Ölheizungs-Verbot: „Wirklich schädlicher als Kohle?“. Seit 1. Jänner dürfen Öl-Heizungen nicht mehr eingebaut werden. Die NÖN fragte nach, wie das in der Region beurteilt wird.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 09. Januar 2019 (05:52)
Symbolbild
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Niederösterreich ist das erste Bundesland, in dem es in Neubauten keine Öl-Heizungen mehr geben wird. Dennoch: Jeder sechste Haushalt heizt immer noch mit Öl. Um den Umstieg zu erleichtern, gibt es einen Bonus. Bis zu 5.000 Euro erhält, wer von Öl auf ein alternatives Heizsystem wechselt.

„Nicht so umweltschädlich, wie immer getan wird“

Georg Jungmayer hinterfragt das Verbot. Er ist Bürgermeister in Seefeld-Kadolz sowie Obmann der Klimamodellregion und der Klimawandelanpassungsregion („Klar!“) Pulkautal. „Wenn nachgewiesen werden kann, dass die modernen Ölheizungen wirklich nicht schädlicher als Holz-Kohle-Öfen sind, dann befürworte ich das.“

Er ließ die Ölheizung der Volksschule in Großkadolz in ein Ölbrennwertgerät tauschen. „Wir haben den Verbrauch um 50 Prozent reduzieren können“, steht er dem positiv gegenüber. „Früher brauchten wir 6.000 Liter Öl, jetzt ein bisschen mehr als die Hälfte – trotz gleicher Heizleistung.“ Das sei umweltfreundlich.

Den Tausch nahm er auch in seinem Privathaus vor. „Die Ölindustrie vergibt dafür Förderungen von bis zu 3.000 Euro.“ Er nutzte 2017 das Angebot, auch weil der geschweißte Öltank nur mit baulichem Aufwand aus dem Haus entfernt hätte werden können.

„Ich finde, Öl ist nicht so umweltschädlich, wie immer getan wird. Das ist meine persönliche Meinung.“ Öl verdampfe lediglich, Holz wirble die Asche auf und Kohle verursache Russ. „Ich höre laufend Beschwerden in unserer Gemeinde, dass sich der Russ der Steinkohle überall anlegt. Ich bezweifle, dass das umweltfreundlicher ist.“

„Die Vorgaben des Kyoto-Protokolls sind okay“

Das Lagerhaus Horn-Hollabrunn rechnet als Heizöllieferant mit keinen dramatischen Verlusten, denn: „Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten zwei, drei Jahren jemand eine Ölheizung installiert hat“, erklärt Geschäftsführer Edwin Vorhemus. Viel eher sei ein Brennwertkessel-Tausch interessant bei den Kunden.

Das Interesse an Pellets und Hackschnitzel sei zuletzt stark steigend gewesen: „Die Heizungen kosten mehr als die Ölheizung, das hat gewisse Auswirkungen“, könne der Installationsbetrieb von Umstellungen profitieren. Groß diskutiert werde unter den Lagerhaus-Kunden das Verbot jedoch nicht.

Wie steht Vorhemus persönlich zu dem Beschluss der Landesregierung? „Die Vorgaben des Kyoto-Protokolls sind okay“, gehe der Gedanke in die richtige Richtung. Den großen Wurf in Sachen Klimaschutz erwartet der Lagerhaus-Chef aber nicht: „Ich glaube nicht, dass das Verbot großartige Veränderungen bringen wird, weil keine Ölheizungen in neuen Häusern mehr eingesetzt werden.“

Die Waldviertler Siedlungsgenossenschaft (WAV) mit Sitz in Raabs an der Thaya, die auch im Bezirk Hollabrunn zahlreiche Projekte realisiert, begrüßt das Verbot, auch wenn Öl als Heizquelle in ihren Bauten nicht mehr verwendet wird. „Aktuell haben wir eine klare Vorgangsweise, wie Neubauten energietechnisch ausgestattet werden“, erklärt Geschäftsführer Manfred Damberger.

„Weiterentwicklung nicht abgeschlossen“

In erster Linie werde der Anschluss an öffentliche Nahwärmeanlagen forciert. Die eigenen biogenen Anlagen, betrieben mit Hackschnitzel oder Pellets, kommen je nach Größenordnung erst dann zum Zug. Wärmepumpen setze die WAV vor allem bei Reihenhäusern ein.

„Die technische Weiterentwicklung ist jedoch sicherlich noch nicht abgeschlossen“, meint Damberger. Mehr Raum werde Strom in Niedrigenergiehäusern gewidmet werden müssen – bei gleichzeitiger Verwendung von Photovoltaik, deren Strom möglicherweise bald gespeichert werden könne. „Auch im Bereich der Wasserstofftechnik sind intensive Bemühungen im Gange.“ Das Thema bleibe spannend, sei aber von einer guten und nachhaltigen Entwicklung geprägt.

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