

„Wenn etwas Gravierendes passiert, dann verlangt man als Wirt eh nichts“Karl Riepl

Karl Riepl ist Vertrauensmann der Gastronomen im Bezirk. „Ich kenne das Problem, dass der Gast reserviert und dann gar nicht kommt eher aus dem Hotelbereich“, berichtet der Hollabrunner von seinen Erfahrungen. Er glaubt nicht, dass es im Bezirk häufig vorkommt, dass reservierte Tische leer bleiben.

„Wenn etwas Gravierendes passiert, dann verlangt man als Wirt eh nichts, du willst ja deine Gäste nicht verlieren“, ist Riepl überzeugt, dass Reservierungen nicht „einfach so“ nicht wahrgenommen werden. Stammgäste würden sich ohnehin bei „ihrem“ Wirten melden, wenn etwas dazwischenkommt. Außerdem sei es schwierig, „jemandem Geld abzuknöpfen“, wenn er gar nicht erscheint. Im Hotelbereich sei das klar geregelt.

Der Obmann der NÖ Wirtshauskultur, Harald Pollak, ist gleichzeitig Chef des Retzbacherhofs und hält nichts von solchen Stornogebühren in der Gastronomie. Er kennt keinen Wirtshauskultur-Betrieb in Niederösterreich, der bei nicht abgesagten Tischreservierungen eine wie immer geartete Gebühr einheben würde.

„Auch in meinem Retzbacher Betrieb wird es das nie geben. Ich wünsche mir, dass die Sensibilität der Gäste bei Reservierung steigt.“ Wenn etwa für 15 Personen ein Tisch reserviert ist, aber nur acht schlussendlich kommen, „dann sollte ich zeitgerecht den Wirt telefonisch verständigen“, meint der Haubenkoch.

„In den vergangenen Jahren ist es maximal zweimal passiert, dass reservierte Tische nicht genutzt wurden“, schildert Jürgen Walzer vom Florianihof in Großmeiseldorf. „Bei Spitzengastronomen in der Stadt verstehe ich, wenn sie eine Stornogebühr verlangen“, sagt der Wirt, dass diese Lokale oft nicht sehr viele Plätze hätten. Solche Gebühren einzuführen, stellt er sich jedenfalls schwierig vor: „Wenn ich an einem Wochenende 150 Reservierungen habe, müsste ich diese schriftlich haben. Das wäre ein großer Aufwand.“

Unangenehm findet der Gastronom ein ähnliches Problem: wenn eine Gruppe kleiner als angekündigt erscheint. „Würde ich am Abend davor oder in der Früh davon erfahren, könnten wir besser disponieren und müssten keine Gäste wegschicken.“ Grundsätzlich findet Walzer die Idee der Stornogebühr „zum Schutz der Wirte“ gar nicht schlecht.