Styropor, das neue Gold. Sorgenfalten bei Baumeistern und im Baumarkt im Bezirk Hollabrunn: „Wer mehr zahlt, bekommt auch mehr.“

Von Belinda Krottendorfer, Franz Enzmann und Christoph Reiterer. Erstellt am 28. April 2021 (04:09)
Michaela Zauner von der Firma Mösen- bacher und Harald Zehetner haben derzeit nicht ausreichend Styropor und Holz verfügbar. Krottendorfer
Belinda, Belinda

Von unangenehmen Verzögerungen auf Baustellen, weil es Lieferprobleme bei Ziegelhohlblocksteinen, Baustahl, Holz, Leimbinder, Dachpaneelen und Wärmedämmplatten gibt berichten auch Baumeister aus dem Bezirk Hollabrunn. Wieso es so wenig Bauholz am Markt gibt, kann sich einer von ihnen gar nicht erklären, „schließlich wächst in Österreich mehr Holz nach, als verarbeitet wird“.

Harald Zehetner, Baumarktleiter von Fetter Hollabrunn, bestätigt, dass es derzeit einen großen Mangel an EPS (normales Styropor) und XPS (rosa, härteres Styropor) gibt. „Das ist derzeit so wie Gold“, übt er sich in Galgenhumor. Der Baumarkt hat Probleme, Privatkunden und Baufirmen, die Fassaden herstellen, zu beliefern.

„China zahlt zwei Drittel mehr als wir“

Das Styropor wird im Burgenland von der Firma Austrotherm produziert, doch momentan sei dies wegen Rohstoffmangels nicht möglich. Bestellungen werden erst wieder Mitte Mai angenommen; das heißt, geliefert wird voraussichtlich im Juni. Kleine Ressourcen an Styropor habe der Hollabrunner Baumarkt noch lagernd. Ebenso gibt es laut Zehetner einen Mangel an Holz. In Österreich würde zwar genug Holz für das ganze Land produziert werden, jedoch gibt es derzeit einen riesigen Bau-Boom in Übersee und China. „China zahlt für Holz zwei Drittel mehr als wir – und wer mehr zahlt, bekommt auch mehr“, erklärt der Marktleiter.

Die Preise für Holz haben bei Fetter aktuell leicht angezogen, Zehetner erwartet aber noch höhere Steigerungen. Kleine Mengen an Holz sind noch da, die Lieferzeit beträgt momentan einen Monat. „Baustoffmängel gibt es immer wieder, jedoch haben wir sie noch nie so stark wie heuer gehabt. Ich nehme an, dass es mit Corona und dem Weltmarkt zu tun hat“, meint Zehetner. Er versichert, dass seine Mitarbeiter den Kunden immer weiterhelfen, jedoch seien ihnen manchmal die Hände gebunden.

Auch fürs doppelte Geld gibt’s nicht alles

Der Hollabrunner Baumeister Rudolf Mösenbacher bemerkt ebenso einen großen Mangel an Dämmstoffen und Holz. „So schlimm wie heuer waren die Baustoffmängel noch nie. Wir haben sogar aus Russland Dämmstoffe bezogen“, erzählt der Fachmann. Auch wenn er das Doppelte zahlen würde, bekomme er bestimmte Baustoffe nicht. Holz für Dachstühle ist derzeit noch erhältlich, aber wesentlich teurer. Für Eisen und Ziegel sind die Preise ebenso gestiegen. Bei neuen Verträgen müsse der Baumeister die Preissteigerungen an die Kunden weitergeben, da das Unternehmen sonst nicht überleben könne. Bestehende Verträge betreffe dies jedoch nicht.

Mit der Arbeit ist die Hollabrunner Baufirma momentan mehrere Wochen in Verzug. „Ich habe Kollegen, die Arbeiter nach Hause schicken. So weit sind wir noch nicht“, informiert Mösenbacher. Der Baustoffmangel bedeute für das Unternehmen vor allem Planungsunsicherheit. Um trotzdem weiterarbeiten zu können, müsse früh genug bestellet werden.

Früher seien Lieferungen in fünf Tagen gekommen, jetzt müsse man drei bis vier Wochen vorausplanen, was enormen Mehraufwand bedeutet. Ebenso müsse das Unternehmen seine Bauweise ändern. So werden beispielsweise andere Ziegel verwendet, bei denen man kein Styropor braucht.

„Teilweise äußern Unternehmer die Sorge, dass sie im Sommer trotz voller Auftragsbücher nicht alle Arbeiten durchführten können“, weiß Hollabrunns Wirtschaftskammer-Obmann Alfred Babinsky.

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