Ombudsfrau Getrude Brinek half Bürgern bei Sprechtag. Die Weyerburgerin Gertrude Brinek absolvierte einmal mehr einen Sprechtag an der BH Hollabrunn und war wieder mit vertrackten Anliegen konfrontiert.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 20. Dezember 2017 (03:43)
VA/Postl
Hat den Kontakt in die Heimat nicht verloren:Volksanwältin Gertrude Brinek.

Was bedeutet es, ein Grab „auf Friedhofsdauer“ zu haben? Warum darf ich die Urne meines Angehörigen nicht zuhause aufbewahren? Wie lange kann ich mich auf eine Widmung verlassen? Volksanwältin Gertrude Brinek war bei ihrem „Heimspiel“-Sprechtag an der Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn wieder mit zahlreichen Anliegen konfrontiert und stand den Hilfe suchenden Bürgern mit Rat und Tat zur Seite.

Grab auf Friedhofsdauer – in Kronen bezahlt

Wie etwa im Fall einer Dame, die eine Schriftstück aus dem Jahr 1924 vorweisen konnte, wonach damals ein Grab auf Friedhofsdauer – noch in Kronen bezahlt – erworben wurde.

Von der Gemeinde im Bezirk Hollabrunn wurden dennoch seit den 1980er-Jahren Gebühren eingehoben. Zu Unrecht, wie die Volksanwältin meint. Die Betroffene pocht nun nicht nur um Gebührenbefreiung, sondern auch auf Rückerstattung des Geldes.

Ebenso zu hinterfragen sei das Verbot einer Gemeinde an der Bezirksgrenze, eine Urne daheim aufzubewahren. Die Betroffene würde das gerne tun, weil sie die Urnennische am Friedhof nicht ansprechend findet. Für die Volksanwältin ist es auf jeden Fall nicht stimmig, dass Gemeinden hier unterschiedliche Richtlinien haben.

„Wirtschaftlichkeit ist Land und Gemeinde egal“

„Ein Klassiker“ seien Probleme mit Widmungen. Konkret war nun ein Mann im Bezirk St. Pölten betroffen, für den sich ein Projekt nicht mehr rechnet, weil eine Befristung abgelaufen ist. „Die Wirtschaftlichkeit ist dem Land und der Gemeinde aber egal“, sieht Brinek hier keinen Ausweg. Der Bauwerber überlegt nun, sein Projekt im Ausland zu realisieren.

Um Hilfe bat auch ein Mann, der selbstständig tätig ist und gleichzeitig eine Teilzeitanstellung hat. Bei beiden Stellen suchte er nach der Geburt seines Kindes ums „Papamonat“ an. Von der Krankenkasse erhielt er aber nichts ausbezahlt – weil das für Selbstständige nicht beliebig möglich ist, sondern immer nur für ein volles Monat. „Er ist aber nicht darauf hingewiesen worden“, schaltet sich hier die Volksanwältin ein und regt eine Systemänderung an.

Sorgen hat eine Hollabrunnerin, die sich für eine junge Asylantin aus dem Kongo einsetzt und sogar Taufpatin des Kindes ist. Nach negativem Asylbescheid muss die Afrikanerin, die in ihrer Heimat im Gefängnis war und dort vergewaltigt wurde, das Land verlassen. Brinek blieb nur, zu raten, in anwaltlicher Begleitung bis zuletzt um humanitäres Bleiberecht zu kämpfen.

Volksanwältin bis 2019 – „dann schauen wir“

Zu Weihnachten wird sie übrigens wieder in ihrer Heimat in Weyerburg sein. Die aktuelle Volksanwaltsperiode läuft bis Juni 2019. „Ich werde also noch mindestens ein-, zweimal in Hollabrunn sein. Dann schauen wir weiter“, sagt die Politikerin, die 2008 als Volksanwältin auf Maria Fekter folgte.

Ob sie aufgrund ihrer Tätigkeit bei den Bürgermeistern unbeliebt ist? „Jein“, meint Brinek. „Manche wünschen sich die gute alte Zeit her, als es statt einem Papier noch den Handschlag gab.“ Da passe der Spruch: „Jedes Schriftl is a Giftl“.