Strafen für Temposünder: Trotzdem „lächerlich gering“. 17 Lenker wurden heuer im Bezirk Hollabrunn im Freiland bereits mit mehr als 50 km/h zu schnellem Tempo erwischt.

Von Sandra Frank und Christoph Reiterer. Update am 10. September 2021 (12:40)
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Auch im Bezirk Hollabrunn wird oft viel zu schnell gefahren. Dass die höheren Strafen die Statistik nachhaltig nach unten schrauben, wird bezweifelt.
Franz Enzmann

Hört man sich im Bezirk Hollabrunn um, so kristallisiert sich keine klassische „Raserstrecke“ heraus. Tempo gebolzt wird aber auch hier gerne, wie die Strafen beweisen, die von der BH von Jahresbeginn bis zum 31. August ausgesprochen wurden.

25 Übertretungen über 30 km/h im Ortsgebiet; zwei Temposünder, die in 30er-Zonen mehr als 30 km/h zu schnell waren; 19 Übertretungen über 30 km/h (bis zu 50 km/h) in 70er-Beschränkungen, weitere neun in 80er-Beschränkungen und nicht weniger als 175 im Freiland. Für diese Herrschaften, die gerne aufs Gas steigen, wird’s nun teurer: Betrug der Strafrahmen hier bisher von 70 bis 2.180 Euro, sind es nun mindestens 150 und maximal 5.000 Euro.

Drei Raser wurden im Ortsgebiet erwischt, die mehr als 40 km/h zu schnell waren; 17 wurden im Freiland mit mehr als 50 km/h überhöhtem Tempo geblitzt. Hier winken nun Strafbescheide über 300 bis 5.000 Euro (bisher 150 bis 2.180 Euro).

Ganz schön saftig? Findet Wolfgang Dafert, Leiter der Straßenbauabteilung in Hollabrunn, gar nicht. „Ich habe einen schönen Tempomat im Auto, den ich im Freiland gerne auf 100 km/h stelle. Dabei werde ich weitaus öfter überholt, als dass mir Autofahrer mit einem 100er nachfahren“, sagt er. Als Leiter der Straßenbauabteilung hat er, wie er betont, bezüglich der Gestaltung der Strafen nicht mitzureden. Doch als ausgebildeter Verkehrsplaner habe er permanent mit Menschen zu tun, die sich beschweren, dass bei ihnen zu schnell gefahren wird. „Und als solcher muss ich sagen: Unsere Strafen sind immer noch lächerlich gering.“

„Am Wirtshaustisch wird’s stolz erzählt“

Tendenziell sei zu bemerken: „Jeder will, dass das vorgeschriebene Tempo vor seiner Haustür eingehalten wird, doch das eigene Übertreten der Geschwindigkeit ist ein absolutes Kavaliersdelikt.“ Da werde am Wirtshaustisch sogar stolz und gerne erzählt, wie schnell man etwa eine Kurve nehmen kann. „Solange hier keiner aufschreit, solange dürfte sich eigentlich niemand beschweren. Wir haben es als Gesellschaft nicht geschafft, die Regeln, die wir uns geben, einzuhalten“, meint Dafert. Jeder prüfe sich selbst, wie schnell er im Ortsgebiet, am Ortsrand oder im Freiland fährt.

Und immer noch schwingt Dafert ein Satz eines Straßenmeisterfreundes im Ohr, der in der Schweiz nur wenige km/h schneller als 50 unterwegs war und saftig gestraft wurde. Der Polizist dort meint: „Wenn wir wollten, dass sie hier 51 fahren dürfen, hätten wir 51 auf die Tafel geschrieben.“

Die „Unbelehrbaren“ wird es immer geben

Ob die Erhöhung der Strafen die Raser wirklich vom Schnellfahren abhalten werden, vermag der stellvertretende Bezirkspolizeichef Wolfgang Strobl nicht zu prophezeien, aber: „Ich glaube, dass Führerscheinentzüge mehr abschrecken als eine nominale Bestrafung.“ Denn gerade in einem Bezirk wie Hollabrunn brauche man seinen Führerschein, um mit dem Auto zur Arbeit zu kommen.

Ein konkretes Raser-Problem schwelt in Göllersdorf seit Langem: „Leider hat sich noch immer nichts geändert“, sagt Gabriele Kada auf NÖN-Nachfrage. Sie ist Anrainerin der Wienerstraße. Die Ortseinfahrt ist gerade und breit und lädt dazu ein, aufs Gas zu steigen – oder später auf die Bremse, wenn man in den Ort hineinfährt.

Das Thema beschäftigte bereits die Politik. Bisherige Maßnahmen – Tafeln, die die Geschwindigkeit messen oder Aufsteller, die wie Kinder aussehen – hätten nichts gebracht. Ob Kada glaubt, dass höhere Strafen die Raserei nun eindämmen? „Nein. Es gibt leider Menschen, die sind unbelehrbar.“ Sie selbst halte sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen: „Wenn es welche gibt, dann haben die auch einen Grund. Es kann immer ein Kind oder ein Tier auf die Straße laufen“, meint Kada.

„Tempo wird oft falsch eingeschätzt“

Auch Hollabrunns Stadtwerke-Chef Thomas Bauer fürchtet, dass notorische Schnellfahrer mit den erhöhten Strafen kaum eingebremst werden. „Vielleicht teilweise.“ Er habe bei einem Selbstversuch jedoch die Erfahrung gemacht, dass das Tempo von vorbeifahrenden Autos oft komplett falsch eingeschätzt wird: „Ich bin immer so was von daneben gelegen …“

Mit Beschwerden über Raser sei er wenig konfrontiert, als Ortsvorsteher von Oberfellabrunn höre er jedoch Kritik am 70er, der aufgrund der Unfallhäufigkeit zwischen Oberfellabrunn und Hollabrunn eingeführt wurde. „Dort war die einzige Stelle, wo man vernünftig überholen könnte, wenn es schon sein muss.“

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