Krankenschwester: „Viele spielen Corona-Roulette“. Eine Krankenschwester aus dem Bezirk Hollabrunn berichtet aus dem Alltag und von ihrer Quarantäne.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 08. April 2020 (06:05)
Eine Krankenschwester hatte im Krankenhaus Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person.
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Die Coronakrise stellt das Gesundheitssystem vor seine größte Herausforderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine diplomierte Krankenschwester aus dem Bezirk Hollabrunn äußert sich via E-Mail zur aktuellen Situation. Sie stand selbst unter Quarantäne, weil sie Kontakt zu einer Person hatte, die positiv auf Covid-19 getestet wurde. Aus Sorge um ihre Kollegen und ihren Job werden ihre Antworten als N.N. (Nullum Nomen), ausgewiesen.

NÖN: Der vergangene Mittwoch war der letzte Tag Ihrer Quarantäne. Warum war diese notwendig?

N.N.: Ich hatte in Ausübung meiner Arbeit Kontakt mit einem positiv getesteten Angehörigen einer meiner Patienten. Die Familie des Patienten durfte ihn mit einer Sondergenehmigung besuchen. Ich selbst wurde getestet und war negativ.

„Nicht immer sind die richtigen Artikel vorhanden; es wird improvisiert.“

Welche Gedanken beschäftigten Sie während der Quarantäne?

Bis ich die Testergebnisse hatte, was etwa acht Tage dauerte, hatte ich hauptsächlich Sorge um mich selbst. Die Angst, positiv zu sein, hat meine Gedanken dominiert. Sobald ich wusste, dass ich negativ bin, war ich glücklich, mich nicht in einen Bereich begeben zu müssen, wo ich tendenziell gefährdet bin.

Haben Sie Informationen von Ihren Kollegen, wie gut die medizinische Versorgung funktioniert?

Ich habe Kontakte zu diversen Personen aus dem Gesundheitsbereich, welche in den unterschiedlichsten Institutionen arbeiten. Wenn man den Aussagen Glauben schenkt, spielen viele täglich Corona-Roulette.

Wie meinen Sie das?

Informationen zum Selbstschutz werden zwar rasch rausgegeben. Im selben Atemzug hört man, dass wirtschaftlich mit den Verbrauchsgütern umgegangen werden soll und nicht zu viel verbraucht werden darf. Nicht immer sind die richtigen Artikel vorhanden; es wird improvisiert. Aufnahmen in die Spitäler sind oftmals unreflektiert passiert. Eine Nachfrage bezüglich Ansteckungsmöglichkeiten ist nicht erfolgt. Später wurde mit Schrecken festgestellt, dass ein Corona-Erkrankter aufgenommen wurde. Daraus resultierten Quarantäne für viele Mitarbeiter und Stationsschließungen, und das in einer Zeit, in der in Österreich sowieso ein Pflegenotstand herrscht. Mittlerweile dürften die Spitäler jedoch mit der notwendigen Schutzausrüstung versorgt sein.

Wie groß ist Ihr Vertrauen in das Gesundheitssystem?

Wäre diese Frage zu Beginn der Coronakrise gekommen, hätte ich sofort mit „nicht groß“ geantwortet. Es wurde zu lange zugewartet, bis die ersten Maßnahmen ergriffen wurden, die das Volk schützen. Mittlerweile sind wir bei sehr sinnvollen Maßnahmen angekommen, und wenn sich jeder daran hält, kann die Kurve der Neuansteckungen abflachen.

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