Homöopathie: Ersetzt der Glaube die Vernunft?. Für die einen ist sie unerlässlich, für andere wieder fahrlässig. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Diese Mittel seien nicht wirksam, begründet Pilz ihre Aussage. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk, was sie darüber denken.

Von Sylvia Stark, Sandra Frank und Jenny Hochmayer. Erstellt am 12. Dezember 2018 (04:14)
Jennifer Hochmayer
Barbara Jungwirth, HoMaG-Mitarbeiterin, Hollabrunn (linkes Bild). Gottfried Fischer, Landwirt, Großmeiseldorf (rechtes Bild).

„Ich nutze homöopathische Produkte, da ich mich bei gesundheitlichen Problemen nicht mit Medikamenten zuschütten möchte“, formuliert Barbara Jungwirth aus Hollabrunn ein oft verwendetes Argument, wenn es um die Einnahme homöopathischer Mittel geht.

Für den Hollabrunner Mediziner Gunter Leeb gibt es puncto Homöopathie allerdings keinen Interpretationsspielraum: „Wissenschaftlich gesehen ist das Thema längst abgeschlossen. Es handelt sich dabei um ein völlig absurdes Konzept, das jeglicher Logik entbehrt und dem keinerlei naturwissenschaftliches Denken zugrunde liegt.“

Dem stehen wiederum die Erfahrungen der Volksschullehrerin und Kinesiologin Maria Redl-Schneider gegenüber, die sagt: „Ich könnte Homöopathie aus meinem Leben nicht streichen.“ Der Grund für die unbedingte Überzeugung der Pulkauerin liegt vor allem in einer Episode begründet: „Mein Sohn war als Baby schwer krank. Er musste mit wenigen Monaten schon sehr oft Antibiotika nehmen.“ Das wollte die Mutter ihrem Kinder aber nicht mehr antun und ging zum Homöopathen. Medikamente muss der heute Zwölfjährige keine mehr nehmen.

„Bei Kindern gibt es keinen Placebo-Effekt“

„Das große Problem dabei ist, dass in Zusammenhang mit Homöopathie immer wieder von ,sanfter Medizin‘ gesprochen wird und dass dann gerade bei Kindern und leider auch Kleinkindern diese völlig wirkungslosen Präparate angewendet werden“, sagt Leeb. Er argumentiert dahingehend, dass in großen Studien homöopathische Darreichungsformen fundiert wissenschaftlich untersucht wurden und sich zeigte, dass hier lediglich Placebo-Effekte hervorgerufen werden.

Ihre Erlebnisse bestärken Redl-Schneider jedenfalls in ihrer Meinung, dass Homöopathie mehr ist als nur ein Placebo-Effekt. „Bei Kindern gibt es keinen Placebo-Effekt“, entkräftet sie das Argument, dass Homöopathie nur deswegen den Zustand von Kranken verbessere, weil sich jemand um sie kümmert.

"Vertraue meiner Ärztin in Bezug auf die Wahl der besten Behandlung"

Landwirt Gottfried Fischer aus Großmeiseldorf bekam als Kind und Jugendlicher von seinem damaligen Arzt gerne homöopathische Mittel verschrieben. „Mittlerweile verwende ich keine mehr, sondern vertraue meiner Ärztin in Bezug auf die Wahl der besten Behandlung.“ Fischer plädiert aber dafür, das Wahlfach Homöopathie an der Medizinischen Universität in Wien zu erhalten, „um die Vielfalt der Behandlungsmethoden zu gewährleisten“.

Gunter Leeb ist davon überzeugt, dass der Schritt, das Wahlfach Homöopathie einzustellen, vollkommen richtig ist und meint, dass „weitere Schritte in Richtung Beschränkung in diesem Bereich sicher in Zukunft folgen werden“.

Ein Verbot der Abgabe in Apotheken hält der Mediziner allerdings nicht für sinnvoll, „da man ja letztendlich Patienten auch nicht vorschreiben kann, was sie einnehmen“. Er weist aber auf die wissenschaftliche Verpflichtung von Apothekern hin, die er bei homöopathischen Produkten nicht gewährleistet sieht.

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