Rauchverbot in Kraft: „Hin und Her ist ein Wahnsinn“. Seit 1. November hat es sich in allen Lokalen „ausgeraucht“. Die NÖN hörte sich um, ob das zu schaffen macht.

Von Belinda Krottendorfer und Sylvia Stark. Erstellt am 06. November 2019 (03:26)

Das Gasthaus Graf in der Hollabrunner Wienerstraße ist bereits seit zwei Jahren komplett rauchfrei und hat keine Einbußen deswegen. „Im Gegenteil, die Leute haben sich gefreut, dass sie beim Essen nicht angeraucht werden“, berichtet Edith Graf.

Chef Erwin Graf hatte wegen des Rauchs bereits gesundheitliche Probleme und beschloss vor zwei Jahren: „Mir reicht’s!“ Das Lokal wurde komplett rauchfrei. „Es ist 100-prozentig richtig, dass die Lokale rauchfrei werden“, ist Stammgast Johann Grubmüller, ein Nichtraucher, überzeugt. „Es war mir vor den europäischen Gästen peinlich, dass hier in Österreich noch geraucht wurde, die waren das nicht gewohnt“, erzählt Erwin Graf. Kellnerin Jennifer ist Raucherin und freut sich dennoch über das neue Gesetz: „Es ist unangenehm, wenn einem die Leute ins Gesicht rauchen. Vor allem bei Weihnachtsfeiern wurde viel geraucht.“

Restaurant-Chef Savvas Giarmatzidis („Athen“) findet das neue Gesetz hingegen schlecht. Es sei nicht gut für die Lokale und die Wirtschaft, „man verliert Kundschaft“. Kunden würden sich bereits beschweren, wo sie nun ihre Feiern abhalten sollen, denn draußen sei es kalt.

Savvas Giarmatzidis lässt sich allerdings nicht abhalten, in der Hollabrunner Fußgängerzone ein weiteres Lokal, das Café Havana, zu eröffnen. Wann geht’s los? „Das ist eine Überraschung!“

„Jedes Lokal sollte selbst entscheiden, ob es ein Raucherlokal ist oder nicht. Wenn mich als Kellner der Rauch stört und ich weiß, das ist ein Raucherlokal, dann werde ich dort nicht anfangen“, meint Raphael Ledwina, Raucher und Stammgast im Gasthaus Rammel am Lothringerplatz.

Auf einem Vierertisch sitzen gerade zwei Raucher und zwei Nichtraucher. Raucherin Inge ärgert sich: „Das Gesetz ist Schwachsinn und ein Eingriff in die Privatsphäre. Jetzt sind die Raucher wieder die Bösen, weil unseretwegen Heizschwammerl aufgestellt werden und wir Schuld an der Energieverschwendung sind.“ Es leide die Kommunikation: Während die Raucher rausgehen, geht das Gespräch drinnen weiter. „Wie viele Leute haben wir kennengelernt, weil wir noch sitzengeblieben sind und geraucht haben? Ich glaube, die Leute treffen sich nun öfter zu Hause und rauchen dort.“

Kein Kaffee, weil die Zigarette dazu fehlt

Raucher Erich trinkt nun keinen Kaffee mehr wie früher, weil er dabei nicht rauchen darf. Zum Rammel will er aber weiter gehen, weil das Essen gut sei.
„Mich stört es nicht, wenn am Tisch geraucht wird. Das komplette Rauchverbot hätte schon viel früher umgesetzt werden sollen, die Gasthäuser haben alles umbauen müssen. Das Hin und Her ist für die Besitzer ein Wahnsinn“, sagt Nichtraucher Robert. Nichtraucherin Susanne fand die getrennte Lösung in Ordnung: „Wenn man bewusst mit Rauchern fortgeht, nimmt man den Rauch in Kauf.“

Im Weinhaus Greilinger in Ziersdorf raucht Kellnerin Margot Englmayr im Hof ihre Pausenzigarette. „Mir macht das nichts, wenn ich rausgehen muss. Ich finde nur, dass man die Wirte nicht entmündigen darf.“ „Es ist für das Personal und für uns so besser. Zeitweise war der Rauch schon sehr lästig“, ist auch Winzer Josef Greilinger für das Rauchverbot.
Petra Mold vom Ziersdorfer Stefanshof kann ebenfalls nicht klagen: Der Großteil der Gäste sei ohnehin Nichtraucher, die meisten Raucher seien bereits vor dem 1. November ins Freie gegangen.

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