Tourismus-Sommer 2020: „Wie in Gegenstromanlage“. Volle Betten im Retzer Land. Der August bescherte der Weinstadt sogar einen neuen Allzeitrekord. Hoffnung auch für Amethyst Welt.

Von Franz Enzmann, Günter Rapp, Barbara Witzany und Christoph Reiterer. Erstellt am 16. September 2020 (04:09)
Goldwaschen in der Amethyst Welt. Im Maissauer Top-Ausflugsziel wurden die Erwartungen durcheinen regelrechtenBesucheransturm weit übertroffen. Auch Retz meldet sehr starke Auslastung in den Sommermonaten.
Amethyst Welt

Als die Tourismusbetriebe Ende Mai nach dem Lockdown wieder öffnen durften, schnellten die Buchungen in Retz rasch nach oben. Vor allem Tagesgäste zog es in die Weinstadt. „Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit Althof-Manager Bernd Kleinschuster im Juni, wo er meinte, es sei noch viel Luft nach oben. Diese Luft nach oben kam dann allerdings schneller als erwartet“, berichtet der Retzer Tourismuschef Daniel Wöhrer. Kaum im Amt, sah er sich vor enorme Herausforderungen gestellt.

„Es war eine sehr belastende Zeit, die mir auch die eine oder andere schlaflose Nacht beschert hat“, gesteht Wöhrer. Das Personal des Kellermuseums und Tourismusbüros wurde in Kurzarbeit geschickt.

Doch statt der üblichen Bus- und Seminargruppen füllten im Sommer viele Individualreisende fast alle Betten im Retzer Land. Die Nächtigungszahlen übertrafen alle Erwartungen. In der Stadtgemeinde Retz waren es im August 6.208. Der bisherige Bestwert lag bei 5.621 im September 2006! Die Besucherzahlen im Erlebniskeller erreichten jene des Jahres 2019 – und das ohne Busgruppen.

Auch das Hotel Althof war im Juli und August bestens gebucht. Für den September sehe es ebenfalls gut aus. Direktor Kleinschuster tritt jedoch auf die Euphoriebremse: „Es ist nicht so, dass man drei Monate Stillstand aufholen kann. Aufs Jahr gesehen steht das Wasser immer noch sehr hoch – aber es rinnt nicht mehr in die Augen.“

"Ein wackeliges Kartenhaus"

Insgesamt sei es ein sehr wackeliges Kartenhaus. Die Einzelgäste-Nachfrage lässt nun nach. Bei den Seminaren halten sich Buchungen und Stornierungen die Waage. „Es ist wie in einer Gegenstromanlage“, sagt Kleinschuster, „aber auf einem vernünftigen Niveau.“

Für die Zeit, in der üblicherweise Weinlese- und Kürbisfest stattfinden, sind noch Zimmer frei. Neue Beschränkungen, etwa bei Hochzeiten, lassen neue Fragezeichen entstehen: Bei einer Hochzeit mit über 80 Gästen sind nun nur noch 50 erlaubt … Es stehe aber nicht an, nun zu jammern, denn andere Standorte der Ipp-Hotelgruppe, wie etwa in Wien oder Kufstein, seien mit Einbußen von 85 Prozent viel härter getroffen, erklärt Kleinschuster.

Plus bei E-Bike-Umsatz

Mit dem E-Bike-Umsatz liegt Retz trotz des Lockdowns gegenüber dem starken Vorjahr bei +20 Prozent. „Es hat sich mehr als ausgezahlt, die Rad- und Wanderwege in den letzten Jahren so intensiv zu betreuen und zu bewerben“, ist Wöhrer zufrieden. Allerdings: Individualgäste seien deutlich intensiver zu betreuen als Busgruppen, wo der Reiseleiter im Vorhinein alles organisiert. Zusätzlich erschweren die sich ständig ändernden Corona-Vorschriften die Arbeit. „Wir verzeichnen alle sehr viele Überstunden, und das Tourismusbüro platzt förmlich aus allen Nähten“, erklärt der Tourismusstadtrat.

Bis Mitte Oktober liegen einige Reservierungen vor. Bis dahin wird die große Frage zu beantworten sein: Wie wird der Advent ablaufen können?

In der Maissauer Amethyst Welt hat die Coronakrise den großen Ambitionen für die neue Ausflugssaison 2020 schlagartig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach der monatelangen Zwangspause richteten Geschäftsführer Josef Sparrer und sein Team alle Hoffnungen auf den Sommer und darauf, dass die Lust auf Familienausflüge rasch wiederkehren würde. Und tatsächlich wurden die Erwartungen durch einen regelrechten Besucheransturm weit übertroffen. „Ein sichtbarer Beweis für die Attraktivität unserer neuen Besucher-Highlights mit der Achate-Sonderausstellung und der Goldwaschanlage“, ist Sparrer überzeugt.

Im Gesamtjahresvergleich mache sich die dreimonatige Schließung freilich trotzdem bemerkbar, zumal die Monate April, Mai und Juni üblicherweise zu den stärksten für das Maissauer Top-Ausflugsziel zählen.

„Was wir im Sommer besonders gemerkt haben, ist, dass unsere vielfältigen wetterfesten Angebote mittlerweile eindeutig bei den Besuchern angekommen sind“, betont der Geschäftsführer. Indes wird auf Hochtouren an einem neuen Konzept gearbeitet, um die Maissauer Amethyst-Ader zukünftig noch besser und erlebnisreicher in Szene zu setzen. Für die Kinder soll der Erlebnisfaktor mit der wetterfesten Umgestaltung des Funcorners bzw. Soccerplatzes weiter gesteigert werden.

Vom Heldenberg berichtet Bürgermeister Peter Steinbach: „Die Saison war trotz der Coronasituation nicht schlecht. Es haben zwar die Bustouristen gefehlt, das wurde aber von den Tagesgästen fast kompensiert.“

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