Noch nie so viele Räder verkauft. Hollabrunns Rad-Experten können nur bestätigen, dass die Zahl der begeisterten Pedalritter stetig zunimmt.

Von Elisabeth Hess und Belinda Krottendorfer. Erstellt am 07. April 2021 (04:28)
Der Rad-Boom macht sich bemerkbar: Arwed Höchsmann und Astrid Berthold haben in der Radschmiede viel zu tun.
Belinda Krottendorfer

 „Manchmal ist das Leben ganz schön leicht, zwei Räder, ein Lenker und das reicht; wenn ich mit meinem Fahrrad fahr‘, dann ist die Welt ganz einfach.“ Singt Max Raabe und trifft damit den Nerv der Zeit.

Mit der Frühlingssonne holen die meisten ihr Fahrrad aus der Garage oder legen sich ein neues zu. Gerade im Lockdown ist das Radeln eine gute Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben: „Viele Kunden waren dieses Jahr nicht Ski fahren und werden auch nirgends in den Urlaub fliegen und investieren dafür in ein Fahrrad“, meint Thomas Karl, Fahrradverkäufer im Lagerhaus Hollabrunn.

Von Jahr zu Jahr merke er die steigende Nachfrage, doch dieses Jahr sei schon besonders: „Noch nie habe ich so viele Fahrräder wie in den letzten sieben Wochen verkauft.“ Das E-Bike erfreue sich größter Beliebtheit. Auffällig sei, dass der Altersdurchschnitt bei E-Bike-Käufern sinkt: „Ab Mitte dreißig“ habe er viele Kunden, so Karl. Abgesehen davon würden sich Mountainbikes sowie Kinder- und Jugendräder gerade sehr gut verkaufen. Von Onlinekäufen rät Thomas Karl ab: „Da kann es passieren, dass der Rahmen nicht passt und sich der Kunde vom Preis täuschen lässt“, sagt er.
Um den Drahtesel aus dem „Winterschlaf“ zu holen, empfiehlt der Experte ein Service, bei dem die Bremsen geschmiert und die Reifen samt Schaltung kontrolliert werden. Karl ist selbst leidenschaftlicher Radfahrer und empfiehlt den Ernstbrunner Wald und das Pulkautal für gemütliche Touren.

Werkstatt-Termin nicht zu spät vereinbaren …

Wenn man das Rad aus dem „Winterschlaf“ holt, rät Unternehmer Martin Stierböck, den Luftdruck zu kontrollieren (zwischen 2,5 und 3 bar) und zu überprüfen, ob die Bremsen funktionieren und die Kette genug geölt ist. Weiters sollte man laut Arwed Höchsmann (Radschmiede) checken, ob Schrauben locker sind, den Akku bei E-Bikes aufladen und die Reifen auf Schäden überprüfen. Bei Mängeln sollte früh genug ein Termin in der Werkstatt ausgemacht werden, da es momentan lange Wartezeiten gibt.
Die Nachfrage in der Radschmiede ist derzeit groß, jedoch kommt die nächste Rad-Lieferung frühestens Anfang Mai. E-Bikes spielen dabei eine große Rolle und machen rund 50 Prozent aller verkauften Räder aus. Höchsmann empfiehlt, auf die Qualität der Komponenten sowie auf die Art des Modells zu achten. „Tiefeinstieg ist für Menschen geeignet, denen das Aufsteigen schwerfällt; gefederte Räder sind für jene geeignet, die den Komfort der Sportlichkeit vorziehen“, weiß der Unternehmer. Was die Akku-Kapazität betrifft, reichen auch weniger Wattstunden, wenn man am Tag nicht mehr als 20 bis 30 km fährt.

Da es in der Radschmiede mit dem Service und Verkauf langsam eng geworden war, wurde die Firma im Jänner um das Nebengebäude erweitert. In diesem Geschäftslokal befand sich einst die Kfz-Teile-Firma Widhalm. Die Werkstatt ist nun getrennt in der Bahnstraße 24, während sich der Verkauf, wie gewohnt, in der Bahnstraße 22 befindet.

Umbau auf ein E-Bike binnen zwei Wochen

Die Nachfrage nach Rädern wäre auch bei Stierböck groß, doch momentan gibt es Lieferschwierigkeiten; neue E-Bikes haben bis zu sechs Monate Lieferzeit. „Die Lieferkette aus Asien ist wegen der Lockdowns blockiert, somit werden Schaltungen derzeit nicht geliefert“, informiert der Geschäftsmann. Gemeinsam mit Eigl-Bikes begann er daher, normale Fahrräder auf E-Bikes umzubauen. Dies dauert rund zwei Wochen und kostet etwa 1.200 Euro. Das Fahrrad sollte halbwegs hochwertig sein und im besten Fall Scheibenbremsen haben. „Bei 90 Prozent der Fahrräder ist ein Umbau möglich. Aber am besten ist es, vorab ein Foto vom Fahrrad zu schicken“, empfiehlt der Unternehmer.

Sein Tipp für interessante Rad-Strecken: Die Kellergasse ab der HTL Hollabrunn kann man bis Klein Maria Dreieichen fahren und anschließend entweder nach Groß oder Schöngrabern erweitern. Auf der Strecke Pankrazberg nach Breitenwaida herrsche wenig Verkehr. Für Naturliebhaber sei die Strecke vom Aussichtsturm im Kirchenwald nach Porrau bestens geeignet. „Wichtig bei Fahrten im Wald ist, dass die Strecke als Radweg ausgeschildert ist, sonst kann es Probleme mit dem Förster geben“, erinnert Stierböck.

Auf dem Weg der alten Poststraße nach Raschala und weiter nach Groß-Stelzendorf liegt ein Gehege mit Rehen und Mangalitza-Schweinen – fein für einen Ausflug mit Kindern, meint der Hollabrunner. Weiters befindet sich auf der Strecke von Großweikersdorf nach Puch ein Waldlehrpfad.