Mehr E-Autos: "Trend wird weiter steigen"

Hollabrunner Autohaus-Bosse über Elektro-Boom und lange Lieferzeiten.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 05:25
4,2 Prozent der Neuwagen waren im ersten Halbjahr Elektroautos
Foto: APA (dpa/Archiv)

Im August wurden niederösterreichweit erstmals mehr Elektroautos als Dieselautos zugelassen, im September bestätigte sich dieser Trend. Und wie sieht‘s im Bezirk Hollabrunn aus? Hier wurden heuer, bis Ende September, insgesamt 84 Fahrzeuge neu zugelassen, davon 16 reine Elektroautos und 13 Dieselautos. Weiters: 40 Benziner, 14 Benzin/Elektro (hybrid), 1 Diesel/Elektro (hybrid).

Der Hollabrunner Autohaus-Chef Gernot Eissner, Spezialist für VW, Audi, Seat und Skoda, erklärt das mit der günstigen Förderlage für E-Fahrzeuge. Eine komplette Trendwende erwartet er aber nicht: „Die E-Autos werden ein Teil der Mobilität der Zukunft sein, aber nicht alles. Sie sind nicht der Heilsbringer.“ Viele Aspekte seien noch nicht vollends erforscht und „noch nicht fertiggedacht“.

Die derzeit mitunter enorm langen Lieferzeiten betrachtet Eissner gelassen: „Die langen Lieferzeiten von bis zu neun Monaten hat‘s schon gegeben, doch wir sind sie in diesem Ausmaß nicht mehr gewohnt.“ Es werde noch dauern, bis die Warenströme wieder normal sind, meint der Unternehmer.

Mercedes-Wartezeit bis zu einem Jahr

„Die Situation trifft uns sehr, sehr hart“, findet sein Autohaus-Kollege Harald Weber (Mercedes-Benz, Mitsubishi, Toyota) zur gegenwärtigen Situation deutlichere Worte. Viele elektronische Bauteile seien nicht verfügbar, „das ist auch bei E-Autos die Thematik“. Generell sei man hier bei Toyota besser auf den Engpass vorbereitet gewesen. Hier gibt‘s das neue Auto „nicht prompt, aber in überschaubarer Lieferzeit“, erläutert Weber.

Während man also bei Toyota etwa vier Monate auf den Neuwagen wartet, kann‘s bei Mercedes schon ein knappes Jahr werden. Wie reagieren die Kunden darauf? „Bei ernsthaftem Interesse an der speziellen Marke bringen sie die Geduld auf. Wer wankelmütiger ist, greift zu dem, was er relativ rasch bekommt“, sagt Weber.

Was den E-Auto-Boom betrifft, spricht der Unternehmer von einer spannenden Zeit. Eine gewisse Umbruchstimmung sei da, doch dass Verbrenner tatsächlich bald das Feld räumen müssen, glaubt er nicht. Es gebe doch noch viele Kunden, die Lust auf solche Autos haben. Bezüglich der E-Autos ist es Weber wichtig, sich mit den Kunden zu beschäftigten, ihnen reinen Wein einzuschenken und die Möglichkeit zum Ausprobieren zu bieten. „Es gehört nachhaltig darüber gesprochen, was für einen Bedarf der Kunde hat.“

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NOEN

Der E-Auto-Trend werde definitiv weiter steigen, meint mit Markus Hager ein weiterer Hollabrunner Autohaus-Chef (Renault, Mazda, Dacia). „Die Entwicklung geht in diese Richtung. Die Hersteller produzieren, was die Politik fordert“, sagt er. Die Auftragslage sei gut, die Produktpalette groß. Gerade Renault sei vor zwölf Jahren bereits Vorreiter gewesen, als andere noch gar nicht daran dachten, E-Autos zu produzieren, erinnert Hager.

Lieferengpässe würden derzeit ohnehin jeden Unternehmer treffen. „Die Auswirkungen werden wir nächstes Jahr noch stärker spüren“, meint der Hollabrunner und rät Kunden, sich zeitgerecht mit einem geplanten Autokauf auseinanderzusetzen. Die Wartezeit bei Renault dauere derzeit teilweise bis Mai, bei Mazda geht‘s flotter.

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