Tierheime in Corona-Zeit: „Anstieg ist gewaltig“. Seit fast einem Jahr verbringen die Menschen extrem viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Da steigt die Nachfrage nach Hund und Katz, wie Tierheime bestätigen.

Von Elisabeth Hess, Belinda Krottendorfer und Kathrin Schlegelhofer. Erstellt am 02. Februar 2021 (04:41)
Die Möglichkeiten, Spenden und Einnahmen zu akquirieren, wurden durch die Lockdowns eingeschränkt. Die Arbeitsplätze konnten aber gehalten werden, das Kremser Tierheim stockt sogar auf. Aktuell kümmern sich zwölf Personen, wie Tierpflegerin Anikó Péter, um das Wohl von Hund, Katz, Nager oder auch Vogel. Mayerhofer
Johannes Mayerhofer

In Hollabrunn haben 2.576 Bürger das Tierschutzvolksbegehren unterschrieben. Die NÖN nahm das Thema zum Anlass, um in den umliegenden Tierheimen und bei Tierärzten zum Status quo in der Corona-Zeit nachzufragen.

Nina-Maria Zinn-Zinnenburg, Obfrau und Tierheimleiterin des Tierschutzvereins Krems, erzählt: „Wir haben mit Beginn des ersten Lockdowns einen gewaltigen Anstieg an Personen, die sich ein Tier zulegen wollen, erlebt.“ Die Arbeit im Homeoffice und die Lockdowns scheinen das Bedürfnis nach Haustieren zu steigern, die Zahl der Tiervermittlungen nimmt zu. Damit geht einher, dass weniger Personen ihre Tiere abgeben, „weil die meisten die Tierpflege im Homeoffice meistern“, sagt Gabriele Bachmayer, Schriftführerin des Dechanthofs in Mistelbach. Dieser ist, ebenso wie das Kremser Tierheim, Anlaufstelle für die Hollabrunner.

Da das Landestierheim immer wieder Tiere aus Beschlagnahmungen aufnimmt, muss der Dechanthof zwischen drei und vier Zimmer freihalten. „Wir können nicht bis aufs letzte Zimmer Tiere aufnehmen“, erklärt Bachmayer.

Die Tiervergabe funktioniert im Dechanthof momentan nur über eine konkrete Terminvergabe, um zu hohes Kundenaufkommen zu vermeiden.

Zinn-Zinnenburg bestätigt der NÖN zudem, dass ihr Tierheim zurzeit nicht überfüllt ist. Der Hunde- und Katzenbestand sei derzeit weniger als im Hochsommer; „das ist aber normal für die Jahreszeit und jedes Jahr so“, fügt sie hinzu. Erst bei wärmeren Temperaturen steige die Zahl der vermissten Tiere, da sie sich in der freien Natur verlaufen würden. Verhaltensauffällige oder alte Tiere, die Medikamente nehmen müssen oder chronische Erkrankungen haben, seien für potenzielle Tierbesitzer „weniger attraktiv“ und würden daher seltener adoptiert, erläutert Zinn-Zinnenburg.

Durch den Ausfall zahlreicher Veranstaltungen wie Frühlings- oder Weihnachtsfest seien die damit einhergehenden Einnahmen weggefallen. Aber: „Die allgemeine Spendenbereitschaft der Bevölkerung hat auch im Ausnahmejahr 2020 nicht gelitten“, berichtet Zinn-Zinnenburg. Kleinspenden und Überweisungen der Tierpaten liefen wie gewohnt weiter.

Ein durchaus interessantes Phänomen macht sich neuerdings bemerkbar: „Wenn Menschen versterben, die zeit ihres Lebens große Tierfreunde waren, dann erleben wir nun stärker als in den vergangenen Jahren, dass bei den Beerdigungen Geld für das Tierheim gesammelt wird. Das sind meist keine riesigen Beträge, aber doch einige hundert Euro.“

Yvonne Ehrlich von der Ani-Cura Tierklinik Hollabrunn empfiehlt, sich jede Anschaffung gründlich zu überlegen. „Man sollte sich über die Bedürfnisse des Tieres informieren und sich fragen, ob diese zum eigenen Leben passen und ob auch nach dem Lockdown noch genug Zeit dafür ist.“ Während des Lockdowns dürfen die Besitzer nicht in die Klinik, sondern müssen im Auto warten.

Eva Bauer, Tierärztin in Guntersdorf, bemerkt ebenfalls, dass das Bedürfnis nach Haustieren derzeit gegeben ist. „Die Leute können nicht raus und wollen sich um irgendwen kümmern und sich beschäftigen.“ Sie kenne Personen, die sich im Lockdown Katzen zugelegt haben. Dies war jedoch lange geplant, jetzt sei eben endlich die Zeit dafür.

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