Nordwestbahn: Im heißen Waggon lagen die Nerven blank. Pendler geriet bei Hitze und Verspätung mit einem Kontrolleur aneinander. ÖBB verteidigen Vorgehen des Mitarbeiters.

Von Sandra Frank. Erstellt am 24. Juli 2019 (04:41)
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Symbolbild. Foto: NÖN

Die Pendler auf der Nordwestbahnstrecke müssen derzeit einiges aushalten: Zugausfälle und Verspätungen stehen an der Tagesordnung. Ein Passsagier aus dem Bezirk Hollabrunn ärgerte sich jüngst, dass sein Zug bereits elf Minuten Verspätung hatte, als er am Wiener Handelskai einfuhr.

Das nächste Ärgernis folgte auf dem Fuß: Im vordersten Waggon war die Klimaanlage ausgefallen. Als der Zugbegleiter das Ticket des Pendlers kontrollierte, meinte dieser, es sei eine Frechheit, in einem solchen Zug auch noch Fahrscheine zu verlangen.

„Der Kontrolleur antwortete mir patzig, ich könne ja in einen anderen Waggon umsteigen oder gleich in Korneuburg aussteigen“, erinnert sich der Pendler. Daraufhin habe es ein Wortgefecht gegeben, weil der junge Mann einen gültigen Fahrschein bis Hollabrunn hatte.

Mit Polizei gedroht? „Es ist wirklich so passiert“

Der Zugbegleiter habe sogar gedroht, die Polizei zu rufen, sollte der Fahrgast nicht wie aufgefordert in Korneuburg aussteigen. Der Pendler ließ es darauf ankommen, blieb im Zug und musste auch nicht aussteigen. „Es ist wirklich so passiert“, beteuerte der Betroffene auch via Facebook.

Während der Pendler betont, er habe den Zugbegleiter nicht beleidigt, sondern sich nur über die Zustände geäußert, zeichnen die ÖBB in ihrer Stellungnahme ein anderes Bild der Situation: Der Fahrgast habe sich über die Fahrkartenkontrolle bei der Verspätung und die nicht funktionierende Klimaanlage im Steuerwagen beschwert.

ÖBB
„Fahrgast hat aufs Ärgste geschimpft“, so ÖBB-Sprecher Christopher Seif.

Der Zugbegleiter habe dem jungen Mann angeboten, in den nächsten Waggon zu wechseln, da dieser eine funktionierende Klimaanlage hatte. „Der Fahrgast hat daraufhin aufs Ärgste zu schimpfen begonnen“, sagt ÖBB-Sprecher Christopher Seif auf NÖN-Nachfrage. Der Zugbegleiter habe noch versucht, den Fahrgast zu beruhigen und deeskalierend einzuwirken – jedoch ohne Erfolg.

Einer mehrmaligen Aufforderung, die Schimpftiraden zu beenden, sei der Kunde nicht nachgekommen, was auch die anderen Fahrgäste massiv gestört habe. Aufgrund des ungebührlichen Verhaltens habe der Zugbegleiter einen Zugverweis ausgesprochen, berichtet Seif weiter. Der Schaffner habe diesen Verweis „aus kundendienstlicher Sicht“ den anderen Fahrgästen gegenüber jedoch schlussendlich nicht durchgesetzt.