Landeskammerrätin Bauer: „Es ist nicht leicht mit uns“. Fürs Getreide kam der Regen zu spät, die Erträge bleiben gering. Für Herbstkulturen ist der Niederschlag ideal.

Von Franz Enzmann und Sandra Frank. Erstellt am 01. Juli 2020 (04:32)
Bauer Josef Himmelbauer in seinem Weizenfeld in der Nähe von Goggendorf: „Es wird wieder Verlustegeben“, spricht er über die Erträge der bevorstehenden Ernte.
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Druckfrisch hält Kammersekretär Gerald Patschka die Anbauflächenstatistik 2020 der AMA in den Händen. Knapp 60.000 Hektar Ackerfläche gibt es im Bezirk Hollabrunn. Dazu kommen 7.400 Hektar mit Weingärten.

„Bemerkenswert gegenüber dem Vorjahr sind vor allen die Flächenänderungen bei den Kulturen Winter- und Sommergerste“, sagt Patschka. Die Wintergerste hat nämlich 520 Hektar dazugewonnen, auf 820 Hektar weniger wird Sommergerste angebaut. Ölkürbis (+1.230 Hektar) und Mais (+310) verzeichnen großes Plus, während die Zuckerrübenflächen stark zurückgingen (-780 Hektar). So viel Ölkürbis und Mais wurde noch nie im Bezirk angepflanzt. „Da heben wir neue Höchststände erreicht“, weiß Patschka. Genau umgekehrt verhalte es sich bei Sommergerste und Zuckerrübe, noch nie wurde so wenige Flächen für den Anbau dieser Kulturen verwendet.

Auf Getreide und Erdäpfeln setzt Josef Himmelbauer. „Beim Winterweizen, der im Oktober angebaut wird, fehlte heuer die Winterfeuchte, dann kam noch die Trockenheit im Frühjahr dazu“, erklärt der Goggendorfer Landwirt, weshalb sich die Ähre nicht richtig entwickeln konnte. Die massiven Regenmengen in der vergangenen Wochen helfen dem Getreidewuchs auch nicht mehr. „Es wird bei der baldigen Ernte des Weizens wieder Verluste geben“, prophezeit der 57-Jährige. Bei den anderen Getreidesorten sei die Situation ähnlich. „Bei den Erdäpfeln kann man die Ertragssituation noch nicht abschätzen“, sagt der Landwirt.

„Wir sind sicher zwei Wochen früher dran als sonst“, spricht Liane Bauer aus Viendorf davon, dass die Rodungen bei den Frühkartoffeln bereits begonnen haben. Die Erdäpfel haben bereits die richtige Größe; die Landwirte wollen die guten Bedingungen zur Rodung nutzen. Dennoch schnauft die Landeskammerrätin, wenn sie auf die aktuelle Situation angesprochen wird. Durch die Trockenheit haben die Erdäpfel wenig Knollen angesetzt, durch den Regen „wachsen und wachsen“ diese.

Klingt gut, aber: Wenn man ein Kilo Erdäpfel kaufe und dann nur zwei Stück im Sack habe, sei das auch nicht das Wahre. Trotzdem ist die Bäuerin zufrieden mit der Situation. Für die Herbstkulturen seien die Niederschläge gut, damit sie sprießen können.

Mit Blick auf die Getreidefelder ihres Viendorfer Betriebs meint Bauer: „Für das Getreide kam der Regen zu spät“, rechnet auch sie mit Ertragseinbußen. „Es ist nicht so einfach mit uns“, schmunzelt die Landeskammerrätin, die gerade eine Vollversammlung hinter sich und von den Problemen anderer Landwirte gehört hat. Aber: „Wir können es eh nicht ändern, darum nehmen wir es, wie es ist, und machen des Beste daraus.“

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