Unwetter: „Hagelkörner schlugen ein wie Granaten“

Da Wetterextreme, wie das Hagelgewitter vom 24. Juni, leider immer mehr werden, empfiehlt Bauernkammerobmann Fritz Schechtner den Landwirten, unbedingt Versicherungen abzuschließen. In Hohenwarth will Weinkomitee-Obmann Hans Setzer trotz großer Schäden am Weintour-Wochenende gute Laune verbreiten.

Sandra Frank
Sandra Frank Erstellt am 25. Juni 2021 | 17:24

Hans Setzer, Winzer in Hohenwarth und Obmann des Weinkomitees Weinviertel, lässt sich seine gute Laune selbst von den jüngsten Weltuntergangsszenarien nicht nehmen. „Wir haben bei der Weintour auf alle Fälle offen und verbreiten gute Laune. Schlechte Stimmung macht ja keinen Dachziegel wieder ganz.“ 

Den Weingärten gehe es „bescheiden“, sagt er auf Nachfrage, aber: „Wir sind zum Glück weit entfernt davon, dass keine Blätter mehr auf den Rebstöcken sind wie in anderen Gebieten.“ Allerdings: Alle Dächer des Weinguts sind beschädigt, zwei sogar irreparabel. Eine Halle für Traktoren ist mit Welleternit gedeckt: „Jede Platte ist kaputt.“ 

Während des Unwetters war ein Kunde im Weingut Setzer, die Heckscheibe seines Wagens wurde vom Hagel eingeschlagen, auch die Windschutzscheibe ist kaputt. „Die Hagelkörner haben wie Granaten in unserem Hof eingeschlagen“, beobachteten die Setzers das Geschehen in ihrem Weingut.

"Der zweite Schwung war noch extremer"

Wie hoch der Schaden für das Weingut ist – Ernteausfälle und Reparaturkosten –, kann Setzer am Tag nach dem großen Unwetter noch nicht beziffern. Ein solches Unwetter habe es jedenfalls noch nie gegeben. „In den letzten 60 Jahren hat es bei uns überhaupt nur ein Unwetter mit Hagel gegeben“, erinnert er sich an das Jahr 2010. Da kamen kleine Hagelkörner vom Himmel und zerstörten etwa 80 Prozent der Ernte. „So schlimm ist es heuer zum Glück nicht – bis jetzt“, hofft Setzer, dass die Region von weiteren Gewittern verschont bleibt.

An ein Unwetter in dieser Dimension kann sich auch der Obmann der weingueter-weinviertel.at (WW4), Manfred Zöhrer, nicht erinnern. Sein Betrieb in Oberstinkenbrunn ist ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Es ist total schlimm. Der zweite Schwung war noch extremer“, denkt er an die zweite Gewitterfront, die sich über der Region entlud. 

Einige Weingärten sind komplett kahl, auch die Obstbäume des Betriebs hat es erwischt. „So schön alles war, jetzt ist alles weg“, sagt der Winzer, der sich nicht an ein so großflächiges Unwetter erinnern kann. Ein Hallendach des Weinguts wurde durch den Hagel beschädigt, doch das kann auf die Reparatur warten: „Da gibt es Einfamilienhäuser, die dringender einen Dachdecker brauchen“, sagt Zöhrer. Nachsatz: „Die Menschen in Tschechien hat es noch viel schlimmer erwischt.“

Kammerobmann rät: "Unbedingt versichern!"

Bauernkammerobmann Fritz Schechtner ist am Freitagvormittag damit beschäftigt, sich einen Überblick über „das ganze Band der Zerstörung“ zu verschaffen, als ihn die NÖN erreicht. Die Kulturen auf den Feldern sind bereits fortgeschritten, in diesem Stadium kann der Hagel viel Schaden anrichten. Aber nicht nur das: „Viele Landwirte haben große Schäden an ihren Hallen und landwirtschaftlichen Geräten“, weiß der Kammerobmann, der selbst verschont blieb. „In Niederfladnitz hat es nur geregnet, Eis hatten wir zum Glück nicht.“

Aber auch der Starkregen birgt Probleme: Der Boden war durch die große Hitze ausgetrocknet und konnte den Niederschlag nicht aufnehmen. Die extreme Hitze der vergangenen Tage war es auch, die dazu geführt hat, dass sich so extrem große Hagelkörner bilden konnten. „Das ist ein Produkt des Klimawandels“, sagt der Landwirt. In seiner Heimatgemeinde, die zur Stadtgemeinde Hardegg gehört, klettert das Thermometer nur ganz selten über 30 Grad. In den letzten Tagen zeigte dieses 32 Grad an. Seinen Kollegen in der Landwirtschaft rät Schechtner: „Unbedingt versichern!“ Auch wenn nicht alles zu 100 Prozent abgedeckt ist, kann die Versicherung helfen und den Schaden mindern.