Kultursommer: Nullnummer und Neuerfindung. Der ansonsten üppige Sommerspielplan ist ausgedünnt. Festival Retz geht neue Wege.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:24)
Werner Auer will lieber so zurückkommen, „wie uns unser Publikum mag“.
privat

„Eine Nullnummer mit ausverkauften Vorstellungen“, das ist Werner Auers bitteres Fazit nach wochenlangem Zuwarten, welche Maßnahmen die Bundesregierung für Kulturveranstaltungen vorschreibt. Das Ergebnis ist die Absage der heurigen Musical-Produktion „Sister Act“ in der Felsenbühne Staatz.

Der beliebte Hollabrunner Entertainer, der normalerweise ab Ende Juli 1.200 Besucher pro Vorstellung begrüßt, begründet die Verschiebung auf 2021 auf mehreren Ebenen. Zum einen sei durch das zögerliche und praxisferne Handeln der Kulturpolitiker die Zeit davongelaufen, um die Produktion noch bestmöglich vorzubereiten: „Ich weiß bis heute nicht, unter welchen Umständen wir Proben könnten.“

Zum anderen würde sich durch die Vorgaben die Anzahl des Publikums erheblich reduzieren. „Wie soll ich entscheiden, wer am Abend dann wirklich zuschauen darf?“, stellt sich Auer die Frage nach der Durchführbarkeit. Und natürlich stehe unter solchen Voraussetzungen auch die Wirtschaftlichkeit infrage. Auer ist sich für seine Location zudem sicher, dass das Vergnügen eines Vorstellungsbesuchs erheblich leiden würde.

„Mir ist es lieber, jetzt ein Jahr Pause zu machen und nächstes Jahr so wiederzukommen, wie uns unser Publikum mag“, vertraut der Sänger seinen Zuschauern. Für die Kinder wird es eine Produktion von „Ritter Rost“ geben, da „wir die Vorgaben auf der Bühne und fürs Publikum leichter umsetzen können“.

Seit Montagabend fix: Festival Retz „light“

Auch beim Festival Retz ist durch Corona kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Kirchenoper, Markenzeichen des Festivals Retz, ist für heuer jedenfalls schon Geschichte. Doch Intendant Alexander Löffler hat sich – quasi bis zur letzten Minute – bemüht, Teile des Programms zu retten.

Am Montagabend ist in einer Sitzung in Retz die Entscheidung gefallen, das Festival in veränderter Weise ab 6. August stattfinden zu lassen. Das neue Konzept sieht einen kleinteiligen und dezentralisierten Konzertpfad vor, in dem die Besucher an jedem Ort musikalisch Passendes erwartet. Sie wandern dabei vom Hof des Schlosses Gatterburg bis zur Dominikanerkirche, dem Schlusspunkt des Konzertpfads.

Löffler sieht für das Festival Retz auch Chancen durch die veränderte Situation: „Wir konnten ein international hochrenommiertes Sänger-Ehepaar, das seinen Lebensmittelpunkt in Österreich hat, für einen eventuellen Auftritt beim Festival in Retz gewinnen.“ Im „normalen“ Sommerfestspielbetrieb wäre dieses Engagement, zu dem sich Löffler im Detail noch bedeckt halten muss, nicht möglich gewesen; sowohl aus zeitlichen als auch aus monetären Gründen.

Situation für künstlerisch arbeitende Menschen dramatisch

Die Künstler hat Werner Auer ebenfalls im Auge: Als Obmann des Theaterfest-Vereins bemüht er sich um eine finanzielle Abgeltung für die Schauspieler, Tänzer, Musiker und Sänger, die sich in diesem Sommer mit einem kompletten Verdienstausfall konfrontiert sehen. „Ich bin mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Gespräch, um für die vielen Menschen eine Lösung zu finden“, betont der Hollabrunner.

Für ihn hat die Krise, was die künstlerisch arbeitenden Menschen betrifft, ein dramatisches Ausmaß erreicht.

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