Leistbare Baugründe? Nachfrage übersteigt Angebot. Im Bezirk Hollabrunn können sich die Bürgermeister des Interesses kaum erwehren und müssen oft Absagen erteilen.

440_0900_384117_noe29grafik_baugrund.jpg
NOEN

Das Institut OGM hat in einer Analyse die Grundstückspreise und die Einkommen in Relation gesetzt. Im Bezirk Hollabrunn sind in dieser Statistik die Bezirkshauptstadt sowie die Weinstadt Retz die teuersten Pflaster. Die NÖN wollte dazu wissen, wie es in den Gemeinden des Bezirks mit der Verfügbarkeit von Bauland aussieht.

„Die Nachfrage ist endlos, ungebremst“, sagt Hollabrunns Liegenschaftsstadtrat Günter Schnötzinger. Die Preise werden entsprechend angepasst. Beim Studentenheim wurden zuletzt 160 Euro pro Quadratmeter verlangt, in Breitenwaida waren es 100 Euro. Selbst in den weiter entfernten Katastralgemeinden Altenmarkt und Weyerburg liegt der Quadratmeterpreis laut Schnötzinger bereits bei 35 Euro. Tendenz steigend. Vielmehr muss die Gemeinde bremsen, um den Zuzug nicht explodieren zu lassen.

Es wurden zahlreiche Bauplätze in der neuen Retzer Wohnhaussiedlung „Im Weinberg“ zum Quadratmeterpreis von 45 bis 55 Euro von der Stadtgemeinde an Private verkauft, weiß Vizebürgermeister Stefan Lang.  Am ehemaligen Lehninger-Areal entstanden sechs Bauplätze, dort kostete der Quadratmeter bis zu 100 Euro. „Diese Grundstückspreise verstehen sich ohne Aufschließungskosten für Wasser, Strom und Kanal“, erläuterte der Vizestadtchef. In den fünf Katastralgemeinden gebe es noch Bauplätze auf Gemeindegründen zu unterschiedlichen Quadratmeterpreisen. „Aufgrund der starken Nachfrage sind wir bemüht, laufend neue Bauplätze zu schaffen“, betont Lang.

In der Marktgemeinde Guntersdorf kosten die Bauplätze 75 bzw. 100 Euro pro Quadratmeter. Der Bauzwang beträgt drei Jahre, fertig sein muss das Gebäude innerhalb von fünf Jahren. Bürgermeister Roland Weber hätte kein Problem damit, den Bauzwang auf zwei Jahre herunterzusetzen. Warum ein solcher wichtig ist? „Damit niemand spekulieren kann“, will der Gemeindechef vermeiden, dass ein Bauplatz als Geldanlage dient. Denn so werden die verfügbaren Flächen verringert und „dann sind wir weit weg von leistbaren Bauplatzpreisen“. Hierin sind sich die Verantwortlichen im Bezirk jedenfalls einig.

Anfragen gebe es fünf bis zehn im Monat, so Weber, die „Ausbeute“ beträgt fünf bis sechs verkaufte Bauplätze im Jahr. „Das ist ein ordentliches Thema“, meint der Bürgermeister, dessen Gemeinde noch etwa 20 Bauplätze zur Verfügung hat. Seit die Gemeinde die Preise für Bauland angehoben hat, fällt Weber auf: „Die alten Häuser im Ort gehen jetzt besser weg.“

Corona-Krise verschärfte Nachfrage

In der Nachbargemeinde Wullersdorf kosten Gemeindebauplätze 50 Euro pro Quadratmeter. „Die Nachfrage ist rasant“, sagt Bürgermeister Richard Hogl. Viel wollen raus aus Wien und sich am Land ein Eigenheim schaffen. Die Corona-Krise verschärfte diesen Trend. Pro Monat würden etwa fünf Familien anfragen, ob es Baugründe gibt. „Ob es was wird, ist etwas anderes“, so Hogl, denn: „Wir haben so gut wie keine Bauplätze mehr.“ Erst Mitte 2022 könne die Gemeinde wieder Bauland erschließen, derzeit wachsen auf der Fläche noch Rüben. Nächste Schritte sind Widmung und Planung, dann geht es an die Schaffung der Infrastruktur. „Grund und Boden ist sehr gefragt“, weiß der Landtagsabgeordnete, dessen Gemeinde ebenfalls einen Bauzwang über drei Jahre verhängt, die auf fünf Jahre ausgedehnt werden kann.

Bei Umwidmung in Bauland wird ein Bauzwang verhängt

Ein Blick ins Schmidatal: Die Marktgemeinde Ravelsbach verfügt zwar selbst über kein verwertbares Bauland, ermöglicht aber den Verkauf von Bauplätzen durch Baulandmobilisierungsverträge. „Bereits bei der Umwidmung von privaten Grundstücken in Bauland wird ein Bauzwang verhängt“, erläutert Bürgermeister Walter Schmid. „Außerdem gibt es eine Abbruchprämie für Altbestand im Ortskern, wenn dann wieder ein Neubau geschaffen wird“, so der Gemeindechef.

Durch die Mobilisierung von bereits seit langer Zeit im Bauland befindlichen Grundstücken war es möglich, Baulücken zu schließen. „Dafür wurde der Gemeinde sogar ein großes Lob vom Land Niederösterreich ausgesprochen“, freut sich Bauamtsleiter Stefan Widerna. Für die Zukunft gibt es bereits neue Umwidmungen. So soll demnächst die Winkler-Siedlung II in Gaindorf mit sieben Bauplätzen freigegeben werden.

Bauplätze sind sehr begehrt

In Ziersdorf gibt es monatlich zwischen zehn und 15 Anfragen für Bauplätze. Die Preise steigen. „Unsere Bauplätze sind sehr begehrt, derzeit gibt es nur noch vereinzelt Baugründe in den Katastralgemeinden“, erzählt Bürgermeister Hermann Fischer. In Ziersdorf selbst gibt es derzeit eine Baulandreserven. Dafür werde drei bis fünf Mal im Jahr die Abbruchprämie für alte Häuser in Anspruch genommen. Wenn eine Baubewilligung erteilt wurde, hat der Häuslbauer drei Jahre Zeit, seine Immobilie zu errichten.

Auch in Sitzendorf sieht Bürgermeister Martin Reiter bei den Grundstückspreisen zukünftig eine Steigerung: „Das resultiert aus dem Mangel an Baugründen.“ Die Gemeinde überlege eine Einschränkung des Verkaufes; „wenn wir diesen so weiter betreiben, haben wir sonst keine Bauplätze mehr“, so Reiter.

Preise haben sich verdoppelt

Von drei bis vier Anfragen je Monat berichtet Heldenberg-Bürgermeister Peter Steinbach. Die Preise hätten sich zuletzt moderat entwickelt, aber: „In den vergangenen zehn Jahren haben sie sich verdoppelt.“ Es werde ein gesunder Mix zwischen privaten Häusern und Bauträgern angestrebt. Das Interesse an den Baugründen sieht Steinbach in der Nähe zu Wien: „Wir sind mittlerweile am Rande des Speckgürtels der Bundeshauptstadt.“ Baulandreserven sind noch vorhanden, doch Steinbach will bremsen: „Wir haben in den vergangenen drei Jahren sehr viel gebaut. In der Folge haben wir den ohnehin neuen Kindergarten erweitert. Es wäre nicht gut, noch einmal zu erweitern und nach ein paar Jahren ist das Gebäude halb leer.“

Verkaufsstopp trotz großer Nachfrage

Ein Abstecher ins Retzer Land: Während es in der Gemeinde Zellerndorf derzeit trotz großer Nachfrage einen Verkaufsstopp gibt, werden in der Gemeinde Schrattenthal mehrere Bauprojekte umgesetzt. In Zellerndorf liegt das größte Problem derzeit in den Ressourcen. „Bei uns ist es auch das Problem, dass vieles als Bauland ausgewiesen, aber faktisch nicht bebaubar ist“, erklärt Bürgermeister Markus Baier. Welche Gründe als Bauland verkauft werden könnten, muss erhoben werden. „Wir müssen die Bauland-Reserven noch mobilisieren. Das unterliegt einem langwierigen und aufwendigen Verfahren“, meint Baier.

In Schrattenthal ist Bürgermeister Stefan Schmid stolz auf die laufenden Projekte. „Wir haben vor knapp eineinhalb Jahren damit begonnen, in allen drei Katastralgemeinden Baugründe zu parzellieren. In Waitzendorf haben wir in acht Monaten bereits vier der sieben neuen Gründe verkauft.“

Das größte Projekt besteht in Obermarkersdorf. Dort wird eine komplett neue Siedlung geschaffen. „Es war uns hier besonders wichtig, keine klassische Straße zu bauen“ erzählt der Gemeindechef. Die neue Siedlung wird neben einem geschwungenen Straßenverlauf auch über Sickermulden verfügen. Das sind natürliche Abflüsse, die das Regenwasser wieder dem Grundwasser zuführen, anstatt es über Kanalsysteme abzuleiten.

Glasfaserausbau und Anbindungen in die Städte verbessert

Seit in Schrattenthal mit den Umwidmungen gestartet wurde, sind bereits mehr als die Hälfte der Baugründe verkauft worden. „Teilweise sind es Leute aus der Umgebung, aber viele entscheiden sich bewusst, aufs Land zu ziehen und kaufen dann bei uns einen Grund“, schildert Schmid. Vor allem durch den Glasfaserausbau und immer bessere Anbindungen in die Städte, sowohl öffentlich als auch im Straßenverkehr, würde die Region immer attraktiver, vor allem für junge Familien.

Übrigens: In Schrattenthal werden die Baulandpreise ab 1.1.2022 von 12 auf 18 Euro pro Quadratmeter erhöht. Das wird mit den zunehmenden Kosten für den Straßenbau begründet.

Eine Sache haben beide Gemeinden dennoch gemeinsam: Sowohl in Zellerndorf als auch in Schrattenthal besteht Bauzwang. Grundstücksbesitzer müssen hier innerhalb der ersten beiden Jahre mit dem Bauprojekt beginnen und dieses binnen fünf Jahren fertigstellen.

Nachfrage in vielen Gemeinden ist groß

Abschließend noch ein Blick ins Pulkautal: Auch hier orten die Bürgermeister seit Corona deutlich mehr Anfragen zum Kauf von Bauplätzen. „Mitunter bis zu acht Anfragen bekommen wir im Monat“, berichtet der Mailberger Bürgermeister Herbert Goldinger. „Wir schicken den Interessenten dann Unterlagen zu und hören von vielen nichts mehr, weil sie auch in anderen Gemeinden nachfragen.“

Einige seien auf der Suche nach älteren Häuser, da könne man zwar behilflich sein, aber das seien dann Privatverkäufe. Wenn jemand seinen Hauptsitz in Mailberg anmeldet, dann gäbe es eine Extraförderung für die Erschließungskosten des Bauplatzes.

Haugsdorfs Bürgermeister Andreas Sedlmayer meint indes, dass die zunehmenden Anfragen an Bauplätzen in seiner Gemeinde nicht allein auf Corona zurückzuführen seien, sondern wesentlich auf die Verlängerung der Weinviertler Schnellstraße bis nach Guntersdorf. „Wer Interesse hat, wird auf eine Warteliste gesetzt und wenn Bauplätze zur Verfügung sind, werden die Bauwerber informiert.“ Sedlmayer denkt seit einiger Zeit über eine Erhöhung des Grundstückpreises nach, vorerst bleibe es aber bei 15 Euro pro Quadratmeter.

Umfrage beendet

  • Wie viel würdet ihr für einen Quadratmeter Bauland ausgeben?