Thema Wirtesterben - Riepl: „Kaum Zeit, Wirt zu sein“. Wirtesterben Die NÖN sprach mit Gastronomen im Bezirk, worin sie in ihrer Branche die größten Probleme sehen.

Von Sandra Donnerbauer, Barbara Witzany, Franz Enzmann und Sandra Frank. Erstellt am 05. Juni 2019 (04:31)
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Symbolbild

47 aktive klassische Gasthäuser hat es Ende 2018 im Bezirk Hollabrunn gegeben, zehn Jahre davor waren es noch 56. Die Tendenz zeigt nach unten. Warum? „Es will niemand mehr am Wochenende arbeiten“, erklärt Gastro-Vertrauensmann Karl Riepl den Fachkräftemangel. Die Lehrlingsentschädigung sei zwar erhöht worden, aber offenbar zu spät. „Wir sind eine Branche, die in den letzten Jahren nicht zur Ruhe gekommen ist“, spricht der Hollabrunner auch das leidige Raucherthema an. Der Wankelmut der Politik sei belastend.

„Es bleibt fast keine Zeit mehr, Wirt zu sein.“ Entweder stehe er im Betrieb und arbeite mit, weil es an Personal fehlt. Oder er verbringt Zeit mit Papierkram und erledigt die Einkäufe. „An der Schank stehen, mit den Gästen Schmäh führen oder neue Konzepte entwickeln – dafür bleibt kaum Zeit.“

Wie es um die Zukunft seines eigenen Gasthauses in Hollabrunn bestellt ist, ist ungewiss: „Ich bin noch am Verkaufen. Es gibt einige Interessenten.“

Ähnlich angespannt sieht die Hardegger Wirtin Barbara Hauser die Lage. „Es wird immer schwieriger. Die Gäste werden dank Fast Food und Schnellrestaurants immer ungeduldiger, während Personal kaum vorhanden ist.“

Die Bürokratie nehme stetig zu, um etwa den Hygienerichtlinien, der Allergenverordnung oder den Arbeitsrechtsgesetzen zu entsprechen. „Die erste Schließungswelle kam mit dem Nichtraucherschutzgesetz, das unfaire Wettbewerbsbedingungen schaffte“, attestiert die Chefin des Gasthauses Hammerschmiede.

NOEN

Mit der Registrierkassenverordnung habe man die gesamte Branche als Betrüger hingestellt. „Zusätzlich war es ein enormer finanzieller Aufwand, denn ein in den Arbeitsalltag der Gastronomie gut integrierbares System kostet viel Geld.“ Dennoch ist die 39-Jährige gerne Wirtin und will nicht aufgeben.

Im Pulkautal haben in den letzten Jahren einige Traditionsgasthäuser zuseit den 1930er bestehenden Familienbetrieb der Dynastie Weinwurm. Das Weingasthaus Karlwirt mit dem gemütlichen Kastaniengarten betreibt die leutselige Wirtin Alexandra Weinwurm. „Es helfen meine Schwester, Eltern und Töchter fleißig mit“, will sie „voraussichtlich bis zur Pensionierung“ weitermachen.

„Wir sind nicht nur Wirte, sondern auch Psychologen und vieles mehr“, sagt Elisabeth Altinger vom Gasthaus Pelzer-Altinger in Sitzendorf. Zum Wirtshaussterben meint sie: „Da wurde eine Lösung seitens der Politik schon lange versäumt.“ Ein Nachfolger für ihr Lokal sei derzeit nicht in Sicht.

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