In den Zügen ist viel mehr Platz. Die Zahl der Fahrgäste ist deutlich geringer, die Investitionen bleiben gleich.

Von Belinda Krottendorfer und Christoph Reiterer. Erstellt am 21. Mai 2020 (05:45)
Nur wenige Pendler warten derzeit am Hollabrunner Bahnhof auf ihre Schnellbahn. Das Fahrgastaufkommen liegt laut ÖBB 30 bis 50 Prozentunter den Zahlen vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.
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Die ÖBB haben im nationalen Regional- und Nahverkehr sowie im nationalen Fernverkehr ihren Regelbetrieb aufgenommen. Lediglich im grenzüberschreitenden Zugverkehr kommt es aufgrund der Grenzsperren weiterhin zu Einschränkungen. „Fahrgäste sollen sich unbedingt vor Fahrtantritt über die konkreten Zugverbindungen und Reisebedingungen für den Grenzübertritt informieren“, rät ÖBB-Sprecher Daniel Pinka. Und wie läuft er Betrieb unter den geltenden Sicherheitsbestimmungen?

„Die Maskentragepflicht funktioniert in Summe sehr gut, die Fahrgäste halten sich daran und gehen sehr rücksichtsvoll miteinander um“, berichtet Pinka. Selbstverständlich seien auch die Zugbegleiter verpflichtet, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Das derzeitige Fahrgastaufkommen beziffern die ÖBB mit 30 bis 50 Prozent unter den Zahlen vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Normalbetrieb herrscht indes seit Ostern auf den rund 200 ÖBB-Baustellen. „Mit kleinen Einschränkungen aufgrund von Lieferengpässen oder Quarantänesituationen der Arbeiter“, merkt Pinka an, „wobei natürlich geltende Sicherheitsmaßnahmen wie das Tragen von Masken und Abstandsregelungen berücksichtigt werden.“

Laufende Investitionen gesichert

Aufgrund des gültigen Rahmenplans seien sämtliche laufende Investitionen gesichert. Dies sei gerade jetzt ein entscheidender Impuls für die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Es werden keine wesentlichen Verzögerungen bei Projekten erwartet. Entsprechend werden die Baustellen fortgesetzt.

Zur Optimierung der Betriebsqualität werden auf der Nordwestbahn-Strecke zwischen Stockerau und Retz umfangreiche Arbeiten durchgeführt. Von 11. bis 15. Juni (jeweils 1 Uhr) wird zwischen Stockerau und Retz bzw. Znojmo wegen Entwässerungsarbeiten der Regionalzugverkehr eingestellt und ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. „Konkret erneuern wir hier die Durchlässe zwischen Retz und Zellerndorf. Im gleichen Zeitraum werden auch zwischen Göllersdorf und Hollabrunn diverse Entwässerungsarbeiten gemacht“, erklärt der ÖBB-Sprecher.

Dies sei als Vorbereitung auf die längere Streckensperre im Sommer zu sehen. Von 18. Juli bis 7. September bekommt die gesamte Nordwestbahn-Strecke sozusagen ein Komplettservice und wird zwischen Stockerau und Retz gesperrt, um pünktlich zu Schulbeginn wieder befahrbar zu sein.

Durchlässe werden erneuert und diverse Grabenmauern saniert. In verschiedenen Abschnitten wird das Schotterbett komplett erneuert. Zwischen Breitenwaida und Hollabrunn wird auf rund fünf Kilometern der gesamte Oberbau getauscht. Ebenso werden zwischen Zellerndorf und Platt rund 1,5 Kilometer Gleise komplett neu verlegt.

Diszipliniert mit Mund-Nasen-Schutz im Zug: die Nordwestbahn-Pendlerinnen Melanie Rössl und ...
privat

Was meinen eigentlich Pendler zur Situation der letzten Wochen? Dagmar Engelhart aus Stronsdorf berichtet vom deutlich geringeren Fahrgastaufkommen. Der Rübenplatz in Hollabrunn biete nun viel mehr Parkplätze. Die Pendlerin – sie fährt bis Wien-Praterstern – fühlt sich generell sehr sicher im Zug, da die wenigen Fahrgäste alle eine Maske tragen. Allerdings: „Beim Ein- und Aussteigen wird Abstand gehalten, doch in Wien steigen dann zehn Leute in denselben Lift ein“, wundert sie sich.

Melanie Rössl fällt auf, dass morgens die vorderen Abteile fast leer sind und die meisten Fahrgäste in den letzten Abteilen sitzen. Dort sei es dann schon schwierig, den notwendigen Abstand zu halten.

... Dagmar Engelhart.
privat

„Es werden von Tag zu Tag wieder mehr Fahrgäste“, meint Carina Krottendorfer aus Pulkau. Manchmal beobachtet sie Mitfahrer, die sich nicht an die Maskenpflicht halten. Verspätungen gebe es auf der eingleisigen Nordwestbahnstrecke wie üblich mehrmals die Woche, wenn Gegenzüge abgewartet werden müssen, sagt Krottendorfer, die von Zellerndorf bis zum Hauptbahnhof pendelt. Eine Pendlerin aus Retz meint hingegen, dass die Verspätungen während der Coronakrise merklich zurückgegangen seien.