Hundehaltung: "Beratung ist sinnvoll“. Seminare für Hundehalter sollten eine freiwillige Zusatzleistung sein, bei der Besitzer, aber auch Nicht-Hundehalter Wissen über Wesen der Tiere erlangen.

Von Christiane Fürst und Sandra Frank. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:06)
Alexandra Lehnert ist Obfrau des ÖGV Hollabrunn und nimmt mit ihren Hunden an verschiedenen Wettkämpfen teil. Mit Joyce und Nox holte sie bei den BGH3-Staatsmeisterschaft 2016 Platz 2 und Platz 8.
privat

Hundehalter sollen künftig, wenn es nach FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl geht, mehr Verantwortung bekommen. Dazu ist bereits eine Gesetzesnovelle in Ausarbeitung. Neben Beratungsgesprächen, bevor ein Hund einzieht, sollen Halter bald Sachkunde-Wissen nachweisen müssen, auch die Einführung eines NÖ Hundepasses ist angedacht. Die NÖN fragte im Bezirk nach, was Hundebesitzer von diesen Ideen halten.

„Generell finde ich es natürlich sinnvoll, wenn sich zukünftige Hundehalter vor dem Kauf informieren und sich der Aufgabe und Verantwortung bewusst sind“, meint Alexandra Lehnert, Obfrau des ÖGV Hollabrunn.

Für sie ist wichtig, dass sich Hundebesitzer für eine Rasse entscheiden, die zu den Lebensgewohnheiten passt. Hier sei es wichtig, über Verhalten und Erziehung Bescheid zu wissen, um Problemen vorzubeugen.

Allerdings ist sich Lehnert, die selbst Frauchen dreier Hunde ist, sicher, dass sich die meisten Hundebesitzer ohnehin angemessen vorbereiten. „Deshalb finde ich eigentlich schade, dass man meint, sich auf diesen gesunden Hausverstand nicht verlassen zu können und Selbstverständliches vorschreiben zu müssen.“ Lehnert fürchtet, dass diejenigen, die später Probleme bereiten, sich auch durch eine Gesetzesnovelle nicht ausreichend informieren werden.

Das bestätige ihre eigene Erfahrung mit dem sogenannten „Listenhundeführschein“. Werde dieser nicht gemacht oder ausgestellt, suche man sich entweder eine andere Stelle, die ausstellt, oder „ersetzt im schlimmsten Fall den Hund“. Deshalb glaubt die erfahrene Hundetrainerin, dass durch diese Änderungen die Tierheime wieder überfüllt sein werden, jedoch diesmal nicht nur mit Listenhunden.

Anni Leitl aus Roseldorf mit Nachbarshund Argo: Die beiden sind ein Herz und eine Seele. 
Enzmann

Seminarangebote für zukünftige Hundebesitzer sollten ihrer Meinung nach auf jeden Fall gefördert werden. Aber: „Sie sollten eher als ,Zuckerl‘ und nicht als Vorschrift verpackt werden.“ Wichtig ist Lehnert, dass solche Seminare oder Unterlagen von sachkundigen Personen erstellt werden, die eine praxisnahe Information weitergeben können.

Lehnert macht noch einen weiteren Vorschlag: Auch Nicht-Hundebesitzer sollten die Möglichkeit haben, sich über Verhalten und Kommunikation des Hundes zu informieren. „So kann vielen Problemen vorgebeugt werden“, ist sie überzeugt.

„Ich finde es schade, dass man meint, sich auf den gesunden Hausverstand nicht verlassen zu können.“
Alexandra Lehnert, Obfrau des ÖGV Hollabrunn

Ein Beratungsgespräch, bevor das neue vierbeinige Familienmitglied ausgesucht wird, hält auch Yvonne Ehrlich, Geschäftsführerin der AniCura Tierklinik in Hollabrunn, für sinnvoll: „Weil viele Punkte bedacht werden müssen, wenn man sich einen Hund anschafft.“ Dennoch müssen für den vollen Erfolg einige Bedingungen erfüllt werden: Das Beratungsgespräch sollte kostenlos und zeitlich gut umsetzbar sein sowie Informationen zum Verhalten der Hunde beinhalten.

Die Leitung solle von einem Spezialisten übernommen werden. Treffen all diese Punkte zu, könne das Gespräch sehr sinnvoll sein, weil man Neues dazulernen kann und offene Fragen beantwortet werden.

Der Erfolg eines NÖ Hundepasses hänge davon ab, in welcher Form welche Dinge dokumentiert werden. Denn aus veterinärmedizinischer Sicht sei man mit den Tierärzten gut vernetzt.

Lisa Plessl von der Schmidataler Staffel der Österreichischen Rettungshundebrigade hält die Vorhaben von Landesrat Waldhäusl für richtig, weil jeder Hund sich anders verhält und auch einen anderen Charakter hat. Zusätzlich wünscht sie sich noch, dass alle Hundehalter die Mensch-Hund-Team-Prüfung absolvieren. „Man lernt, wie sich der Hund verhält, wie er auf unterschiedliche Umwelteinflüsse reagiert und man lernt, selbst den Hund einzuschätzen“, erklärt Plessl die Vorzüge dieser Prüfung.

Zusatzprüfung mit Tipps von Hundetrainern

Dabei werden alltägliche Situationen wie beispielsweise das Verhalten des Hundes, wenn ein Fahrradfahrer an ihm vorbeifährt und wie man darauf richtig reagieren soll, trainiert und abgefragt. Hilfreich sei, dass man Tipps von Trainern bekomme und mehrere Möglichkeiten aufgezeigt werden.

Derzeit müssen solche Prüfungen alle Hundesportler absolvieren und alle Halter gewisser Hunderassen. „Es ist nicht viel Aufwand und Mensch und Hund wachsen als Team zusammen“, spricht sich Plessl erneut für die Zusatzprüfung aus.

Umfrage beendet

  • Verpflichtende Ausbildung für Hundehalter notwendig?