Hollabrunn

Erstellt am 18. Januar 2017, 04:15

von Franz Enzmann und Barbara Witzany

Vogelgrippe: Falken und Geflügel unter Quarantäne. Noch ist in Hollabrunn kein Fall gemeldet. Dennoch gilt die Stallpflicht, die von Amtstierärzten überprüft wird.

Sorgt sich um seine Vögel: Mario Aigner mit seinem Adler. Der Falkenhof ist eine Attraktion am Heldenberg.  |  NOEN, Witzany

Sie ist wieder da: die Vogelgrippe. Offiziell heißt es, sie wurde von Wildvögeln nach Deutschland und Österreich eingeschleppt. Deshalb gilt jetzt österreichweit Stallpflicht. Das beschäftigt auch Betroffene im Bezirk Hollabrunn.

Die Hollabrunner Amtstierärztin Eva Pieler erwartet, dass die Stallpflicht mindestens für die nächsten drei Monate bestehen bleiben wird. Im Nachbarbezirk Mistelbach sind schon Landstriche zur Überwachungszone erklärt worden, da das Virus in Tschechien bereits grassiert. Das bedeutet: In dieser Zone dürfen keine Geflügeltransporte durchgeführt werden.

Die Freiland-Hühner im Stall stellen das Eierlegen ein. Sie sind diese Haltung überhaupt nicht gewohnt.  |  NOEN, Enzmann

Tritt die Vogelgrippe in einem Betrieb oder Gehöft auf, wird im Radius von drei Kilometern eine Schutz- und im Umkreis von zehn Kilometern eine Überwachungszone eingerichtet, erklärt die Amtstierärztin. „Im Bezirk Hollabrunn und in ganz Niederösterreich ist derzeit kein Krankheitsfall gemeldet worden. Die Amtstierärzte sind angewiesen, die Stallpflicht stichprobenartig zu kontrollieren.“

Im bekannten Entendorf Großmeiseldorf im Schmidatal halten sich derzeit rund 30 Enten unterschiedlicher Rassen im Bachbett auf. „Die BH prüft, ob in diesem konkreten Fall eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden kann“, erklärt Bezirkshauptmann Stefan Grusch.

Bis Montagabend hatte „Entenvater“ und Vizebürgermeister Hermann Fischer noch keine Information darüber, wie er mit dieser Situation umgehen soll. Im Schmidatal gibt es mehrere Ortschaften mit Enten – und nicht immer wird das Geflügel so betreut wie in Großmeiseldorf. In Ziersdorf werden die Tiere beispielsweise nicht versorgt, seit zwei Jahren leben sie aber im und um den Ort.

Stallpflicht nicht Lösung, sondern Teil des Problems?

Im Falkenhof Aigner am Heldenberg wurde schon vor der Geflügelpestverordnung reagiert, denn: „Wir hängen an unseren Tieren. Es ist nicht nur der Geldwert, sondern auch die emotionale Bindung an unsere Vögel. Deshalb haben wir schon vorab unseren Falkenhof geschlossen“, führt Marion Aigner aus. „Auf Sauberkeit im Umfeld unserer Greifvögel sind wir ohnehin immer bedacht gewesen, jetzt passen wir beim Füttern noch mehr auf.“

Sogar das Training mit den Tieren fällt aus. „Im Winter ist das nicht so schlimm. Allerdings muss man nach der Aufhebung der Stallpflicht mit den Vögeln wieder länger trainieren, das ist halt mehr Aufwand als im laufenden Betrieb.“

Immer mehr Experten meinen allerdings, die Stallpflicht sei nicht die Lösung, sondern eher Teil des Problems. Denn nicht Wildvögel, sondern Geflügelexporte aus Massenhaltung von und nach Asien würden die Vogelgrippe einschleppen. Amtstierärztin Pieler kennt einen Beitrag, den das bayrische Fernsehen zum Thema „Vogelgrippe falsch bekämpft? Beruhigungspille Stallpflicht!“ ausgestrahlt hat.

In dieser Reportage spricht der deutsche Zoologie-Professor Josef Reichholf davon, dass den Zugvögeln zu Unrecht die Schuld an der Übertragung des asiatischen Virus H5N8 zugesprochen wird, denn diese würden ja von Nord nach Süd fliegen.

Der Berliner Ornithologe Klemens Steiof sieht das Flugzeug als Überträger der Viren. Zuerst seien Eintagsküken von Deutschland nach Asien eingeflogen worden. Am Rückflug sei Geflügelfutter in unser Nachbarland gekommen und damit auch das gefürchtete Virus zum deutschen Geflügel. Also liege die Schuld bei der Geflügelindustrie und sei die Stallpflicht überhaupt nicht notwendig, so die These.