Krisenjahr für Automarkt wie noch nie zuvor. Zahl der 2020 neu zugelassenen Autos zeigt steil nach unten. Auch Händler im Bezirk Hollabrunn haben zu kämpfen.

Von Belinda Krottendorfer und Elisabeth Hess. Erstellt am 27. Januar 2021 (04:26)
Symbolbild
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BEZIRK 1.095 Neuzulassungen 2020 gegenüber 1.362 im Jahr 2019; 64 weniger bei VW, 54 weniger bei Ford, 26 bei Dacia, nur drei weniger bei Peugeot und sogar drei mehr bei Skoda: So liest sich der Jahresvergleich der gängigsten Marken im Bezirk. Immerhin ein deutlicher Anstieg bei Elektro und Hybrid. Doch wie geht es den Autohändlern tatsächlich?

„Wir müssen damit leben und das Beste daraus machen“, sagt Jürgen Sauberer. Der Hollabrunner Ford-Händler hofft, dass es 2021 aufwärts geht, und dass die Wirtschaft wieder belebt wird. Entgegenwirken möchte er dem aktuellen Negativ-Trend mit neuen Auto-Modellen, welche die Kunden ansprechen. Mitte des Jahres bekomme er auch E-Autos, die sich derzeit am Pkw-Markt steigender Beliebtheit erfreuen. Derzeit ist er noch auf Plug-in-Hybride beschränkt: „Diese verkaufen sich schön langsam gut, aber es dauert ein bisschen, bis der Trend bei den Leuten ankommt“, sagt Sauberer.

Ab Mitte des Jahres kommt die „NoVA neu“, die die Fahrzeuge zusätzlich verteuern wird. Der Ford-Händler geht davon aus, dass es dadurch in der ersten Jahreshälfte zu Vorziehkäufen kommen wird.

Reinhard Thürr berichtet, dass das Raiffeisen-Lagerhaus – spezialisiert auf Peugeot, Citroen und Nissan – ebenso vom Einbruch betroffen sei, aber weniger stark als der Pkw-Gesamtmarkt. Für 2021 erwartet er, dass die Verkäufe nochmals um 15 Prozent zurückgehen. Hier gegenzusteuern, sei aus seiner Sicht schwierig.

 
Statistik Austria; Foto: maradon 333/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Beim Kauf eines E-Autos gebe es für Unternehmen mehr Förderungen als für Privatpersonen, ein Kauf für viele Kunden daher immer noch zu teuer. „Der Boom von E-Autos ist da, aber auf niedrigem Niveau“, analysiert Thürr. Ebenso sei die Ladeinfrastruktur noch nicht überall gegeben. Bei E-Bikes erwartet der Spartenleiter hingegen wieder einen Boom wie bereits im vergangenen Jahr. Dass es wegen der „NoVA neu“ Vorziehkäufe geben wird, denkt er eher nicht, er hoffe es aber.

Mazda, Renault und Dacia sind die Aushängeschilder im Autohaus Hager am Hollabrunner Gewerbering. Geschäftsinhaber Markus Hager nennt für die Krise in der Branche drei Gründe: „Erstens haben wir unser Geschäft geschlossen, der Kunde kann also nicht in den Schauraum für eine Besichtigung kommen. Zweitens sind die Kunden durch Pressemeldungen, die die E-Mobilität betreffen, verunsichert“, meint der Hollabrunner. Teilweise würden Unwahrheiten bezüglich der Autos mit Verbrennungsmotoren kursieren. Und als dritten Grund nennt Hager den durchwachsenen Onlineverkauf, den er ebenfalls nicht zuletzt darauf zurückführt, dass den Kunden eine Besichtigung vor Ort fehlt. Die „NoVA neu“ werde aus seiner Sicht nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Werkstätten sind freilich weiterhin geöffnet, die Geschäfte bis voraussichtlich 8. Februar geschlossen: „Ich glaube nicht, dass wir dann gleich wieder aufsperren können. Ich habe noch nie so ein Krisenjahr erlebt“, resümiert Hager.

„Am Land geht’s nicht ohne Auto“

Branchensprecher Karl Scheibelhofer, Autohändler in Hollabrunn und Frauendorf, bemerkte, dass Toyota vom Einbruch des Kfz-Marktes nicht so stark wie andere Marken betroffen war. Tatsächlich gab es im Bezirk 48 Neuzulassungen und damit um zwei mehr als 2019. Der Trend zu alternativen Antrieben halte trotz Corona an: „Ohne Sperre des Handels wäre vielleicht sogar eine Steigerung zu 2019 möglich gewesen.“

Es sei auch wieder ins Bewusstsein gekommen, dass man ein Auto doch brauche, sagt Scheibelhofer: „Am Land geht es nicht ohne.“ Der Onlineverkauf erlebe ebenso einen Aufschwung. „Der Kunde sitzt daheim am Sofa und der Verkäufer zeigt ihm per Kamera das Auto. Da sind wir in Österreich immer etwas hinten gewesen“, weiß der Fachmann, „die asiatischen Länder sind in diesem Bereich die Spitzenreiter“.

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