Hilferuf der Bäcker: „Wir warten auf Lösungen der Politik“

Erstellt am 30. November 2022 | 05:22
Lesezeit: 4 Min
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Der Guntersdorfer Bäcker Walter Angenbauer ist Vertrauensmann der Bäcker. Er und seine Berufskollegen warten auf eine Lösung der Politik. Die Energiekosten machen der Branche zu schaffen.
Foto: Angenbauer
Bäckerei Kosch aus Peigarten droht wegen Teuerung das Aus. Die NÖN hat im Bezirk Hollabrunn nachgefragt.
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In den örtlichen Bäckereien schrillen die Alarmglocken. Vielen droht das Aus, wenn es keine Lösung in Bezug auf die explodierten Energie- und Rohstoffkosten gibt.

Noch kostet eine Semmel sowohl im Supermarkt als auch in den Bäckereien um die 40 Cent pro Stück. Doch wie lange noch? Die NÖN hat sich bei Bäckereien im Bezirk umgehört.

Sehr stark spürt die Bäckerei Kosch aus Peigarten die Teuerungen. Doch können die enormen Kosten noch irgendwie gestemmt werden? „Leider kann man nichts dagegen machen, weil einem die Hände gebunden sind“, sagt Eduard Kosch. Die Preissteigerungen könne man nicht eins zu eins weitergeben. „Sonst müsste ich meine Preise um ein Drittel bis 50 Prozent anheben und das kann ich nicht machen“, so der Bäckermeister.

„Wettbewerbsverzerrung“. Die Politik reagierte vor kurzem mit einem Energiezuschuss für energieintensive Unternehmen. Das Problem: In erster Linie werden hier Strom, Gas und Treibstoffe gefördert, Heizöl ist aber nicht inbegriffen. Die meisten Öfen von Familienbetrieben laufen jedoch mit Heizöl, nur ein kleiner Bruchteil solcher Kleinbetriebe wird mit Gas betrieben.

„Hier findet eine Wettbewerbsverzerrung statt. Wir haben schon mehrere Sitzungen gehabt, aber es wird nur geredet und es passiert genau nichts“, ärgert sich Kosch. Er merke derzeit keine Veränderung der Nachfrage im täglichen Bedarf. Aber: „Die Leute fangen immer mehr zum Nachdenken an, was alles kostet.“

Öl oder Gas? „Ein Witz!“ Vor gleichen Herausforderungen steht die Bäckerei Angenbauer in Guntersdorf. „Wir warten noch immer auf irgendeine Lösung der Politik und eine Unterstützung“, sagt Walter Angenbauer, der Bezirksvertrauensmann der Bäcker. Er bekomme täglich E-Mails mit Preiserhöhungen und -änderungen: „Es ist ein Witz, denn von der Politik ist vor einem halben Jahr die Devise gekommen, dass wir mit Heizöl arbeiten sollen, weil wir das Gas sparen müssen.“

Manche Unternehmen haben somit auf Heizöl gewechselt. „Nun sollen wir wieder auf Gas umsteigen, damit wir eine Förderung bekommen“, schüttelt Angenbauer den Kopf. Wenn nicht bald etwas geschieht, gebe es wohl viele Kollegen, die freiwillig aufhören, oder welche, die aufgeben müssen.

Die Bäckerei Gerstenbauer aus Hollabrunn hat schon früh Maßnahmen ergriffen. „Wir haben den Betrieb gleich zu Beginn, als die Energiekosten und Rohstoffpreise gestiegen sind, komplett umstrukturiert“, erzählt Bettina Gerstenbauer im NÖN-Gespräch. So wurden etwa die Arbeitsabläufe in der Backstube abgestimmt, dass möglichst kostensparend gebacken wird. Außerdem wurden die beiden Liefertouren auf eine zusammengelegt, sodass Sprit gespart wird.

„Bei uns ist der Vorteil, dass wir zu jedem unserer Lieferanten einen sehr persönlichen Kontakt haben. Von daher redet es sich auch leichter, was die Rohstoffpreise anbelangt“, sagt Gerstenbauer. Durch eine gute Kommunikation finde man oft gute Lösungen.

Komplexe Situation. „Eine der größten Herausforderungen der Teuerung der Großhandelspreise ist, dass diese oft um das Vielfache der Endkundenpreise steigen“, meint Bernd Hartner, Bäckermeister in Schöngrabern. Aufgrund der komplexen Gesamtsituation könne man kaum noch beurteilen, bei welchen Lieferanten und in welchem Ausmaß die Erhöhungen gerechtfertigt sind.

Neben laufenden Preisverhandlungen versuche er natürlich auch, nicht verkaufte Ware möglichst gering zu halten, um Kosten zu senken, so Hartner: „Das ist in unserer Branche nicht einfach, weil du am Vortag wissen musst, wo die Leute morgen welche Ware kaufen wollen.“

Eine gute Nachricht gibt’s aber auch: Beim Finden von Lehrlingen gebe es derzeit kein Problem – neben zwei aktiven Lehrlingen herrscht eine merkliche Nachfrage an Schnuppertagen. Nachwuchs sei jederzeit willkommen. „Ich lade nach wie vor junge Menschen ein, bei uns eine Probearbeit zu absolvieren“, so Hartner. Einschränkungen gebe es keine; außer der, dass ernsthaftes Interesse am Beruf besteht.

Gipfeltreffen in Bäckerei. Am Montag waren Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Arbeitsminister Martin Kocher, beide ÖVP, zu Besuch in der Produktionsstätte der Bäckerei Geier in Markgrafneusiedl. „Es braucht einen Energieschutzschirm – noch vor Weihnachten!“, forderte Mikl-Leitner. Viele Unternehmen stünden vor dem Aus, weil sie unter den exorbitanten Energiekosten leiden, die Gewinne und Rücklagen „auffressen“. „Viele wünschen sich das deutsche Modell der Gas- und Strompreisbremse. Der Bundesminister hat zugesagt, das Modell zu überprüfen“, erklärte Mikl-Leitner nach einem Gespräch mit Kocher, der den Betroffenen „noch in diesem Jahr“ Unterstützung zukommen lassen will: „Wir müssen nachziehen.“

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