Vierter Lockdown: Impfpflicht als notwendiges Übel?

Der Lockdown ist Schuld der Regierung, sagen FPÖ und SPÖ im Bezirk Hollabrunn. Es muss so sein, um die Menschen zu schützen, sagen ÖVP, Grüne.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:19
Impfung mit Biontech-Pfizer-Impfstoff
Impfung mit Biontech-Pfizer-Impfstoff
Foto: dpa

Zuerst 2G, dann Lockdown für Ungeimpfte, jetzt Lockdown für alle und Impfpflicht – vergangene Woche ging es Schlag auf Schlag. Die NÖN hörte sich um, was Vertreter der Parteien von alledem halten.

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FPÖ- Lausch: „Mein Körper, meine Gesundheit, meine Entscheidung.“
NÖN

„Mein Körper, meine Gesundheit, meine Entscheidung“, spricht sich FPÖ-Parlamentarier Christian Lausch klar gegen eine Impfpflicht aus. Er will Corona nicht kleinreden, doch die Impfpflicht halte er für „weit überzogen“.

Aus seiner Sicht wäre der Lockdown vermeidbar gewesen. Die Regierung habe versagt: „Sie hat den Sommer verschlafen, weil man sich auf die dumme Aussage des Altkanzlers verlassen hat, dass die Pandemie mit der Impfung vorbei ist.“ Intensivstationen wurden nicht ausgebaut und auch sonst keine Maßnahmen getroffen. „Hoffentlich überleben Gastronomie und Dienstleister diesen vierten Lockdown“, blickt Lausch besorgt auf die Wirtschaft.

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ÖVP-Hogl: „Das Ziel muss doch sein, dass keiner stirbt.“
NÖN

ÖVP-Landtagsabgeordneter Richard Hogl, wie Lausch Chef der Bezirkspartei, sieht das anders. Angesichts der Infektionszahlen sei der Lockdown richtig. Zur Impfpflicht hat Hogl ebenfalls eine andere Meinung: „Wir können über alles schimpfen“, sagt er, „aber es hat mir noch keiner der Impfgegner gesagt, wie wir sonst aus der Pandemie herauskommen sollen.“

Den Vorschlag, Intensivbetten über den Sommer aufzustocken, hält Hogl für kontraproduktiv: „Das Ziel muss doch sein, dass wir alle gesund halten und keiner stirbt“, spricht er von einer Grundsatzfrage. Mehr Krankenbetten würde bedeuten, dass sich mehr anstecken können.

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Grünen-Ecker: „Impfpflicht, um Pandemie zu überwinden.“
NÖN

Ähnlich sieht es Georg Ecker, Landtagsabgeordneter der Grünen: „Ziel der Maßnahmen ist es, Menschenleben zu retten und unser Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren.“ Patienten, ob an Corona erkrankt oder nicht, müssen die nötige medizinische Versorgung erhalten. „Der Lockdown ist dazu da, um dies sicherzustellen.“ Er bittet, diese Maßnahme ernst zu nehmen.

„Wir können durchaus stolz sein, dass unser Bezirk eine der höchsten Impfraten österreichweit hat“, spricht Ecker die für Februar geplante Impfpflicht an. Er sieht sie mittelfristig als einzige Möglichkeit, die Pandemie in den Griff zu bekommen, betont aber: „Das ist kein Mittel, das wir Grüne leichtfertig oder gern ergreifen.“ Aber die Impfpflicht sei notwendig, um die immer noch niedrige Impfrate zu erhöhen und die „Pandemie endlich zu überwinden“.

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SPÖ- Dechant: „Das System ist auf Solidarität aufgebaut.“
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Den roten Genossen in Hollabrunn gefallen Aussagen wie diese nicht. „Unser Gesundheitssystem ist auf Solidarität aufgebaut. Jeder Mensch hat die beste medizinische Versorgung verdient“, sagt SPÖ-Stadtchef Friedrich Dechant. Nicht das Volk habe in der Corona-Pandemie versagt, „sondern die unfähige Bundesregierung, die kein einheitliches Krisenmanagement hat“, ergänzt Fraktionssprecher Alex Eckhardt. Im Sommer habe die Volkspartei die Pandemie für beendet erklärt, anstatt für eine mögliche Drittimpfung zu werben.

„Sollte die Bundespartei bei der Impfpflicht mitgehen, sehe ich viele weitere Teile unserer Bewegung wegbröckeln“, prophezeit Eckhardt. Dechant würde sich gern am burgenländischen Vorbild orientieren: „Durch Anreize, verbunden mit mehr Informationen, kann die Impfskepsis mancher Mitbürger gelegt werden.“ Dem stimmt Stefan Hinterberger, stellvertretender Bezirkschef der SPÖ, zu: „Statt drakonischer Strafen für Ungeimpfte bevorzuge ich positive Anreize für Geimpfte.“

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