SPÖ: „Zu wenig Personal, Infos und Impfdosen“. Die beiden roten Bürgermeister im Bezirk Hollabrunn, Herbert Goldinger (Mailberg) und Peter Frühberger (Seefeld-Kadolz) zeigen der Bundesregierung die roten Karte. Die Organisation der Covid-19-Antigen-Schnelltests werde auf die Gemeinden abgewälzt. Unterstützung "von oben" gebe es keine.

Von Sandra Frank. Erstellt am 05. Februar 2021 (11:23)
Sie zeigen der Bundesregierung die rote Karte, weil die Gemeinde mit der Organisation der Teststraßen alleine gelassen werden: Mailbergs Bürgermeister Herbert Goldinger und sein Amtskollege in Seefeld-Kadolz Peter Frühberger (sitzend, v.l.) sowie Bezirksvorsitzender Richard Pregler und Bezirksfrauenvorsitzende Elke Stifter.
Sandra Frank

„Wir nehmen‘s in die Hand und zeigen denen da oben, wie‘s geht“, spricht Mailbergs Bürgermeister und GVV-Vorsitzender Herbert Goldinger die Organisation der Teststraßen im Bezirk an. Die SPÖ berief dazu eine Pressekonferenz ein, um ihre Kritik kundzutun, denn von der Regierung oder einem Ministerium habe es im Vorfeld keinerlei Information und Unterstützung gegeben – auch nicht für ÖVP-Bürgermeister.

„Die Bundesregierung schafft es nicht, eine brauchbare Teststrategie zu erarbeiten. Alles läuft über die Gemeinden“, kritisierte Richard Pregler, Bezirksvorsitzender der Roten. „Die Gemeinden haben das einfach aufs Aug‘ gedrückt bekommen“, stimmt Peter Frühberger, Bürgermeister von Seefeld-Kadolz, mit ein.

"Jetzt rennen uns die Leut' die Tür ein"

Bei den ersten Massentests sei die Beteiligung „ganz, ganz schlecht“ gewesen, diese lag nur etwa bei einem Drittel, informiert Goldinger. Darum habe die Regierung diese Aufgabe an die Gemeinde delegiert. „Jetzt rennen uns die Leut‘ die Tür ein“, spricht der Mailberger Bürgermeister davon, dass das Angebot für Teststraßen bereits nach den ersten Tagen ständig erweitert werden musste. Diese Adaptierung geschehe auf dem kurzen Dienstweg: Mit einem Telefonat zwischen den Bürgermeistern. „Wir schauen, wo wir die Stunden erhöhen müssen“, erzählt Goldinger, der die Zusammenarbeit der Bürgermeister im Bezirk über die Parteigrenzen hinweg lobt.

Wie sieht es mit den Freiwilligen aus, die die Testungen vornehmen? Frühberger erkennt die ersten Probleme: Viele hätten Angst, sich beim Freiwilligendienst anzustecken. „Aber wir werden auch das schaffen“, ist er zuversichtlich. „In deiner Gemeinde kennst die Leut‘. Wenn der Bürgermeister persönlich anruft und um Hilfe bittet, dann geht das schon“, sagt Goldinger, räumt aber ein, dass die Situation im städtischen Bereich sicher schwieriger ist.

"Bundesregierung fuhrwerkt ohne Strategie"

Das kann Elke Stifter, Frauenvorsitzende im Bezirk, nur bestätigen. Sie gehört zum freiwilligen medizinischen Testpersonal in Hollabrunn. „Das Personal ist viel zu wenig!“ Darum komme es bei den Hollabrunner Teststraßen zu Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. „Das geht einfach nicht“, fordert Stifter mehr Unterstützung ein. Sie wünscht sich mobile Testungen, um vor allem der älteren Bevölkerung den (mühsamen) Weg zur Teststation zu ersparen.

Dass die Bundesregierung „ohne Strategie fuhrwerkt“, ist ein SPÖ-Vorwurf, der sich nicht nur auf die Antigen-Schnelltests bezieht, sondern auch auf die angekündigten Impfungen. „Dazu gibt es keinerlei Information“, berichtet Frühberger, dass die Gemeinden auch hier in der Luft hängen. Er rechnet nicht vor Mai mit einem Impfstart. Auch das sei noch eine sehr optimistische Einschätzung.

SPÖ-Kritik: Zu wenig Impfstoff für den Bezirk

In Seefeld-Kadolz melden sich viele ältere Menschen bei der Gemeinde, mit der Bitte, sie für eine Impfung zu registrieren. „Sie hoffen, dass sie dadurch früher geimpft werden.“ Ein administrativer Service, der neben dem normalen Tagesgeschäft erledigt werden muss. „Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schiefgeht?“ fragt Frühberger. Sein Bürgermeisterkollege meint den Grund zu kennen, weshalb es noch so wenig Informationen gibt: „Es gibt einfach viel zu wenig Impfstoff!“ Angeblich soll es im Bezirk Hollabrunn darum auch nur zwei Impfstraßen geben.

Der SPÖ wurden die aktuellen Zahlen der Impfdosen zugespielt: „Es gibt nur 840 für den Bezirk“, sagt Goldinger. Da die Impfung aus zwei Teilimpfungen besteht, bedeute das, dass damit nur 420 Menschen geimpft werden können. „Im Bezirk haben wir etwa 3.400 Bürger, die über 80 Jahre alt sind“, nennt er die gefährdete Altersgruppe als Beispiel. „Während sich die ganze Welt schon um Impfungen kümmert, haben wir gerade einmal die Teststraßen erfunden“, blickt Pregler neidisch auf Länder wie Israel oder Dänemark, die ihre Bevölkerung schon bald - unkompliziert - durchgeimpft hätten.

Was wünschen sich die Sozialdemokraten für die Zukunft von der türkis-grünen Bundesregierung wünschen? „Eine bessere Informationspolitik“, sagt Frühberger. „Mehr Impfstoffe“, sagt Goldinger.