Stillstand am Parkett: Tanzschulen in Warteschleife. Fasching 2021 fällt aus – zum Leidwesen der Tanzschulchefs.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 08. Januar 2021 (06:05)

Märchenhafte Kleider, schwungvolle Tänze, lange Ballnächte – das alles wird es heuer nicht geben: Vom Landjugendball, Musikerball oder Feuerwehrball bis hin zu sämtlichen Maturabällen ist alles abgesagt worden.

Die in Hollabrunn und Umgebung aktiven Tanzschulinhaber Christian Hanickel, Manuela Danek und Hermine Mühlsiegl berichten im Gespräch mit der NÖN über die verlorene Saison, die vollkommene Ungewissheit, und wie sie nun in die Zukunft blicken.

Der aktuelle Lockdown betrifft alle Tanzschulbesitzer gleichermaßen, denn nach ein paar Tanzstunden im Herbst mussten sie bald wieder zwangspausieren. „Bälle und Hochzeiten sind ja der Hauptgrund, warum Leute in die Tanzschule gehen“, erzählt Tanzschulbesitzerin Hermine Mühlsiegl.

Es ist das erste Mal in der Geschichte ihres 125-jährigen Unternehmens, dass alle Bälle in einer Saison ausfallen. „Wir wollten eigentlich im Herbst 2020 ein großes Jubiläumsfest feiern, das nicht zustande gekommen ist. Ich hoffe, dass sich das neue Jahr normalisiert“, so die diplomierte Tanzmeisterin.

Da die körperliche Nähe beim Tanzen das Infektionsrisiko stark erhöht, gibt es keine andere Möglichkeit, als die Tanzschulen zu schließen. Wiener Walzer mit Mindestabstand? Ein Ding der Unmöglichkeit. Aus diesem Grund hat sich Mühlsiegl ein kreatives Konzept ausgedacht: „Wir haben an der Wand Markierungen in Augenhöhe angebracht, damit man sieht, wann man sich zu nahe kommt.“

War es im Herbst noch möglich, drei Tanzpaare, die jeweils aus demselben Haushalt stammten, zu unterrichten, ist nun ein komplettes Betretungsverbot für die Räumlichkeiten verordnet worden. Dieses zieht einen totalen Einkommensstillstand mit sich. Trotzdem müssen Fixkosten bezahlt werden. Die Zukunftsperspektiven liegen im Unklaren.

Sicherheitsdienst statt Tanzübungen …

Den Einkommensverlust kompensiert Tanzschulbesitzer Christian Hanickel momentan als Mitarbeiter im Sicherheitsdienst: „Zum Glück werden die jetzt überall gebraucht. Ich mache das schon länger, doch jetzt arbeite ich Vollzeit in dieser Branche.“ Normalerweise würde Hanickel in dieser Zeit Choreographien für zahlreiche Balleröffnungen einstudieren.

Tanzschulinhaberin Manuela Danek überbrückt den Lockdown mit Online-Kursen für Fitness und Tanz, die gegen Bezahlung gestreamt werden können. Das Angebot werde nur mäßig angenommen, „da viele den Platz zu Hause nicht haben“, bedauert sie. Zudem kann sie nicht nachvollziehen, warum sie ihr 500 Quadratmeter großes Tanzstudio nicht für andere Zwecke vermieten dürfe.

In die Zukunft blicken die Tanzprofis unterschiedlich: Danek rechnet damit, die Verluste erst in vier Jahren wieder ausgeglichen zu haben, Hanickel setzt viel Hoffnung in die Corona-Impfung und Mühlsiegl freut sich schon darauf, das Firmenjubiläum nachfeiern zu können. Die Vorfreude auf die nächste Ballsaison ist bei allen jedenfalls spürbar!