Neustart der Gastronomie: Zwischen Freude und Besorgnis. Die NÖN fragte Wirte im Bezirk Hollabrunn, wie das Wochenende verlief.

Von Belinda Krottendorfer und Romana Schuler. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:00)
Freude über dieÖffnung der Gastronomie: Petra Rammel, Mario Gafgo, Maggy und Andi Katzer und Annika Rammel (v.l.).Krottendorfer
Belinda

Ein Schweinsbraten, den man nicht in einer Plastikbox mitnehmen muss. Ein kühles Bier oder ein Glaserl Wein in der Gaststube. Fast zehn Wochen war das durch den Corona-Lockdown nicht möglich. Am Freitag durften die Wirte – unter strengen Auflagen – wieder für ihre Gäste öffnen.

Ein Blick in die Bezirkshauptstadt: Petra Rammel war vom ersten Tag positiv überrascht. Treue Stammkunden freuten sich, wieder in ihr Gasthaus am Lothringerplatz zu dürfen. Da weiterhin Abhol- und Lieferservice angeboten wird, seien die Mitarbeiter sogar ein wenig in Stress gekommen. Im Innenbereich wurden Tische rausgenommen, im Gastgarten wurden sie mit Maßband auseinandergeschoben.

„Viele Kunden kennen sich mit den neuen Regelungen nicht aus, deshalb haben wir nun überall Infozettel aufgehängt“, schildert die Wirtin. Die Erhöhung auf drei Mittagsmenüs pro Tag wird beibehalten, genauso wie die Menü-Abholung am Samstag und Sonntag.

Das Gasthaus Graf in der Wienerstraße begrüßte am Samstag die ersten Gäste. „Die Mitarbeiter haben sich gefreut, dass es wieder losgeht“, berichtet Erwin Graf. Einige Sessel wurden rausgenommen. So wurde aus der Anordnung in O-Form ein C. Auf der Terrasse stehen weniger Tische als zuvor.

Jürgen Authried, Inhaber der Mocca Lounge am Hauptplatz, war mit dem ersten Tag zufrieden; alles habe einwandfrei funktioniert. „Alle Gäste kamen brav mit Maske“, berichtet Mitarbeiterin Anneliese Redl.

Ob die Lake Lounge, Nachfolger des „Hütterls am Teich“ in Hollabrunn, wie geplant am 4. Juni eröffnet wird, konnte Authried noch nicht sagen: „Es hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel, ob die Lieferungen und Geräte rechtzeitig kommen.“

Seefelderhof-Wirt Karl Freisinger fürchtet weiteres Gasthaussterben in den Dörfern.
Schuler

Gedämpft war die Freude bei Karl Freisinger vom „Seefelderhof“ im Norden des Bezirks: „Am 15. Mai hatten wir recht guten Besuch, aber am Samstag und Sonntag ist es schlecht gelaufen.“ Die Leute im Dorf seien durch die täglichen Meldungen sehr verunsichert worden, meint er. Er macht sich Sorgen, dass die klassischen Wirtshäuser durch die vielen Auflagen nicht mehr weitermachen könnten. Außerdem habe er noch immer kein Geld aus dem Härtefonds erhalten.

„In Niederösterreich schließen im Jahr 50 Gasthäuser. Das Gasthaussterben habe ich schon vor 30 Jahren in Wien bemerkt, und nun trifft es uns in den Dörfern“, fürchtet Freisinger. Er hofft auf mehr Kunden, wenn das JUFA-Hotel am 29. Mai wieder eröffnen kann, und dass mit den Reiseeinschränkungen der lokale Radtourismus zunimmt. In der erzwungenen Schließzeit habe er zwar kein Essen zum Abholen angeboten, dafür habe er Zeit gehabt, die WC-Anlagen zu sanieren.

Im Kastaniengarten in Alberndorf wird wieder aufgetischt: Alexandra Weinwurm mit ihrer Tochter Lena.
Schuller

Beim „Karl Wirt“ in Alberndorf erzählt Chefin Alexandra Weinwurm, sie hätte keine Zeit zu jammern, sondern sie sei grundsätzlich ein sehr positiv eingestellter Mensch, auch in schwierigen Zeiten. „Ich habe mit meinen Töchtern gleich Konzepte überlegt, was wir tun könnten.“ Als dann der Abholservice erlaubt wurde, hätten sie an den Wochenenden vier verschiedene Speisen angeboten. „Wir waren so überwältigt von den tollen Rückmeldungen, vor allem unter den Bewohnern der Gemeinde, und deshalb wollen wir das für drei Wochen fortsetzen“, berichtet Weinwurm, die seit Freitag wieder im Kastaniengarten die Gäste bewirtet.

„Es hat geregnet, da war dann nicht so viel los, aber mit Samstag und Sonntag können wir zufrieden sein“, freut sich die beliebte Wirtin, der die direkte Kommunikation mit ihren Gästen sehr am Herzen liegt.