Silvester 2020: Feuerwerk „geht nicht ab“. Das Coronajahr hat es sich ohnehin nicht verdient, pompös verabschiedet zu werden. Die Politik im Bezirk Hollabrunn appelliert, auch außerhalb des Ortsgebietes auf Feuerwerke zu verzichten.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 30. Dezember 2020 (03:23)
Minutenlang wird der Himmel zum Jahreswechsel unter großem Getöse bunt erhellt. Normalerweise. Doch heuer wird wohl weniger geschossen werden. Darauf hofft auch Innenminister Karl Nehammer. Medizinisches Personal soll entlastet, die Umwelt geschont werden. Gemeindebundpräsident Alfred Riedl appelliert in einer Aussendung an die Eigenverantwortung und den Hausverstand, sich dieses Mal beim Feuerwerk zurückzuhalten. Die Polizei soll zum Jahreswechsel verstärkt präsent sein und auch die Einhaltung des Pyrotechnikgesetzes überwachen. Die Bürgermeister im Bezirk blicken dem Jahreswechsel gelassen entgegen.
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Raketen, Knallfrösche oder Blitzknallkörper im Ortsgebiet waren schon vor der Coronapandemie verboten. Bürgermeister können Ausnahmen für private Feuerwerke erteilen, das Innenministerium rät davon aber ab.

Ausgelassene Silvesterpartys in großer Gesellschaft sind heuer eindeutig Fehlanzeige. Ein Haushalt darf maximal eine Person aus einem fremden Haushalt empfangen. Innerhalb der eigenen vier Wände kann also ganz still ohne viel Schnickschnack dieses herausfordernde Jahr beendet werden.

Der Naturschutzbund fordert indes, private Feuerwerke dauerhaft zu verbieten, da Feuerwerkskörper umfangreiche negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt haben. Die NÖN hat sich bei Bürgermeistern im Bezirk umgehört, wie sie zu Silvesterfeuerwerken stehen.

Landesgesetz: Feuerwerke im Ortsgebiet sind verboten

Für Pulkaus Bürgermeister Leo Ramharter ist klar: Es gilt das Landesgesetz, welches besagt, dass Feuerwerke im Ortsgebiet verboten sind. Ausnahmen werden nicht gemacht. „Mir geht es nicht ab, ich trauere dem nicht nach“, sagt er. Zu gewissen Anlässen, wie etwa beim Retzer Weinlesefest, „ist es quasi ein Muss. Ich brauche es aber nicht an jedem Kirtag“, so Ramharter.

„Ich orientiere mich an den gesetzlichen Vorgaben, ich bin neutral“, will sich Hollabrunns Bürgermeister Alfred Babinsky auf keine Seite schlagen. Für den Retzer Bürgermeister Helmut Koch spielt der Umweltgedanke indes sehr wohl eine Rolle: „Ich glaube schon, dass es etwas ausmacht. Daher möchte ich auch fürs Klima mithelfen und einen Beitrag dazu leisten.“

Dementsprechend soll es auch in und um Retz zum Jahreswechsel still bleiben: „Wir haben mit Corona eh schon alle zu tun, da müssen wir es nicht beflügeln, dass jetzt alle rausgehen – die Gesundheit geht voran!“, betont Koch. Für ein generelles Verbot ist der Stadtchef aber nicht: „Beim Weinlesefest ist das Feuerwerk immer ein Highlight, aber auch da müssen wir nachdenken, ob wir es so weitermachen.“

„Ich weiß nicht, warum die Leute leidenschaftlich Geld dafür ausgeben. Das Geld könnte man meiner Meinung nach besser investieren und jemandem helfen. Manche schießen da 1.000 Euro in die Luft“, sagt Retzbachs Bürgermeister Manfred Nigl im NÖN-Gespräch. Er macht sich jedoch keine Illusion, dass es im privaten Bereich auch heuer zu Feuerwerken kommen wird. Das zu exekutieren? Schwer möglich!

In Hardegg seien große Silvesterfeuerwerke nie ein echtes Thema gewesen, erklärt Bürgermeister Fritz Schechtner. Aus aktuellem Anlass werde es jedenfalls keine Sondergenehmigungen für private Feuerwerke geben. „Wenn Privatpersonen Feuerwerke schießen wollen, müssten sie es im Gemeindeamt melden. Bis jetzt hat sich noch niemand bei mir gemeldet – auch nicht in den letzten Jahren“, verrät Schechtner, noch nie eine Sondergenehmigung erteilt zu haben.

Für ein generelles Verbot sei er aber nicht: „Grundsätzlich sollte man die Traditionen nicht ganz unterbinden. Wenn man etwas verbietet, dann wird es umso mehr umgangen.“

Feuerwerke von Bundesregierung verboten

„Die Feuerwerke sind heuer ohnedies von der Bundesregierung verboten worden, also brauch’ ich dieses Jahr keine Verordnung schreiben“, meint der Mailberger Bürgermeister Herbert Goldinger. „Natürlich ist es für die Natur, für die Vögel nicht angenehm, wenn da zu Mitternacht so ein Gewitter losgeht.“ Ebenfalls kein Fan von Feuerwerken ist der Seefeld-Kadolzer Bürgermeister Peter Frühberger, während Hadres’ Gemeindechef Josef Fürnkranz für die Zukunft keine Änderungen anstrebt: „Für die Jugend war es immer eine Freude, das neue Jahr damit zu begrüßen.“